Text: Michael Irrgang, Bilder: Martina Stumpf-Irrgang, 04.10.2023

6h 02 Start

Start: Kein taktisches Geplänkel, sondern von Beginn an in der Spitzengruppe: Katrin Gottschalk

6h 03 Start

Start: 6 auf einen Streich! Walter Hösch, Claudia Lederer, Rainer Leyendecker und im Hintergrund Michael Irrgang, Michael Bohm und Guido Piehlmeier

Mit der 6h-Meisterschaft endete am letzten Sonntag der Reigen der Ultramarathon-Meisterschaften und damit auch die Ultramarathon-Bundesliga. Und irgendwie hatte am Ende des Tages jeder irgendetwas zu feiern. Der Verein „Die Laufpartner“ konnte nicht nur die Siegerin Jasmin Beer stellen, sondern neben der Frauen- und Männermannschaft auch die Tageswertung der Bundesliga gewinnen. LG Nord präsentierte sich nach einigen Meisterschaften mit schwächeren Teilnahmen mit einem leistungsstarken Team und engagierten Betreuern und konnte im Einzel- und Mannschaftsbereich einige Erfolge verbuchen, die Mauerwegläufer stellten das größte Team und gewannen unter anderem den Titel mit der Mannschaft Frauen 50+, auch wenn der Vorsprung nur knapp 350 Meter zu unseren Frauen betrug.

LG Würzburg, LSG Karlsruhe und Spiridon Frankfurt zeigten sich ebenfalls hoch motiviert und erzielten einige tolle Einzel- und Mannschaftsergebnissen. Die äußeren Bedingungen waren ideal mit Temperaturen um die 20 Grad und keinen Wind, die etwa 1 km lange Strecke war eher nicht flach, sondern ging ca 400m leicht berghoch und 400m leicht bergab, was aber für die Muskulatur und guten Leistungen eher gut ist, was zahlreiche gute Ergebnisse und Bestleistungen bestätigen. So haben die Gewinner Michael Ohler (TSV Kandel) mit 82,644 km und Jasmin Beer (Die Laufpartner) mit 76,553 km auch international beachtliche Leistungen erzielt. Für Jasmin, der 25jährigen Läuferin aus Potsdam, bedeutete die Leistung eine Verbesserung ihrer Bestzeit um fast 8 km und das Aufstellen eines neuen Deutsches Rekordes in ihrer Altersklasse W20. Auch Irene Hofmann aus Karlsruhe lief einen Deutschen Rekord in der Altersklasse W70 mit 56,164 km.

6h 01 Mannschaftsbild

Mannschaftsbild mit Läufer und Betreuer

Aber auch bei der LG Ultralauf gab es viel Grund zur Freude. Herausragend war wieder einmal der Einsatz und die Leistung von Katrin Gottschalk. Mitten in der Vorbereitung auf die 24h-Weltmeisterschaft wollte sie in diesem Lauf ihre gute Form bestätigen und lief ein beherztes, kontrollierte Rennen. Anders als bei den Männern liefen eine Handvoll Favoritinnen in den ersten Stunden wenn auch nicht zusammen, so doch sehr nahe bei einander mit wechselnden Reihenfolgen. Erst nach 4 Stunden konnten sich Katrin und Jasmin von ihren Verfolgerinnen endgültig absetzen, aber dem Endspurt von Jasmin konnte Katrin leider nicht folgen. Am Ende hatte Katrin nach Restmeterausmessung unglaubliche 74,778 km in der Ergebnisliste stehen, was eine Steigerung ihrer persönlichen Bestleistung um etwa 6 km bedeutete sowie die Aufstellung eines neuen Deutsches Rekordes in ihrer Altersklasse W45.

6h 05 Kerstin Ilona

Mit Kerstin Hommels und Ilona Schmiedel liefen zwei ausgesprochene Frohnaturen um den Albert-Einstein-Ring in Dreilinden

6h 06 Claudia Walter

Claudia Lederer und Walter Hösch sind seit vielen Jahren Leistungsträger für die LG Ultralauf

6h 04 Alex Georg

Alexander Lauterbach und Georg Kirsch waren phasenweise gemeinsam unterwegs

6h 07 Michael Michael

Die beiden Mehrtageslaufspezialisten Michael Irrgang und Michael Bohm gemeinsam unterwegs

Aber auch die anderen Frauen zeigten sehr gute Ergebnisse. Besonders beeindruckte Ilona Schmiedel in ihrem ersten Rennen für die LG Ultralauf mit einem überlegenen Sieg in ihrer Altersklasse W65. Auch Sylvia Faller gewann ihre Altersklasse W55. Das war allerdings nicht wirklich überraschend, denn in diesem Jahr tat sie dies fünfmal bei sechs Rennen. Lediglich beim stark besetzten Rennsteiglauf musste sie mit dem 4. Platz vorliebnehmen.

6h 23 Ehrung Sylvia

Sylvia ganz oben auf dem Podest nach einem gelungenen Lauf

6h 24 Ehrung MS W50 Thomas

links: die erfolgeiche Mannschaft Frauen 50+ mit Ilona Schmiedel, Sylvia Faller und Petra Fornacon; rechts: unser bester Mann: Thomas Blumtritt

Wir haben uns ja schon daran gewöhnen müssen, dass unsere Frauen unsere Männer deklassieren, und so folgte der beste Mann, Thomas Blumtritt mit 66,509 km, in respektvollem Abstand zur Vizemeisterin Katrin. Aber es sah tatsächlich anfangs nach einer kleinen Überraschung aus, denn Frederik Stobbe, mit 21 Jahren einer der jüngsten Ultraläufer in Deutschland, startete beeindruckend couragiert geradezu übermütig. Folgte er zunächst dem hohen Favoriten Frank Merrbach, so setzte er sich nach ca 1 Stunde zur Verblüffung aller sogar an die Spitze. Es war erst sein zweiter Ultralauf und in dem Alter ermöglicht ein gut strukturiertes Training größere Leistungssprünge. Aber kann so etwas gutgehen? Nun ja, grundsätzlich vielleicht schon, aber diesmal nicht. Magenprobleme setzten den leidenschaftlichen Schachspieler Matt. Auch wenn er später nicht mehr wieder anlaufen konnte, so blieb er gehend und joggend auf der Strecke und sammelte noch über 63 km. Auch diese Willensleistung verdient Anerkennung. „Das kann ich viel besser“, sagte er nach dem Rennen und freut sich schon auf die Revanche gegen sich selbst bei nächster Gelegenheit. Ein sympathischer Typ, ein großer Sportler mit viel Talent, an dem wir zukünftig sicher noch viel Freude haben werden.

6h 20 Freddy

Frederik Stobbe analysierte sein Rennen

Als Drittbester Mann des Vereins folgte Guido Piehlmeier, bereits national in der Altersklasse der erfahrenen Ultras M65 startend. Bemerkenswert ist dabei, dass er seine persönliche Bestleistung aus dem Jahre 2019 um über einem Kilometer steigerte. Er nahm in diesem Jahr an vier der fünf Deutschen Meisterschaften teil und lief ebenfalls über 100km und 24h neue Bestleistungen. Wirklich beeindruckend diese Leistungssteigerungen auf allen Distanzen.

Mit seiner Kilometerleistung gewann er auch seine Altersklasse vor Vereinskollege Rainer Leyendecker.6h 25 Guido

Guido Piehlmeier mit seiner Frau Evi am Ende eines sehr erfolgreichen Tages

Mein Rennen verlief unerwartet gut. Nach der 48h WM und Corona habe ich gerade erst mit dem Training begonnen und immer noch tendenziell einen zu hohen Puls. Dennoch konnte ich meine Bestleistung in „meinem zweiten Läuferleben“ nach der Zäsur 2012 um ca 1 km steigern.

Aber auch die anderen Männer liefen couragierte Rennen und erzielten gute Ergebnisse. Mit den Mannschaften sind wir etwas erfolgsverwöhnt und auch diesmal konnten wir die Wertungsklasse M50+ gewinnen. Allerdings ist es uns noch nie passiert, dass unsere Männermannschaft nicht über einen 7. Platz hinauskam! Da waren andere Vereine bei dieser Meisterschaft einfach besser!

Unsere Einzelergebnisse:

Platz Weite Name WM Platz WM AK Platz AK
6 74.778 km   Gottschalk, Katrin W 2 W45  1
27 66.509 km   Blumtritt, Thomas M 18 M55  2
30 65.103 km   Lederer, Claudia W 12 W45  4
33 64.483 km   Stobbe, Frederik M 21 M20  1
42 61.896 km   Piehlmeier, Guido M 27 M65  1
45 61.394 km   Hösch, Walter M 30 M60  5
46 61.394 km   Faller, Sylvia W 16 W55  1
48 61.272 km   Kirsch, Georg M 32 M30  2
51 59.791 km   Irrgang, Michael M 33 M55  5
57 57.231 km   Schmiedel, Ilona W 21 W65  1
70 53.682 km   Leyendecker, Rainer M 44 M65  2
76 52.334 km   Fornacon, Petra W 30 W65  3
77 52.169 km   Bohm, Michael M 47 M55  6
78 52.035 km   Hommel, Kerstin W 31 W60  2
80 51.495 km   Lauterbach, Alexander M 49 M40  13

 

In Summe haben wir für die Ultramarathon-Bundesliga aber wieder sehr viele Punkte sammeln können, insbesondere in den höheren Altersklassen und natürlich auch durch Katrin mit ihrer Gesamtplatzierung, ihrem Altersklassensieg und der soliden Basis für die Frauenmannschaft. In der Addition der sogenannten Rohpunkte kamen wir auf den zweiten Platz der Tageswertung. Lediglich die Laufpartner, die im Seniorenbereich nicht gut vertreten sind, holten etwas mehr Punkte und sicherten sich damit den Titel „Mannschaft des Tages“. Damit können wir gut leben, denn in der Addition der sogenannten Wertungspunkte aller Meisterschaften haben wir die Nase vorn und damit auch diese Saison der Bundesliga gewonnen – wenn auch knapper als in den Jahren zuvor.

UBundesliga2023

Die Tabelle zeigt, dass man an allen Meisterschaften teilnehmen muss, um ganz vorne mit dabei zu sein. Interessant ist auch, dass bei dieser Meisterschaft die ersten 5 Vereine recht nah beieinander lagen, was es seit der Einführung der Ultramarathon-Bundesliga im Jahre 2015 so noch nicht gegeben hat.

Ich würde mir etwas mehr Aufmerksamkeit für die Ultramarathon-Bundesliga wünschen. Immerhin gibt es von der DUV für die bestplatzierten Vereine ein kleines Preisgeld zu gewinnen.

Dieses setzen wir oft ein, um am Ende der Saison dem Team im Rahmen einer keinen Jahresabschlussfeier zu danken. Da wir im Sommer eine große Jubiläumsfeier zum 15jährigen Vereinsbestehen feierten, fiel die Jahresabschlussfeier etwas kleiner aus – aber immerhin haben Läufer und Betreuer mit einem Becher alkoholfreien Sekt auf unsere Erfolge des Tages und des Jahres angestoßen!

Insgesamt hat der Verein Die Laufpartner eine tolle Meisterschaft organisiert. Über 100 Läuferinnen und Läufer sind gekommen und zeigten in Summe überdurchschnittliche Leistungen, wozu sicher auch die vielen Betreuer und sogar Zuschauer beigetragen haben. Hat viel Spaß gemacht und wir freuen uns schon auf die nächste 6h-DM Anfang April 2024!

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