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ChatGPT-Trainingsplan für 48h

Text und Dialogpartner von ChatGPT: Fabian Benz, Anmerkungen: Michael Irrgang, 27.12.2023

ChatGPT-Trainingsplan-Vorschlag für den 6-Stundenlauf am 7.4.24 und nachfolgend für den 48-Stundenlauf am 1.6.24

Jeder, der mal ChatGPT ausprobiert hat, ist vermutlich schockiert und/oder begeistert zugleich, wie verblüffend diese „künstliche Intelligenz“ ist. Man darf sich dabei schon mal die Frage stellen, ob ChatGPT nicht sogar einen Trainer ersetzen und einen Trainingsplan erstellen kann.

Insbesondere im Ultramarathon gibt es ja leider recht wenig Literatur bezüglich Trainingspläne und je länger die Ultramarathons werden, umso weniger findet man überhaupt Trainingsempfehlungen. Trainingspläne für einen 48-Stundenlauf sind schon äußert rar. Aber es gibt ja „zum Glück“ ChatGPT und ich habe mich gefragt, ob ChatGPT mir einen Trainingsplan erstellen kann.

Für 2024 habe ich als mögliche Wettkampfziele festgelegt, dass ich am 7.4.24 einen 6-Stundenlauf absolvieren möchte und als weiteres „Highlight“ einen 48-Stundenlauf am 1.6.24.

ChatGPT kennt mich persönlich überhaupt nicht, zumindest gehe ich jetzt einmal davon aus. (Aber vielleicht irre ich mich da auch und sämtliche Daten aus meinem PC, Handy, Facebook, Instagram, Garmin, Whattsapp etcpp werden von ChatGPT oder einer sonstigen Macht überwacht.) Aus diesem Grund habe ich mich bei ChatGPT zu Beginn vorgestellt und auch meine potentiellen Ziele genannt, wobei anzumerken ist, dass ich bewusst (für mich) extrem hohe Ziele gestellt habe und mich auch als „ambitionierten“ Ultramarathonläufer vorgestellt habe, nicht, um damit jetzt anzugeben, sondern um bewusst ChatGPT herauszufordern, um einen sehr ambitionierten Trainingsplan zu konstruieren. Z.b. 75 km in 6-Stunden habe ich bisher noch nie und nicht mal ansatzweise geschafft und werde ich sehr wahrscheinlich auch nächstes Jahr nicht laufen. Und beim gesteckten Ziel von 410 km auf 48 Stunden sei anzumerken, dass dies sicherlich schon unverschämt frech und arrogant definiert ist, denn der Deutsche Rekord liegt bei 420 km und der Altersklassen-Weltrekord in meiner Altersklasse liegt sogar bei knapp unter 400 km. Auch liegt mein Trainingspensum aktuell nicht ansatzweise bei 140-160 Wochenkilometer. Aber ich wollte in der Zielsetzung ChatGPT bewusst herausfordern, um einen sehr ambitionierten Trainingsplan zu erhalten.

Damit ChatGPT etwas mehr über meine bisherigen Leistungen weiß und um das Training idealerweise auf meine bisherigen Leistungen abzustimmen, habe ich ChatGPT beispielhaft einige (teils mehrere Jahre zurückliegende) Leistungen bei unterschiedlichen Ultramarathonveranstaltungen genannt.

Nachfolgend findet ihr dann meine Konversation mit ChatGPT und natürlich den Trainingsplan, den ChatGPT mit vorschlägt. Viel Spaß beim Lesen und ggf. Nachtrainieren.

Anmerkung vorweg: Wird ChatGPT künftig einen Trainer ersetzen? Ich glaube, so schnell wird dies nicht der Fall sein. Der Plan von ChatGPT ist durchaus nicht komplett weltfremd, wie ich finde. Ich war ehrlicherweise positiv überrascht, aber aus Trainersicht gibt es durchaus einige Punkte, die man kritisch bei dem vorgeschlagenen Plan anmerken kann, aber das soll hier in diesem Artikel nicht das Thema sein. Anzumerken ist jedoch auch, dass ich ChatGPT nachträglich korrigieren bzw. abändern musste, denn beim Trainingsplan-Teil für den 48 Stundenlauf nach dem erfolgten 6 Stundenlauf hat ChatGPT auch 3 Trainingsphasen mit jeweils 4 Wochen geplant und völlig ignoriert, dass mit diesen 3×4 Wochen das Enddatum vom 1.6.24 nicht eingehalten wird, wie vorab definiert. Ich habe daher den Plan von 3×4 Wochen auf 3×2 Wochen abgeändert, damit das Enddatum auf den 1.6.24 rausläuft.

ChatGPT hat gar nicht die initial angegebenen Leistungen hinterfragt, ob sie überhaupt aktuell sind (oder wie bei mir schon teils mehrere Jahre zurück liegen) und es wird auch nicht der aktuelle Fitnessstand berücksichtigt… wie viel trainiere ich aktuell überhaupt? Welches Lauf/Trainingsniveau habe ich aktuell, es findet kein „Eingangstest“ oder Leistungsdiagnostik und auch das Aufstellen eines Planes über 5 Monate ohne Anpassung des Leistungsniveau ist kritisch zu sehen. Die Benefits von einem Trainer sind ja, dass er das Training gezielt auf das Leistungsvermögen des athleten ausrichtet basierend auf Leistungstest/Diagnostik und das Training regelmäßig, idealerweise auch kurzfristig, den aktuellen Umständen und in Interaktion mit dem Athleten anpasst. ChatGPT hätte mindestens beim Ziel „410 km über 48h) kritisch nachfragen sollen, ob das überhaupt realistisch ist, denn 410 km sind immerhin über 10 km mehr als der aktuell bestehende Altersklassenweltrekord.

Beim Plan von ChatGPT fehlt jegliche Trainingsempfehlung, wie die Taperingphase ablaufen soll (immerhin 4 Wochen vor dem 6h-Lauf) und diese 4 Wochen unmittelbar vor dem Wettkampf ist ja durchaus sehr wichtig

Nun zum Dialog:

 Fabian

Hallo ChatGPT

ChatGPT

Hallo! Wie kann ich Ihnen helfen?

 Fabian

Ich bin ein ambitionierter Ultramarathon Läufer. Meine Bestleistung auf 100 km beträgt 9 Stunden. Zudem bin ich 246 km in 33 Stunden gelaufen und 213 km in 24 Stunden. Meine Bestzeit auf 50 km beträgt 3:45 Stunden. Aktuell trainiere 160-180 km pro Woche verteilt auf 6-8 Trainingseinheiten.

ChatGPT

Das ist beeindruckend! Herzlichen Glückwunsch zu solch beeindruckenden Leistungen im Ultramarathon. Es scheint, als ob Sie sehr hart arbeiten und diszipliniert trainieren. Mit solchen Zeiten und Distanzen haben Sie sicherlich eine fundierte Laufbasis. Wenn Sie konkrete Fragen oder Anliegen bezüglich Ihres Trainings, Ernährung, Regeneration oder anderer Aspekte des Ultramarathonlaufens haben, stehe ich zur Verfügung, um Ihnen so gut wie möglich zu helfen. Was möchten Sie besprechen oder erfahren?

Fabian

Danke für das Kompliment. Ich möchte am 1.6.24, also in 5 Monaten einen 48 Stundenlauf absolvieren und hierbei 410 km erreichen. Zudem möchte ich am 7.4.24 einen 6 Stundenlauf absolvieren und hierbei 75 km schaffen.

ChatGPT

Es ist großartig, dass Sie solch ambitionierte Ziele verfolgen!

Fabian

Danke für das Kompliment. Kannst du mir bitte für diese beiden Zielen einen Trainingsplan erstellen? Start des Trainings soll am 1.1.24 sein. Bitte plane zunächst bis zum 7.4.24 das Training für den 6 Stundenlauf. Hierbei möchte ich pro Woche etwa 120-180 km laufen. In der Woche nach dem 7.4.24 dann zunächst eine Woche Ruhewoche mit wenig Training und plane dann das Training für den 48 Stundenlauf am 1.6.24. Hierbei möchte ich dann 140-220 km pro Woche trainieren. Bitte gib für das Training einen Tempobereich in Minuten pro Kilometer an.

ChatGPT

Verstanden, ich werde einen Trainingsplan für den 6-Stundenlauf bis zum 7.4.24 erstellen, gefolgt von einer Ruhewoche und daran anschließend einem Trainingsplan für den 48-Stundenlauf bis zum 1.6.24. Beachten Sie jedoch, dass diese Pläne an Ihre individuellen Bedürfnisse und Ihren aktuellen Fitnesszustand angepasst werden sollten. Es ist ratsam, vor Beginn eines intensiven Trainingsprogramms einen Arzt oder Sportmediziner zu konsultieren. Denken Sie daran, dass Ernährung, Regeneration und mentale Vorbereitung ebenfalls entscheidende Faktoren sind. Passen Sie die Pläne nach Bedarf an und hören Sie auf Ihren Körper. Es könnte auch hilfreich sein, einen Laufcoach zu konsultieren, um einen individuell angepassten Plan zu erstellen. Hier sind die Pläne:

6-Stundenlauf bis zum 7.4.24 – Ziel: 75 km

Wochen 1-4: Grundlagen legen (120-140 km pro Woche) (1.1.24 – 28.1.24)

  • Montag: 15 km leichter Dauerlauf (5:30-6:30 min/km)
  • Dienstag: Intervalltraining (z.B., 5×1 km mit 2-min Pause) – (4:30-5:30 min/km)
  • Mittwoch: 20 km lockerer Dauerlauf (5:30-6:30 min/km)
  • Donnerstag: Fahrtspiel (unterschiedliche Geschwindigkeiten) – (5:30-6:30 min/km)
  • Freitag: Ruhetag oder leichter Dauerlauf (5:30-6:30 min/km)
  • Samstag: 25 km lockerer Dauerlauf (5:30-6:30 min/km)
  • Sonntag: 35 km langsam, aber stetig (6:00-7:00 min/km)

Wochen 5-8: Intensität erhöhen (140-160 km pro Woche) (29.1.24 – 25.2.24)

  • Montag: 18 km leichter Dauerlauf (5:30-6:30 min/km)
  • Dienstag: Tempotraining (z.B., 8×800 Meter) – (4:30-5:30 min/km)
  • Mittwoch: 25 km lockerer Dauerlauf (5:30-6:30 min/km)
  • Donnerstag: Fahrtspiel (5:30-6:30 min/km)
  • Freitag: Ruhetag oder leichter Dauerlauf (5:30-6:30 min/km)
  • Samstag: 30 km lockerer Dauerlauf (5:30-6:30 min/km)
  • Sonntag: 40 km langsam, aber stetig (6:00-7:00 min/km)

Wochen 9-12: Spezifisches Training (160-180 km pro Woche) (26.2.24 – 24.3.24)

  • Montag: 20 km leichter Dauerlauf (5:30-6:30 min/km)
  • Dienstag: Lange Intervalle (z.B., 6×2 km) – (4:30-5:30 min/km)
  • Mittwoch: 30 km lockerer Dauerlauf (5:30-6:30 min/km)
  • Donnerstag: Fahrtspiel (5:30-6:30 min/km)
  • Freitag: Ruhetag oder leichter Dauerlauf (5:30-6:30 min/km)
  • Samstag: 35 km lockerer Dauerlauf (5:30-6:30 min/km)
  • Sonntag: 45 km langsam, aber stetig (6:00-7:00 min/km)

Wochen 13-14: Tapering und Erholung (120-140 km pro Woche) (25.3.24 – 7.4.24)

  • Reduzieren Sie die Laufumfänge allmählich, um sich auf den Wettkampf vorzubereiten.

Nach dem 6-Stundenlauf: Ruhewoche mit wenig Training (8.4.24 – 14.4.24)

48-Stundenlauf bis zum 1.6.24 – Ziel: 410 km

Wochen 1-2: Grundlagen legen (140-160 km pro Woche) (8.4.24 – 14.4.24)

  • Montag: 20 km leichter Dauerlauf (5:30-6:30 min/km)
  • Dienstag: Intervalltraining (z.B., 5×1 km mit 2-min Pause) – (4:30-5:30 min/km)
  • Mittwoch: 25 km lockerer Dauerlauf (5:30-6:30 min/km)
  • Donnerstag: Fahrtspiel (unterschiedliche Geschwindigkeiten) – (5:30-6:30 min/km)
  • Freitag: Ruhetag oder leichter Dauerlauf (5:30-6:30 min/km)
  • Samstag: 30 km lockerer Dauerlauf (5:30-6:30 min/km)
  • Sonntag: 40 km langsam, aber stetig (6:00-7:00 min/km)

Wochen 3-4: Intensität erhöhen (160-180 km pro Woche)

  • Montag: 25 km leichter Dauerlauf (5:30-6:30 min/km)
  • Dienstag: Tempotraining (z.B., 8×800 Meter) – (4:30-5:30 min/km)
  • Mittwoch: 35 km lockerer Dauerlauf (5:30-6:30 min/km)
  • Donnerstag: Fahrtspiel (5:30-6:30 min/km)
  • Freitag: Ruhetag oder leichter Dauerlauf (5:30-6:30 min/km)
  • Samstag: 40 km lockerer Dauerlauf (5:30-6:30 min/km)
  • Sonntag: 50 km langsam, aber stetig (6:00-7:00 min/km)

Wochen 5-6: Spezifisches Training (180-200 km pro Woche)

  • Montag: 30 km leichter Dauerlauf (5:30-6:30 min/km)
  • Dienstag: Lange Intervalle (z.B., 6×2 km) – (4:30-5:30 min/km)
  • Mittwoch: 45 km lockerer Dauerlauf (5:30-6:30 min/km)
  • Donnerstag: Fahrtspiel (5:30-6:30 min/km)
  • Freitag: Ruhetag oder leichter Dauerlauf (5:30-6:30 min/km)
  • Samstag: 50 km lockerer Dauerlauf (5:30-6:30 min/km)
  • Sonntag: 60 km langsam, aber stetig (6:00-7:00 min/km)

Woche 7: Tapering und Wettkampf

Einschätzung von MichaelKünstliche Intelligenz wird eher früher oder später die Trainingsplanung bereichern und vielleicht schon bald die Trainingspläne im Internet ersetzen, aber in vielen Fällen, insbesondere im Spitzensport nicht die Trainer. Spätestens, wenn man der Maschine noch Zugriff auf seine GARMIN-Daten o.ä. erlaubt, können sie sicher gute Pläne erstellen. Denn dann weiß sie, wann man am liebsten trainiert, kennt Trainingsvorlieben und läuferische Fähigkeiten; kann mit Leichtigkeit VO2max und den Riegel’schen Ermüdungskaktor ausrechnen, kann gut Laufökonomie, Stärken und Schwächen einschätzen und aufbauend darauf einen passenden, individuellen Plan auf der Basis bewährter Schablonen für individuelle Ziele erstellen.Trainingsplangeneratoren gibt es bereits einige, die hinterlegte Trainingsmuster mit der 10km-Zeit kombinieren. Aber vermutlich nicht für den Ultrabereich und mit Sicherheit nicht für den Spitzenbereich im 48h-Lauf. Da ist dann tatsächlich „künstliche Intelligenz“ gefragt, denn es gilt, bewährte Trainingsmuster für den Marathon auf die neue Distanz zu extrapolieren.

Fabian hat viele Details genannt, die auf den ersten Blick etwas widersprüchlich erscheinen. 3:45 auf 50km ist ziemlich gut und entspricht einem Durchschnittstempo von ca 4:30 min/km. Im Vergleich dazu scheinen seine Leistungen über 100km und 24h eher schlecht, insbesondere vor dem Hintergrund seines genannten Trainingsfleißes mit einem sehr hohen Umfang.

Nun hat Fabian selbst eine Bandbreite für Umfang und Anzahl Trainingseinheiten gegeben und ChatGPT hält sich daran. Spannend wäre gewesen, was der Plan enthalten hätte, wenn nicht. Hätte das Programm nachgefragt? Ebenfalls spannend wäre gewesen, wenn sich die Frage auf den 6h-Plan beschränkt hätte. 75km ist schon ziemlich flott und ohne gezieltes Tempotraining nicht zu schaffen. Allerdings reicht seine Tempofähigkeit fast aus und das zweite Ziel , seine Ambitionen beim 48h-Lauf, ist deutlich anspruchsvoller und der Zeitraum zwischen den Läufen sehr knapp. Daher macht es durchaus Sinn, ab Januar schon in ein echtes 48h-Lauf-Training einzusteigen und den 6h-Lauf als Testwettkampf mitzunehmen. Das würde erklären, warum das 6h-Training eher wie das 48h-Training aussieht.

Dagegen spricht allerdings, dass ChatGPT auch für den 48h-Lauf einen 3×4 Wochen-Plan erstellt und den Termin schlicht ignoriert hat. Also vermute ich, dass ChatGPT bei der 6h-Vorbereitung nicht schon den 48h-Lauf im Hinterkopf hatte.

Zu dem Plan im Detail:

Die Notation der Einheiten ist recht kurz, gibt aber die nötigsten Daten an. Die Bandbreite des Tempos ist mir persönlich zu groß. Üblicherweise gibt man bei Intervalleinheiten nur die Pace der schnellen Segmente und auch die Länge der Trabpause an. Dass man sich ein- und ausläuft, wird hier als Vorgabe unterschlagen. Als Tempo wird 4:30 bis 5:30 min/km angegeben. Für die 50km-Zeit als Referenz kann man von einem Marathon-Tempo von 4:15 und 10km-Tempo von 3:50 min/km ausgehen. Da ist die Vorgabe total falsch und auch die Anzahl 5 etwas niedrig.

Das Fahrtspiel ist außer dem Tempobereich gar nicht beschrieben. Ich selbst nutze diese Einheiten als Tempoeinheiten, die mal mittelintensiv, mal hochintensiv ausfallen, je nach geplanten Durchschnittspuls, bzw. Durchschnittspace, falls die Strecke flach ist.

ChatGPT unterscheidet zwischen einem leichten und einem lockeren Dauerlauf. Das macht Sinn, obwohl das Tempo gleich langsam ist. Bei 15km erscheint die Einheit leicht, falls man eine Stunde länger unterwegs ist, wird es trotz des langsamen Tempos anstrengender, also in Summe „locker“.

Freitag Pause oder leicht und am Wochenende zwei lange Läufe, samstags etwas kürzer, dafür schneller. Absolut ok. Allerdings sind mir die Zeitvorgaben viel zu langsam: 5:30 bis 6:30 min/km am Samstag und am Sonntag noch einmal 30 Sec langsamer! Immerhin möchte Fabian in Kürze 6h ein Tempo von etwa 4:45 – 4:50 min/km laufen. Mein Vorschlag wäre, dieses Wettkampftempo am Samstag zu üben, also am Samstag 4:45 min/km und am Sonntag vielleicht 5:45 min/km.

Fazit der Trainingswoche: Die Wiederholungsläufe sind schwach, Tempodauerläufe gibt es nicht, das Wettkampftempo wird nicht geübt. Dafür ist der Umfang und damit die zeitliche Belastung sehr hoch. Das ist sicher kein „intelligentes Training“, welches für berufstätige Läufer immer von Zeiteffizienz geprägt ist.

Nach vier Wochen gleichen Trainings folgt der nächste Block. Hier wird der Umfang noch einmal um 20 km erhöht, in dem die Einheiten am Montag, Mittwoch, Samstag und Sonntag jeweils um 5 km erhöht werden. Die gleiche Steigerung erfolgt nach weiteren 4 Wochen. Nun sind diese vier Einheiten richtig lang, dazu kommt die Tempoeinheit am Dienstag und das Fahrtspiel am Donnerstag. Sind das jetzt 6 Kerneinheiten? Mein Vorschlag ist, die leichten Einheiten leicht zu lassen und die Steigerungen nur in den dauerbetonten Kerneinheiten, also ggf. das Fahrtspiel verlängern, aber insbesondere die Einheiten am Samstag und Sonntag. Die Steigerung um 20 km pro Woche finde ich grenzwertig, aber ok, vielleicht kann man nach 2 Wochen die Einheiten am Mittoch und Sonntag erhöhen und nach 4 Wochen die anderen beiden. Die Länge der langen Läufe mit 35 und 45 km finde ich ok, obwohl ich sie – wie zuvor schon erklärt – viel schneller laufen lassen würde.

Monatsperiodisierung mit Regenerationswochen nutzen nicht viele Läufer, halte ich aber bei dem hohen Umfang für sinnvoll. Sie verhindern Übertraining und Verletzungen und bedeuten nicht wie oft angenommen einen Form-Rückschritt, sondern eher eine Form-Stabilisation, auf dessen Basis eine weitere Steigerung möglich ist.

Zum 48h-Lauf-Training

Zwischen den Wettkämpfen liegen etwa 8 Wochen, also 1 Woche Regeneration, 3 Blöcke zu 2 Wochen, 1 Woche Tapering. Im Grunde geht das, wenn die Grundlagen bereits gelegt sind. Dann kann man durchaus 6 Wochen spezifisch trainieren, allerdings würde ich schon 2 Wochen vor dem Wettkampf das Training reduzieren.

Schaut man sich die Einheiten an und vergleicht sie mit dem Plan für 6h fällt eine verblüffende Ähnlichkeit auf. Insbesondere die total unüblichen 5 x 1000 und 8 x 800 machen mich stutzig, die 5 x 2000 finde ich ja gut, aber die anderen Wiederholungsläufe eher nicht.

Der Umfang wird nochmals erhöht, und zwar in ziemlich hohe Bereiche! Im letzten Belastungsblock werden Montag 30km, Dienstag Intervalle, Mittwoch 45 km, Donnerstag Fahrtspiel, Freitag Pause/Leicht, Samstag 50 km und am Sonntag 60km gelaufen. Abgesehen davon, dass man die vorgegebenen „180 bis 200 km“ deutlich überschreitet, ist das echt heftig! Vermutlich kriegt man diese Einheiten zeitlich als Vollzeitbeschäftigter gar nicht hin, aber selbst, wenn das „wissenschaftlich fundiert sinnvoll“ ist, so würde ich befürchten, dass der Athlet sich nicht nur körperlich auslaugt, sondern auch mental ausbrennt. Solche Trainingsblöcke kann man in einem Trainingslager machen. Für umfangsintensive Belastungsblöcke bieten sich hierfür ein paar Feiertage an, aber diese müssen zwingend auch kurzfristig regeneriert werden.

Wenn ich mir die Balance zwischen Tempo- und Ausdauertraining anschaue, sind mir insbesondere im 6h-Laufplan die Tempoeinheiten viel zu wenig. Auch bei einem 48h-Lauf würde ich in Blöcken Tempo trainieren, aber das spezifische Wettkampf-Training ist klar ausdauerorientiert.

Die Balance zwischen Belastung und Regeneration ist ebenfalls nicht ausgewogen. Da fehlen mir Ruhetage und Regenerationsphasen – muss ja nicht gleich eine ganze Woche sein. In dem Plan ist halt „viel vom Gleichen“. Vielleicht ist das als mentale Vorbereitung bewusst gemacht? 48h im Kreis rennen, ist ja auch nicht von Abwechselung geprägt. Im Training ist es aber durchaus möglich, Ausdauereinheiten auf das Rad zu verlegen oder auch einmal eine niedrigintensive Wanderung einzuplanen. Das ständige Drehen von langsamen 30 bis 40 km-Runden finde ich sehr langweilig und unmotivierend.

Aber es gibt auch etwas Positives. Auf den ersten Blick fand ich den Plan von ChatGPT meinem zum 48h-Lauf recht ähnlich. Als festen Block steht das Wochenende mit zwei langen Läufen. Umfang und Tempo passen durchaus. Dann bietet sich der Dienstag für Tempoarbeit an, denn das ist die einzige Einheit, in die man wirklich ausgeruht gehen sollte. Daher habe ich am Montag Ruhetag, ChatPGT schlägt leichtes Training vor. Wenn der Dienstag hart ist, ist der Mittwoch eher locker und am Donnerstag kann man eine anspruchsvolle Einheit einlegen, wie z.B. ein zweistündiges Fahrtspiel. Bei mir klar als Kerneinheit definiert, bei ChatGPT ist das Fahrtspiel nicht gut beschrieben. Der Freitag ist so ein komischer Übergangstag. ChatGPT ist sich da auch nicht sicher und schlägt zwei Alternativen vor. Ich habe einen kurzen Tempodauerlauf eingeplant, aber eigentlich passt er nicht so gut.

Fairerweise muss ich allerdings sagen, dass ich nur eine Musterwoche vorgestellt habe und keinen Plan.

Fazit: Ein Plan basiert immer auf ein paar Informationen und viele Annahmen. Einen guten Plan zu erstellen für 75km/6h oder 410km/48h mit den von Fabian gegebenen Informationen ist schlicht nicht möglich.

Trainingspläne oder Beispiele gibt es kaum. Daher gibt es einfach zu wenig Daten, um überhaupt brauchbare Trainingsmuster zu erkennen, die man als Basis für neue Pläne verwenden könnte. Und selbst wenn man wüsste und berücksichtigen würde, wie die Leute, die 48h laufen, trainieren, so entspricht das sicher nicht den wissenschaftlichen Erkenntnissen, welche Einheiten wirklich sinnvoll sind, denn die Läufer trainieren in erster Linie die Einheiten, zu denen sie Lust haben.

Pläne müssen immer auch zur Persönlichkeit passen und die einzelnen Motive der Läufer befriedigen. Beispielsweise, dass Training Spaß machen muss. Damit sich der Athlet gut aufgehoben fühlt, gehört, dass der Läufer von seinem Training berichtet und vom Coach Feedback erhält. Das kann alles eine künstliche Intelligenz-Maschine nicht, aber sie kann vielleicht den Trainern helfen, das wäre doch schon einmal eine coole Sache.

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