Text und Fotos: Gerhard Kaster, 17.8.2021

Prolog:
Nach meiner COVID-Erkrankung und der folgenden Herzmuskelentzündung, durfte ich, nach Anweisung des Kardiologen, erst 3 Monate gar nichts machen, danach 3 Monate nur ganz langsam im aeroben Bereich laufen. Anfang Juli kam dann das OK: trotz verbliebener Herzvernarbung (Fibrose) und vielen Extrasystolen bei Belastung, durfte ich wieder normal trainieren und auch wieder Ultras laufen! In meiner Überheblichkeit wollte ich bereits nach 2 Wochen einen Lauf in den Alpen machen (160KM, 12.000 m+). Nach 80 KM war ich gut in der Zeit aber total erschöpft und bin raus um mein Herz nicht zusätzlich zu schädigen.

Jetzt sollte es ein vermeintlich „leichter“ Lauf im Mittelgebirge sein, der UTDS am 14+15/8. Ich hatte mir einen Lauf ähnlich dem Rennsteig aber länger vorgestellt.

UTDS:
Der Lauf findet in den Ardennen statt (Start und Ziel ist Spa in Belgien) mit 3 Möglichkeiten: 160KM, 160KM Staffel und 80KM mit jeweils ca. 160 Teilnehmern.

Spa ist eine sehr schöne kleinere Stadt mit vielen Sehenswürdigkeiten, ein Aufenthalt vor oder nach dem Lauf ist empfehlenswert.
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Obwohl ich darum gebeten hatte mir das Frühstück am Abend zuvor ins Zimmer zu stellen, hat es sich der Besitzer des B&B nicht nehmen lassen um 5:30 Uhr mir ein Superfrühstück hinzustellen! Bester Laune bin ich dann zum Start gefahren.

Überraschenderweise hatten viele Läufer Stöcke dabei. Läufer der Vorjahre haben mir dann dringend geraten auch Stöcke mitzunehmen, der Lauf sei sehr technisch! Soweit zum leichten Lauf. DNF-Zahlen des Vorjahres hatte ich vergessen anzuschauen.

Die Wetterbedingungen waren optimal, trocken und nicht zu heiß. Jetzt ging es gleich los.

IMG 0879Die Landschaft ist sehr schön, es sind überall Bäche, Flüsse und Wasserfälle da. UTDS steht übrigens für Ultra Trail Des Sources also Ultratrail der Quellen (Im Naturpark der Quellen).

IMG 0893Dummerweise gab es in Belgien, ähnlich wie in Deutschland, schwere Unwetter. Man konnte erkennen, dass manche Bäche mehrere Meter höher gestanden hatten und die Wege waren sehr ausgewaschen mit Löcher und Furchen von 20 bis 50cm.
IMG 0894Dabei gab es unterwegs auch verschiedene Sehenswürdigkeiten und kleine Städtchen zu sehen.
IMG 0886Auf den ersten 20KM hat mich meine Uhr zum Wahnsinn getrieben, da sie andauernd die Strecke verloren hat und ich sie mehrmals neu starten musste (und jeweils etwa 400m zurücklaufen musste, damit sie den entsprechenden GPX-Punkt finden konnte). Ich glaube nächstes Mal wird es eine Uhr vom Wettbewerber Garmin!

Dann nach etwa 20 KM ein Schock: ein Rettungshubschrauber landet, Rettungswagen, Polizei und weiträumige Absperrung an einer Stelle an der wir die Straße queren mussten. Es waren allerdings „nur“ 2 Autos (Frontal zusammengestoßen).
Erster Verpflegungspunkt (24KM) erreicht: sollte nur flüssiges geben, aber Begeisterung: Trockenobst, Bananen, Schokolade, Kekse, Suppe, usw.
Zwischenfazit: Macht Spaß, gar nicht so schwer! Wozu habe ich bloß die Stöcke mitgenommen!
Nächster „vollwertiger“ Verpflegungspunkt (immer abwechselnd alle 20 KM mit „flüssigem“ Verpflegungspunkt): leider keine Sandwiche mehr da aber nicht schlimm, da beliebige andere Sachen zur Auswahl. Bei einem Verpflegungspunkt gab es übrigens sogar Pasta.

Nach rund 80KM wurde es nun tatsächlich sehr technisch und durchaus vergleichbar mit schweren Ultras in den Alpen. Jetzt war ich sehr froh über die Stöcke.

In der Nacht habe ich mich dann ziemlich verlaufen: meine Uhr hat die Track verloren und mich dann auf eine Strecke zurück gebracht. Nach 15 Minuten merkte ich, dass ich diese schon gelaufen war, somit nochmals 15 Minuten zurück und dadurch 30 Minuten verloren. Die Streckenmarkierung war übrigens sehr gut, ich habe halt „geschlafen“.

Eigentlich wollte ich mich sehr schonen und nur ankommen aber nun passte mein Zeitplan nicht mehr. Beim nächsten Verpflegungspunkt (105KM) teilte man mir mit, die Rennleitung hätte entschieden mich aus dem Rennen zu nehmen, da ich die nächste und letzte Zeitschranke (121KM) nicht mehr pünktlich schaffen könne! Da ich zu diesem Zeitpunkt aber an einem Verpflegungspunkt sei ohne Zeitschranke, würden sie mir auch erlauben weiter zu laufen. Ich bin noch nie so schnell nach bereits 105KM in den Bergen gelaufen. Bei der nächsten entscheidenden Zeitschranke lag ich genau 1 Minute unter dem Limit und durfte entsprechend weiter laufen!

Danach war ich komplett erledigt und habe vollkommen abgeschaltet mit dem einzigen Ziel des Ankommens. Daher kann ich darüber auch nichts berichten.

Kurz vor dem Ziel sind mir dann einige Veranstaltungsleute entgegengelaufen und haben mich unter Jubel ins Ziel begleitet.
Letzter aber gefinished und superzufrieden nach meiner Erkrankung,

Fazit:
Ein schöner Lauf, gut markiert, Superverpflegung, abwechslungsreich, technisch nicht einfach, allerdings mit einigen Straßenabschnitten dazwischen (fand ich gut zur Abwechslung). Dabei sehr preiswert: 99€ mit Verpflegung (auch im Ziel), Funktionsshirt, Tracker und Geschenkkiste mit belgischen Bieren im Ziel.
Ach ja: die DNF-Quote lag dieses Jahr bei optimalen Wetterbedingungen bei 43%!!!

 

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