Wenn es einen Ultralauf in Deutschland gibt, der Kult-Charakter hat, dann ist es sicherlich die TorTour de Ruhr. 2007 gab es den ersten Testlauf, 2008 den ersten Wettbewerb, den übrigens Elke Streicher mit knapp 2 Stunden Vorsprung vor 7 Männern gewann; 16 waren damals gestartet, um die Strecke überwiegend auf dem Ruhrradweg entlang der Ruhr von der Quelle im Sauerland in der Nähe von Arnsberg bis zur Mündung bei Duisburg zu laufen. Immerhin 230 Kilometer, in der Tendenz bergab, meist flach und asphaltiert, nicht wirklich abwechslungsreich, aber sicher ebensowenig langweilig. Seitdem wird der Lauf alle zwei Jahre am Pfingstwochenende wiederholt.

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Start an der Ruhrquelle

Das Konzept sah von Anfang an ein hohes Maß an Autonomie vor. Daher gibt es nur wenige Versorgungsstellen und eine geforderte Begleitung. Daran hat sich nichts geändert, wohl aber an der Gestaltung im Einzelfall: Hier geht der Trend klar zum großen Team. 38 Stunden ist das Zeitlimit, aber limitierend sind oft andere Faktoren – spätestens ab km 100 ist es bei allen Teilnehmern ein großer Kampf, man hilft sich, man unterstützt sich und kämpft gemeinsam um das Finish. Mal ist es zu heiß, mal zu kalt – gutes Läuferwetter gab es noch nie. Aber der Lauf hätte ja kein Kultpotential, wenn es zu einfach und die Finisherquote zu hoch wäre. An der Ruhr werden Dramen erlebt und Helden geboren. Bei kaum einen anderen Lauf, ist das Mitfiebern und die Lifeberichterstattung so umfangreich, wie bei diesem Lauf das Konzept der vielen Betreuer macht es möglich.

Auch von der LG DUV waren selbstverständlich einige Mitglieder am Start und erlebten ihre Abenteuer, von denen sie auf Facebook und anderen Medien berichteten. Anbei ein kurzer Überblick.

 

Der schnellste von ihnen war diesmal Christoph Janthur, der die 230km in unfassbaren 28:46 h bewältigte.

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Da die große Stehle im Moment eingerüstet ist, musste der Cheforganisator Jens Vieler kurzerhand eine Alternative schaffen, um eine Ziel-Erreichungs-Geste zu ermöglichen. Hier anzuklatschen bedeutete, es geschafft zu haben!

Chris meinte zu dem Bild:

4/6 des tollen Teams (Christi, Georg, Torsten und ich. Matthi und Stefan mussten uns leider vorher verlassen) beim Anschlag an Rheinorange. Eine tolle Teamleistung bei einem wirklich schweren Brett. Es gab wieder außerordentlich reichhaltige VPs mit gutgelaunten Helfern. Leider konnte ich nicht so zuschlagen, wie ich es gern gewollt hätte, da ich mich lange Zeit in einem üblen Loch aufgehalten habe. Ein sehr harter Lauf, den man wegen seiner Eintönigkeit nur schwer alleine schaffen könnte. Da braucht es tatsächlich ein Team, dass einen aufbaut und bemuttert. Danke!

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Matthias Landwehr benötigte 34:50.

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Die Betreuer gaben alles!

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Sein Kurzbericht:

Tortour de Ruhr überstanden in neuer persönlicher Bestzeit von 34:50! Nebenbei noch zwei neue PBs aufgestellt – über 100 km = 10:50 und 100 Meilen = 20:35. Vielen Dank an mein einmaliges Supporter-Team (ich hatte definitiv die meisten und besten Helfer am Start).Ich bin sehr, sehr glücklich, dass meine Freunde alle in WhatSapp bis zuletzt mich nach vorne gepeitscht haben!

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Eine Crew, die neben und auf der Strecke ebenfalls alles bot, was gegen Müdigkeit und schwindende Motivation half, hatte auch Thorsten Stelter.
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Er erreichte nach 37:06 das Ziel und wurde dort von Jens Vieler in den Arm genommen!
Sein Kommentar:

Es ist so ein geiles Gefühl: TorTour de Ruhr 2016 230km geschafft „smile“-Emoticon Ein ganz großer Dank gebührt meinem Team: Andre Zalbertus, Andreas Bußmann, Jasmin Bußmann, Carolin Straßburg, Nani Nana und Willi Krogmeier. Ohne Euch hätte ich das nicht geschafft. Danke, Carolin und Nina, dass Ihr mich auch läuferisch immer wieder begleitet habt. Ein ausführlicher Bericht wird in den nächsten Tagen folgen. Euch allen noch einen wunderbaren Abend. Jetzt ist Regeneration angesagt „smile“-Emoticon

Harald Retzlaff konnte den Lauf leider nicht beenden.
Steffen Kohler hatte sich die etwas kürzere Strecke von 100 Meilen ausgesucht und zur Aufgabe gemacht, Melanie Zender zu begleiten.
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Gut gelaunt und erwartungsfroh sehen die Starter oft nur kurz vor dem Start aus. Die beiden haben sich allerdings auch durch die Länge der Strecke, der kalten Nacht und dem fiesen Regen die gute Laune unterwegs nicht nehmen lassen.
Das schrieb Steffen auf Facebook:

Vielen Dank liebe Mel Zett dass ich dich bei DEINEN TTdR 100 Miles begleiten durfte – es war mir eine riesen Ehre!
Die TTdR ist für Wahr kein Kindergeburtstag, macht irgendwann nicht wirklich Spaß und tut ganz bestimmt ganz schön weh!
Aber du warst einfach nur großartig und so willensstark – Wahnsinn!
Es gibt Dinge im Leben, die kann man nicht beschreiben, sie passieren und sind unvergänglich. Mel -> You’re simply the best!

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Melanie, die Steffen begleitete postete dieses Foto mit folgendem Kommentar:

So fertig war er schon lange nicht mehr. Noch vor der Dusche auf dem Boden eingeschlafen.

Doris Zachow konnte den geplanten 161km-Lauf leider nicht beenden.

 

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Die Bambinistrecke von 100 km lief Ramona Franz. Ihre Geschichte dazu:

Warum habe ich es gemacht? Normalerweise wollte Torsten Lange starten. Leider musste er aus gesundheitlichen Gründen absagen und spontan wurde überlegt, ob ich es nicht wenigstens versuchen möchte. Darauf hin kurz beim Jens Vieler nachgefragt, ob es möglich ist.
Somit stand ich am 15.05.2016 um 4 Uhr an der Startlinie (total aufgeregt, nach 2 schlaflosen Nächten). Auf gehts in den Morgen hinein. Zum Glück waren alle gut mit Kopflampen und anderen Lichtern ausgerüstet, so dass ein verlaufen ausblieb. Stellenweise war es schon fraglich, ob man richtig war, wenn gerade keine Läufer zu sehen waren. Nach 23 km kam Torsten mir entgegen und versorgte mich mit Banane, Kekse und Getränke. Da ich gut mit der Handflasche klar kam, entschloss ich mich, den Trinkrucksack erst ab VP 174 (44 km für mich) aufzusetzen. Doch da erwartete mich eine Überraschung und bekam ab da an Radbegleitung bis ins Ziel von Andreas und Daniela Subei. Das hat mental sehr gut getan. Unterwegs würden wir immer wieder von Harald und Martina Retzlaff unterstützt. Torsten machte sich der Zeit auf Richtung Ziel um uns dann entgegen zu kommen. 2 mal war ich auch drauf und dran auszusteigen. Die Schmerzen im Fuß wurden immer schlimmer. Ich wollte schon barfuß weiterlaufen. Dafür war der Untergrund einfach nicht gegeben. Also wieder rein in die Schuhe, Zähne zusammen beißen und weiter. Schließlich will ich das Shirt mit Stolz präsentieren und zeigen, dass ich es geschafft habe. Mit innerlichen Heulkrämpfen und starker Unterstützung glücklich das Ziel erreicht.
Vielen Dank an das Orga Team und die VP Stände, für die unvergesslichen lehrreichen Momente und an alle, die an mich gedacht haben und besonderen Dank an Daniela, Andreas, Martina, Harald und Torsten – lasst euch fest umarmen – ohne euch wäre es schwer , sehr schwer gewesen durchzuhalten.

 

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Ebenfalls eine tolle Idee war, dass sich die Finisher alle auf der Ersatzstehle verewigen durften. Ramona erreichte nach 15:37h das Ziel.

Text: Michael Irrgang und die Starter, Fotos von Andreas Bußmann, Christoph Janthur, Steffen Kohler, Frank Hildebrand und Ramona Franz. 15.6.2016

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