Text und Bilder: Silke Herrmann, 08.06.2023
Ich hatte im Vorfeld mega Respekt vor der Strecke und war am Morgen des Laufes doch recht ruhig und locker. War auch echt schön und spannend mit Vereinskollegin Steffi Rauchmann gemeinsam an den Start zu gehen und vorher alles gemeinsam zu erleben. Für den Lauf selbst war uns klar, dass da jede ihrs läuft.
Also per Bus ging es Samstag früh nach Axamer Lizum, wo wir über eine Stunde vor Start eintrafen. Damit mir nicht kalt wird, wanderte ich 4km umher und sammelte die ersten 200Höhenmeter ?
 
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7:34 ging es los, etwas verspätet, weil die Kloschlange noch verzögerte….
Eine Gruppe von glaub ca 400 LäuferInnen setzte sich in Bewegung und geriet nach 1 km breitem Pfad direkt bei der Einmündung in den ersten Singletrail in fetten Stau. Das erhitzte die Adrenalin gepushten Gemüter schon ein wenig. In einer fortwährenden Schlange schoben sich alle bergan bis zum ersten Höhepunkt dem Hoadl auf 2340 m üNN. Ööööööffffz, über erst immer matschiger werdenden Pfaden, dann den letzten km rauf über Schneefeld. Ich hatte meine Spikes dabei und war happy sie endlich mal nutzen zu können. Wenn sie wohl auch nicht unbedingt nötig gewesen wären, fand ich mega Grip mit ihnen und das an und ausziehen…. gelang flott.
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Ich hatte Sorge, dass ich Probleme mit der Höhenluft bekomme, merkte davon aber kaum etwas, der krasse Anstieg vom Start weg lies meine Waden ständig nahe des Krampfes marschieren. Heidenei , das konnte ja noch was werden.
Jetzt nach erster Verpflegung, ich schob mir ne ordentliche Ladung Gummidrops rein, ging es rasant in engen schmalen matschigen Serpentinen runter zur Kemaler Alm um dann direkt krass wieder aufi zu steigen zum Grieskogel auf 2150m. Der 2. Anstieg brachte mich ganz schön an meine Grenzen. Ich glaube fast 1500 Höhenmeter auf knapp 10km waren echt ne Hausnummer. Ich wusste im Kopf: die 2. Hälfte wird leichter und das half.
Laaaaaang abwärts ging es noch über den Salfeins Gipfel, Figl runter ins Tal nach Grinzens. Der lange Downhill auf wurzeligen Trails gelang mir recht gut und flüssig und ich sammelte gut Kraft fürs weiter kommen.
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Wir starteten übrigens bei frischen 7/8 Grad was mittlerweile auf gut 20 Grad in der Sonne angestiegen war und ich an Brunnen immer wieder meine Kopfbedeckung wässerte.
Über 10km zog sich nun die Strecke leicht hügelig voran. VP3 3 in Völs km 28 erreichte ich knapp unter 6 Stunden und war somit unter dem Cut Off durch. Steffi hatte mir bereits geschrieben, dass sie den wohl nicht schafft und schaut wie es weiter geht.
Durch Kranebitten und dann ging es wieder hinauf bis zur Aspachhütte und weiter auf den Durrachsteig. Dort war ordentlich Trittsicherheit und schwindelfreiheit gefragt. Nicht steil, aber sehr schmal, technisch und ständig am Grad. Ich hatte mir vorher ein Cola Gel reingezogen um gut wach zu sein und fokussiert passierte ich gut den Abschnitt.
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Es wurde zunehmend frischer, schattiger und mit einem Mal brach ein Regen, dann Hagel aus den Wolken…. KRASS
Dazu kam dann Donnergrollen und ich kann euch sagen, da begann dann doch etwas Panik in mir zu brodeln. Ich wusste nicht wie sehr Hagel auf der Haut brennen kann, wie schnell Trails zu Bächen werden, wie sehr meine Brille beschlägt und ich mich fast blind voran bringe…. Es donnerte immer wieder, teils heftig, aber nicht ein Blitz war zu sehen und so schob ich mich weiter voran und erreichte nach einer Ewigkeit eine Hütte, wo auch schon andere Läufer unter standen. War glaub die Achselbodenhütte.
Dort blieb ich ungefähr 10-15min, es tat gut nicht allein zu sein, der Donner hörte auf und es nieselte nur noch. Also weiter, noch knapp 10km bis ins Ziel und es geht ja nur noch runter.
Mit mehr und weniger Regen erreichte ich mit immer wieder aufsteigenden Tränen, über wasserfließenden Pfaden, diversen Rutschern im Schlamm wo es mich hii schmissen hat, erreichte ich Hungerberg, ab dort kannte ich den Weg und es ging dann auch recht flott runter und ins Ziel. Ich hatte jegliches Zeitgefühl verloren und war der Meinung 11-12 Stunden unterwegs gewesen zu sein. Die Uhr konnte ich kaum mehr lesen mit beschlagener Brille….
Ganz knapp unter 10 Stunden, scheiß egal, ich hatte die Nerven behalten, bin konzentriert und ruhig geblieben, boah und heule grad erst so richtig….
DAS WAR EIN ERLEBNIS WAS ICH SO SCHNELL NICHT VERGESSEN WERDE UND HAT MICH SEHR VIEL GELEHRT
Jetzt muss ich mich erst mal sammeln…
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