Erlesenes Starterfeld beim BUF

Im Mittelpunkt des diesjährigen Bottroper Ultralauffestivals steht die erste Deutsche Meisterschaft im 24h-Lauf des DLVs. Das Interesse im In- und Ausland ist ungewöhnlich hoch und unglaublich viele „interessante Starter“ stehen in den verschiedenen Startlisten von denen ich in diesem Vorbericht einige vorstellen möchte.

Besonders erfreulich ist, dass die gesamte 24h-Nationalmannschaft vor Ort sein wird. Betreuer und Athleten nutzen das Event zur Einstimmung zur Weltmeisterschaft in 2 Monaten. Einige der Athleten starten bei der Meisterschaft – sicher mit recht unterschiedlichen Ambitionen, andere laufen Unterdistanzen oder in der DLV-Betreuerstaffel.

B2 1Briefing

Beim Briefing gibt es letzte Infos kurz vor dem Start

Bei der Meisterschaft liegt es natürlich nahe, die Favoriten im Kreise der Kaderathleten zu suchen, doch so einfach ist das nicht, denn gerade der 24h-Lauf lebt von Überraschungen im positiven wie im negativen Sinne. Im offenen Lauf starten einige Spitzenläufer aus benachbarten Ländern und können den etablierten Läuferinnen und Läufer durchaus die Preise streitig machen.

Aber auch die Altersklassen sind erstklassig besetzt und es könnte sein, dass sich die Reihe von nationalen und internationalen Rekorden, die in Bottrop schon gelaufen wurden, fortsetzt. Als Anerkennung der erzielten sehr guten Leistungen verlieh die IAU der Veranstaltung als eine von zwei Veranstaltungen in Deutschland das IAU-Silber-Label.

Das Wetter wird gut und so sind die hohen Erwartungen sicher nicht unbegründet.

Im letzten Jahr wurde ebenfalls in Bottrop die Deutsche Meisterschaft im 24h-Lauf ausgetragen. Es war die dreißigste Meisterschaft und die letzte der DUV. Damals konnte Marcel Leuze (Turnerbund Hamburg Eilbeck) vor Manuel Tuna (TSG Helberhausen ) vor Friedemann Hecke (VFL Ostelsheim ) gewinnen und alle drei sind wieder dabei. Marcel Leuze würde gerne seinen drittel Titel in Folge gewinnen und präsentiert sich in diesem Sommer in einer super Form, so dass ihm durchaus eine neue Bestweite zuzutrauen ist. Noch stärker schätze ich allerdings Felix Weber ein, der im letzten Jahr mit einer Weite von über 260km in seinem zweiten 24er ein gewaltiges Ausrufezeichen setzte und sich auch in diesem Jahr schon prächtig präsentierte. Stefan Wilsdorf (SV Motor Königsee) ist mit seiner Bestweite knapp an Marcel dran, ist dieses Jahr aber lediglich drei Trailwettbewerbe gelaufen und hat angekündigt, nach einer guten 100-Meilenzeit das Rennen zu beenden – wer weiß. Zumindest gibt es extra für diese taktischen Überlegungen extra eine bestenlistenfähige 100km- und 100 Meilen-Zwischenzeit.

Die Plätze 1 und 2 scheinen vergeben, doch wer folgt? Im Bereich 220 bis 230 Kilometer können ca 10 Personen landen, darunter Stefan, der nach einer Pause das Rennen zu Ende joggen könnte, oder Manuel und Friedemann. Vielleicht Fabian Benz, der mit einer Bestleistung von 212 km aus 2017 sicher noch Luft nach oben hat, aber erst letzte Woche mit einer guten Leistung den Mauerweglauf lief. Ein sehr gutes Debut traue ich Michael Eitner zu, der mit einer 8:09 über 100km aus 2018 vermutlich im Starterfeld der schnellste Läufer über 100km ist oder Markus Meinke, der neben seinen großartigen Trailergebnissen in diesem Jahr auch bewiesen hat, dass er auf Asphalt laufen kann. Der Blick auf die Bestweiten und deren Zeitpunkte lässt erkennen, dass hier auch Ikonen des 24h-Laufes am Start stehen. Leider nur im offenen Lauf ist Wolfgang Schwerk gemeldet, der seit 1987 mit seiner Bestleistung von 276,209 den Deutschen Rekord hält.

Eine zweite Ikone des 24h-Laufes und 24h-Lauf-Meister der Jahre 2000 und 2001 ist Achim Heukemes, der aktuell in der AK M65 läuft und wie Wolfgang in seiner Altersklasse Weltklasse ist.

Noch ein paar Altersklassen reifer ist Werner Stöcker, der national in der M80 gewertet wird und dem zuzutrauen ist, den aktuellen, deutschen AK-Rekord zu pulverisieren.

B2 2Eigenverpflegung

Am Rande der schönen Strecke durch den Batenbrockpark gibt es viel Platz für Vereine und Einzelläufer für ihre Betreuer und Eigenverpflegung.

Auch bei den Frauen sind die Altersklassen (offener Lauf) W20 bis W80 besetzt, teils mit Weltklasseathleten. Bei der Meisterschaft sind die Kaderathletinnen Antje Krause (Ultra Sport Club Marburg) und Simone Durry (TG Neuss) favorisiert. Antje ist bereits fünffache deutsche Meisterin und ist auch dieses Jahr wieder in einer ausgezeichneten Form. Auch Simone hat bereits in diesem Jahr sehr gute Ergebnisse vorzuzeigen, so siegte sie beispielsweise beim 100km-Lauf WHEW. Doch wer belegt die Folgeplätze? Die Kaderathletinnen Sandra Sons und Sigrid Hoffmann werden wahrscheinlich nicht voll durchlaufen, der Drittplatzierten des letzten Jahres, Claudia Kranz, ist durchaus eine Leistung um die 200km zuzutrauen. Auch hier gibt es Disziplinneulinge, die eventuell auf das Podest laufen können, z.B. Katrin Gottschalk (TSG Esslingen), die in diesem Jahr schon eine 8:30 auf 100 km lief oder Anna-Christina Nowack (TSVE 1890 Bielefeld), die im Frühjahr den Grüngürtelultra gewann. In den hohen Altersklassen sind in der W75 unter anderem Edda Bauer und Sigrid Eichner am Start und in der W80 Christl Kunze und vollbringen vermutlich wieder unglaubliche Leistungen, die man Außenstehenden kaum vermitteln kann.

Bei der Meisterschaft sind auch einige Exotinnen am Start. Diana Obermeyer lebt in Schottland und ist eigentlich eine Geherin, die bei der 24h-Meisterschaft ihren allerersten Ultra läuft, bzw. geht. Nicole Kresse war vor 20 Jahren eine Top 50km und 100km-Läuferin und hat aus 2001 eine 8:27h stehen, läuft eigentlich in den letzten Jahren nur superlange Trails. So hat sie dieses Jahr erst zwei DUV-Einträge, Jurasteig Nonstop über 239 km und Wibolt über 320km.

Während bei den Männern lediglich Jan Spitael aus Belgien mit einer Leistung von knapp 226km aus 2017 ein vorderer Platz im offenen Lauf zuzutrauen ist, ist das Feld der internationalen Frauen absolut erstklassig. Aus den Niederlanden kommt unter anderem die amtierende Meisterin im 100km-Lauf Sameena van der Mijden. Sie ist eine der jüngsten Starterinnen im Feld und wird genau am Sonntag 28 Jahre alt!

Die Irin Bridget Brady, die in Belgien lebt und in den letzten Jahren sehr erfolgreich an Trailwettbewerben teilnahm, hat ebenfalls eine 193km als Bestleistung stehen. Da sie aber den Spartathlon in 34:57h gefinisht hat, ist ihr auch eine Leistung deutlich oberhalb von 200km zuzutrauen.

Aus Rumänien kommen zwei weitere, erfahrene Läuferinnen, unter anderem Mariana Nenu, die nicht nur als erste Rumänin den Spartathlon gefinishet hat – in respektvollen 34:50 Stunden, sondern mit über 210 km eine erstklassige Bestleistung im 24h-Lauf hat.

B2 3Ehrung

Mal sehen, wer am Sonntagmittag alles bei der Siegerehrung aufgerufen wird

Insgesamt werden es ca 170 Starter beim 24h-Lauf sein, davon etwa 140 bei der Meisterschaft. Das ist ein guter Wert, wenngleich es nicht so viele wie letztes Jahr sind, als noch kein Startpass erforderlich war.

Wenige Starter gibt es üblicherweise beim 100km-Lauf, wobei gerade so ein Nachtlauf von der Stimmung etwas Besonderes ist. Der Lauf wird um 18 Uhr gestartet und die Siegerehrung findet im Rahmen eines großen, gemeinsamen Frühstückes statt, bei dem fast alle Starter einen Altersklassenpreis gewinnen. Besonders zu erwähnen sind hier Patrick Hösl, der vor zwei Monaten in Delmenhorst mit über 250km die WM-Norm lief, Fred Toplak, der laufende Bürgermeister aus Herten, der mit minimalem Training am Start stehen wird und Bernd Orlowski mit der Startnummer 1000. Er war einer der ersten, die sich zu der Veranstaltung angemeldet hatten. Das ist umso erstaunlicher, als dass der Läufer aus Gelsenkirchen lediglich 6 Einträge in der DUV-Statistik hatte. 6 100km-Läufe in einer Periode zwischen 1988 bis 1991, die ersten beiden noch deutlich über 8 Stunden, aber dann fast alle unter 8 Stunden. Im März lief er dann in Münster zum Training 6h, wo er – nun doppelt so alt, als bei seinem letzten Wettkampf – auf Anhieb in seiner Altersklasse einen Podestplatz belegte. Mal sehen, was für ein Come-back wir hier bewundern können.

Beim 6h-Lauf haben wir eine Rekordbeteiligung von aktuell knapp 90 Startern und es kommen beinahe täglich welche dazu. Hier ist die hohe Anzahl derer bemerkenswert, die ihren ersten 6h-Lauf angehen, einige gar ihren ersten Ultra überhaupt. Bei den Frauen drängt sich keine Favoritin auf. Möglicherweise reicht hier bereits eine Leistung um die 60 bis 62 km für einen Podestplatz. Bei den Männern hat Michael Krüger (LSG Karlsruhe) mit einer guten Bestweite von fast 74km aus dem Jahr 2016 die Favoritenrolle inne.

Neben den Einzelwertungen 6h, 100km 24h-Lauf und 24h-DM gibt es im Rahmen der DM auch eine Mannschaftswertung und als Auswertung des offenen Laufes die Ultramarathon-Bundesligawertung.

B2 4Bundesliga

Der aktuelle Stand der Ultramarathon-Bundesliga. LG Ultralauf kann sich durch ein gutes Abschneiden in Bottrop vorzeitig den Meistertitel sichern

Aufgrund der hohen Teilnehmerzahl von 32 Männern und 9 Frauen ist die LG Ultralauf in allen 4 Mannschaftswertungen sehr stark vertreten. Dennoch erscheinen die Männer und Frauen von Braunschweig um Felix Weber zumindest bei der Männermannschaft gute Chancen auf den Titel zu haben, denn, wenn Felix eine super Leistung abliefert, sorgt die Einzelleistung sowohl für viele Punkte als auch für die Mannschaft für eine sehr gute Basis zumal die anderen drei Männer auch laufen können. Die drei Frauen aus Braunschweig sind noch jung und unerfahren, aber ganz gewiss gut trainiert, motiviert und betreut.

Bei den Männern kann es 9 Vereine mit Mannschaften geben, allerdings traue ich unserer zweiten Mannschaft am ehesten den dritten Platz zu. Bei den Männern 50+ sind ebenfalls einige Vereine stark vertreten, wie z.B. die Ultrafriesen, LG Würzburg oder LC Duisburg. Dennoch dürften wir die größten Chancen auf den Titel haben.

Bei den Frauen gibt es 6 Mannschaften von 4 Vereinen. Hier könnte es insgesamt recht knapp werden. Neben der LG Ultralauf und SportTREND Ultralaufteam Braunschweig sind das die Ultrafriesen und LC Blueliner. Frauen 50+ gibt es nur maximal zwei Frauenteams der LG Ultralauf.

Bei der Bundesligaprognose ist es beinahe sicher, dass die LG Ultralauf haushoch gewinnt, denn neben den starken Mannschaften sind die Läufer auch in einer Vielzahl von Altersklassen präsent. Am Ende des Tages sollte damit die LG Ultralauf vorzeitig als Sieger der Ultramarathon-Bundesliga 2019 feststehen.

Spannend sind die Plätze 2 bis 5 der Tageswertung für die es ebenfalls sehr viele Wertungspunkte gibt. Auch in der Bundesliga sind alle Plätze außer dem ersten noch offen. Braunschweig hat sehr gute Chancen auf den zweiten Platz. Da die Mannschaftsergebnisse besonders hoch bewertet werden, könnten auch die Ultrafriesen gut abschneiden, die traditionell beim BUF mit einem großen Team vor Ort sind. Die Friesen haben als einziges Team 3 Mannschaften in der Wertung, Würzburg, Duisburg und Bautzen haben neben Braunschweig 2 Teams gemeldet.

Wie viele Punkte es für die Mannschaften gibt, hängt allerdings von der Platzierung ab und die wiederum hängt stark davon ab, wie stark die weiteren Mannschaften der LG Ultralauf sind.

Vermutlich werden in der Bundesligatabelle die beiden DUV-Förderstützpunkte LG Würzburg und LC Blueliner einen Sprung nach oben machen. Der letzte Wertungslauf der Liga findet dann bei der 100km-Meisterschaft in Kandel statt.

Fazit: In allen Wettbewerben erwarten wir in der Gesamt- und den Altersklassenwertungen spannende Wettkämpfe. Wir haben einige starke Gäste aus dem Ausland und viel Laufprominenz – Auch das Wetter soll erstklassig werden – so stehen die Vorzeichen gut für ein schönes Lauffestival.

Wessen Interesse jetzt geweckt ist, kann übrigens noch teilnehmen. Aktuell gibt es noch für alle Wettbewerbe Startplätze, auch für die DM kann man sich noch anmelden! Bis Mittwochnacht kann man sich noch online nachmelden, ansonsten vor Ort bis ca 30 Minuten vor dem Start.

Weitere wichtige Informationen findet ihr auf der Homepage, z.B. hier: https://lg-ultralauf.de/neuigkeiten/1093-wichtige-informationen-zum-buf.html

Text: Michael Irrgang, Bilder: Martina tumpf-Irrgang, BUF 2018, 21.08.2019

 

Nach oben scrollen