Text: Silke Herrmann, Fotos Silke Herrmann (Bild Nr 2), Ralf Simon (Nr 8), Manfred Hupka (Nr 3 – 7), Michael Irrgang (Nr 1) 30.07.2023

Camp

Ab Mittwoch, 21.7.2023 befanden sich über 20 Mitglieder der LGU im Jubiläumstrainingslager im Schwarzwald. In dieser Zeit lernte ich tolle weitere Vereinskolleginnen und Kollegen kennen. Wir erkundeten in verschiedenen Gruppen laufend oder wandernd den Hochtal- und Feldbergsteig, genossen kleine Leckereien in der Krunkelbachhütte und fielen ausgehungert und gierig nach der vielen Bewegung über das abendliche Buffet des Leistungszentrums her.

Camp sh
Deswegen fühlte ich mich am Samstag morgen, dem Start des 12h Laufs, auch so gar nicht richtig nach Wettkampf. Eben ein toller Tag unter Läuferfreunden lag vor uns.
Mal zu den Fakten der Ausschreibung:
Start 7 Uhr am Leistungszentrum Herzogenhorn, mitten in einem Naturschutzgebiet
Strecke ein Rundkurs von ca 4,35km mit etwa 190 Höhenmetern.
Erste und letzte Runde waren im Uhrzeigersinn zu bestreiten, ansonsten konnte die Richtung selbst gewählt werden.
Großer VP und die Tafel zur Markierung der Rundenzahl lag immer nach kurzer Pendelstrecke beim Startareal.
Ich purzelte also kurz vor sieben die Treppe runter, durch den Gemeinschaftsraum und stand am Start. Praktisch und kurzweilig, keine Möglichkeit es sich anders zu überlegen.

Listen mh
Es sammelte sich eine überschaubare Gruppe von Camp Teilnehmenden, noch am Vorabend Angereisten und Direktstartern. 80% etwa der Teilnehmenden war mir vertraut.
Michael und Klaus hielten kurze Ansprache, exakt 7 Uhr schickten sie uns pünktlich auf die erste Runde.
Looooooossssss
Ich rannte ziemlich unter Strom los, fühlte mich grandios und hatte einfach voll Bock auf diesen Tag. 400m eben, dann leichter sanfter Anstieg der uns in einer scharfen links Kurve entlang der Nordflanke des Herzogenhorns über einen leicht technischen Singletrail leicht abfallend mit vielen Steinen und Wurzeln, Stufen und 2 kleinen Bächen noch recht feucht voran brachte. Für mich persönlich der schönste Abschnitt der Strecke.
Mir schlug das Herz bis zum Hals. Ich rannte vor allen vorn und rief immer wieder: will niemand vorbei? „Nööö lass mal, Du scheinst die Runde zu kennen, mach mal“.

Gipfel mh
Der Trail warf uns nach ca einem Kilometer in einer Rechtskurve wieder auf Waldautobahn, die uns erst mäßig ansteigend, dann mit fieser steiler Rampe hoch zum Gipfelkreuz brachten. Einige Männer zogen nun vorbei. Ums Kreuz und südwestlich zurück den Berg runter fliegend zum Start. Mit knapp 30 Minuten war das viel schneller als geplant. Auch die 2. Runde schloss ich zu rasant mit gut 32 Minuten ab.
„Wen hast du denn da dabei?“ tönte am Ende der 2. Runde eine weibliche Stimme hinter mir. Ich hatte Mirabell, meine Trail Schnecke am Laufgürtel dabei. Sie begleitet mich seit diesem Sommer, ein Geschenk meines Mannes und sorgt immer für nette Gespräche und Verehrer auf den Strecken.
Es ergab sich ein kurzer netter Austausch mit Claudia und in der 3. Runde zog sie voran.

ClaudiaSilke rs
Ich riss mich zusammen und Zwang mich zur Disziplin. Die ersten 60 Minuten für die restlichen 11 Stunden etwas zu zügig angegangen, jetzt mal auf meine Stärken besinnen: Defensiv starten, Kraft gut einteilen und lächelnd fit bis zum Schluss.
Ich lief 5 Runden im Uhrzeigersinn und wechselte dann auf 5x rechts rum. Über die Südflanke Power stöckelnd hoch zum Gipfelkreuz, auf 1415 m üNN , Stöcke zusammen und wegpacken und die steile Rampe im Bergziegen hüpf Lauf Stile runter und nun leicht ansteigend das Trailstück passieren.
Das Überrunden und sich Begegnen in den verschiedenen Laufrichtungen fing früh an und hielt die Stimmung konstant oben und die Zeit flog irgendwie so dahin. Bis zum Mittag sahen alle noch sehr frisch und munter aus, quasi die Aufwärmphase eines Ultralaufs war geschafft. Ich hatte zur Halbzeit 10 Runden geschafft und konnte selbst kaum fassen , wie fit und gut ich unterwegs war und an erster Position der Frauen.

Silke mh
Ich rechnete ein wenig vor mich hin und setzte mir mindestens 3000 Höhenmeter als Ziel,. Der Lauf war ja nicht als Wettkampf im Plan, sondern als letzter Trainingsreiz vor dem Kitzbühler Alpentrail Anfang August.
Aber ehrlich, mal so ganz vorn zu liegen fühlte sich schon auch nett an und ich analysierte und beobachte die Lage im Frauenfeld. In der 2. Zeithälfte lief ich auf fast 2 Runden Vorsprung und sah hinter mir zunehmende Erschöpfung. Na dann einfach weiter im Flow und hoffen, dass kein Einbruch lauert. Der kam nicht.

MiriamDirk mh
Manche Eindrücke lassen sich schwer in Worte fassen. Ich glaube die Beschreibung „es war ein WIR“ passt wohl recht gut. Ich begegnete immer wieder Steffi und freute mich mit ihr, wie gut es auch bei ihr lief. Wir waren in den letzten Wochen immer mal gemeinsam unterwegs und ich wusste um ihren gern murrenden Darm. Der sympathische Daniel, beim gestrigen Abendessen kennen gelernt, Ultra Novize, kämpfte sich mega taff über die Runden. Dirk und Miriam im konsequenten Doppelpack, meist schon zu hören, bevor man sie sah. Martina und Silvia mit vollem Engagement und Elan am Verpflegungspunkt waren wahre Energiequellen. Mein Mann Andy lang an der Rundentafel fleißig am Striche ziehen und immer mal ein Doping Kuss für mich. Manfred und Ralf die Fotografen. Marco, Christoph, Matthias die schnellsten 3 Männer. Gefühlt nur mit Staubwolke hinter sich und ewig überrundend. Andreas, groß und drahtig, mit einem beeindruckenden Gazellen artigen feinem Laufstil. Mauricia, für mich Miss Powerfrau Barbie, lief emsig stark ihre Runden mit so einigen Abklatschen zu ihrem ersten Marathon und direkt erstem Ultra. Sau stark. Franz, der beeindruckend von seinen Lauf- und Wanderabenteuern berichtet. Eva und Guido, erfahrene Ultras kreiselten souverän und strahlend. Kerstin, junggebliebene Frohnatur, lächelnd locker bis zum Schluss. Yang, die spät startete und erst mal direkt verschollen ging. Edda und Ralf, wahre Vorbilder für laufend fit auch im höheren Lebensalter. Michael, der uns Runde für Runde begrüßte, verabschiedete, anspornte und ziemlich happy mit dem Tag wirkte.
Einige Begegnungen kann ich keinen Namen zuordnen, aber alle gehörten zu diesem WIR auf der Strecke und machten das ganze für mich zu etwas besonderem. Eben eine Jubiläumsfeier auf Ultraläuferin/innen Art.
Ca 90 Minuten vor Schluss stand dann Andy im Laufdress parat und begleitete mich die restliche Zeit. Ich ließ so bissl ausrollen. Ich wollte möglichst entspannt den Lauf beenden und wanderte die letzte Runde emotional und quasselnd mit meinem Mann und fand direkten Zielsprint unter der heißen Dusche.

Ehrung rs
Ich schaffte 18 Runden mit 78,3 km und ca 3500 Höhenmetern. Ich fühlte mich durchweg super und strahlte bis zum Schluss, beschenkt mit vielen tollen Begegnungen und bewegender Gemeinschaft in wundervoller Natur.

Danke LG Ultralauf und allen Beteiligten

Einen Veranstaltungsbericht mit Ergebnissen findet ihr hier: <bitte klicken>

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