Text und Tabellen: Michael Bohm, Fotos: Alexander Klesen, Pasquale Brandi, Trishul Cherns , 26.3.2023 (Update)

Der Kampf um die Medaillen war am letzten Tag unfassbar spannend . 5 Tage kämpften 4 Athleten um 3 Medaillen.

Gabor Rakonczay, der ungarische Rekordhalter und Berufs-Abenteurer. Er hat bereits 4 mal den Atlantik durchrudert, Grönland zu Fuß durchwandert und hat zu Fuß den Südpol erreicht. Daneben ist hat er sich in den letzten Jahren zu einem dominierenden 6d Läufer entwickelt.

Luke Ivory aus Schottland ist ein Newcomer mit wenigen Einträgen in der DUV Statistik aber er zeigte sich bärenstark.

Johnny Haellneby hatte mit 880.331km klar die beste Vorleistung und war immer vorne mit dabei.

Pawel Zuk aus Polen verbessert seit Jahren seine PB und kämpfte ums Podium.

Vom deutschen Team war Michael Bohm mit einer Vorleistung von 755 km ins Rennen gegangen.

Willi Klesen, Adrian Rewig und Hilmar Langpeter waren Newcomer auf dieser Strecke, aber sehr starke Läufer mit exzellenten Vorleistungen auf anderen Strecken.

Marika und Bruno Heinlein waren erstmals am Start. Edda Bauer die 9 fache AK Weltrekordlerin und Vielstarterin war erneut am Start. Walter Zimmermann, der Viellaeufer, war auf seiner 5. virtuellen Weltumrundung mit mehr als 162000 dokumentierten Laufkilometern.

Der lange Zeit führende Schotte Luke verletzte sich am Bein und war über sehr viele Stunden von der Strecke. Der Schwede Johnny hatte eine furchtbare letzte Nacht und stieg aus dem Rennen aus. Beide absolvierten lediglich einige Spazierrunden

Somit waren 1 und 3 aus dem Rennen.
Unverhoffte Chancen für die Verfolger, um Medaillen zu kämpfen.

Adrian Rewig hatte eine perfekte Rennaufteilung und sich überraschend starke Reserven für das Finale gelassen. Auf Position 8 liegend pflügte er sich durch die Rangliste auf Platz 2 mit einem phantastischen Debut..

Normiert auf die Leistung von Gabor auf den letzten 150km, ist in der Tabelle Adrians Leistungsexplosion zu erkennen. 30% besser in den letzten Stunden.

Während Pawel das Tempo von Gabor nahezu halten konnte, fiel Michael deutlich ab.

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Gemeinsam mit Michael Bohm lag Adrian Rewig am Ende des letzten Tages knapp vor Team Ungarn. Der Fokus war klar, den WM-Titel im Team zu holen. In der Nacht konnte der Vorsprung auf über 60 km ausgebaut und bis zum Schluss verteidigt werden.

Die Nacht war mit 2 Grad die kälteste. Ein Umstand die für einige leistungslimitierend ist.
Auch die Sonne tagsüber sorgt für große Temperaturunterschiede über den Tag.

Adrian Rewig kämpfte sich in seinem ersten phantastischen 6d Rennen bis auf Platz 2 vor mit einer Leistung von km Gabor verteidigte Platz 1 und Pawel Zuk wurde Dritter.

In den Altersklassen wurden WM Titel vergeben. Nach Deutschland gingen 4 Titel

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Michael Bohm holte den Titel in AK M55 mit 774.794 (Gesamt 4)

Willi Klesen legte in seinem Debut auf diese Strecke auch einen starken Schlusstag hin um mit 717.751 km den Titel in M60 zu gewinnen

Marika Heinlein holte den Titel in W60 mit einer Debutleistung von 558.305 km

Edda Bauer hatte nach einem guten ersten Tag Probleme mit dem Bein und konnte nur unter Schmerzen laufen. Ihr Durchhaltewille bescherte ihr den WM Titel in W75 mit 405.721.

In der Schlusszeremonie wurden den Teilnehmern die Pokale und Medaillen von Yiannis Kouros und Trishul Cherns persönlich überreicht.
Zu Beginn der Zeremonie fiel Michael Bohm publikumswirksam vor der Bühne in Ohnmacht durch Unterzuckerung. Der Doktor bekam ihn pünktlich zur Siegerehrung des Team Wettbewerbs wieder auf die Beine. Ein sehr emotionaler Moment von Yiannis Kouros, den Lorbeerkranz aufgesetzt zu bekommen.

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Team Deutschland holte sich den ersten WM Titel der GOMU im 6d vor Team Ungarn und Italien.

GER (Adrian Rewig / Michael Bohm): 1599.990 km

HUN: (Gabor Rakonczay/ Szilard Fodor) 1539.530 km

ITA ( Andrea Marcato / Daniele Almonti) 1425.717 km

Adrian Rewig finishte die Tourtur de Ruhr 2022 als Dritter und den stark besetzten TransEspania im gleichen Jahr als Fuenfter. Ein Spartathlon Finish in 30:45:30 laesst wohl letzte Zweifel an seiner Klasse zerstreuen. Michael Bohm absolvierte seinen vierten 6d in PB.

Gabor Rakonczay ist ungarischer Rekordhalter im 6d und besserrerte diesen erneut. Szilard Fodor ist BYU Rekordmann der Ungarn mit 54 Yards

Andrea Marcato ist Seriensieger der letzten drei 5000km Laeufe und auch Daniele Almonti knackte die 5000km bereits,

Es war eine gelungene und stark besetzte erste 6d WM der GOMU. Diese Global Organization of Mulit-Day Ultramarathoners wurde in Leben gerufen von Legenden des Ultralauf Sports. Die ersten Eintraege in der DUV vom Praesidenten der GOMU Trishul Lorne W. Cherns reichen bis ins Jahr 1981. Er hat eine PB von 866.000 km. Vice Presedent ist Viktoria Brown, die in den letzten Jahren Furore auf den Strecken von 48h-144h macht. Nach einem Start fuer Kanada in 2022 startet sie nun fuer Ungarn. Fuer die Gruendung der GOMU ist auch Yiannis Kouros vom Olymp herab abgestiegen und ist ebenfalls Vice President. Es war absolut bewegend ihn zu treffen und seine Gratulation und Anerkennung zu bekommen. 1036.800 km ist einer seiner Weltrekorde und an denen sich aktuelle und kuenfitge Generationen messen.

Wer vorbereitet war auf die rudimentäre Essensversorung und dem personalfreien VP kommt in Policoro zurecht. Für unsupportete Starter ist es zu empfehlen sich ausreichend Essen für 6 Tage vorzubereiten. Die Bungalows sind sehr gut ausgestattet.

Meine Rennaufteilung sah eine laengere Schlafpause von ca 1.5-2h pro Nacht vor und 3 kuerzere Pausen von 0.5-1h alle 6h. In der zweiten Rennhaelfte zeigte sich, dass das Konzept nicht geeignet ist, weiter gut zu performen. Die Erholung liess deutlich nach. Ich wechselte zu Adrians Plan mit 2 laengeren Pausen alle 12h. Mit diesem Konzept werde ich auch in den naechsten 6d gehen. Meine Uhr habe ich auf “Intervalltraining” mit offenen Runden und offenen Pausen eingestellt. So hatte ich fuer jeden neuen Block (2.5-3h) die Abschnittspace und -zeit und -distanz. Das sind alle Informationen die ich waehrend eines Blocks wissen muss. Gesamtkilometer o.a. interessieren waehrend eines Blocks nicht, nur die Pace.

Ich hatte 4 Paar gleiche Schuhe mit (Brooks Trace 2 – Normaler Trainingsschuh mit hoher Daempfung). Da sie mir gegen Ende etwas eng wurden und ich einen aufgeschnitten habe, werde ich mir mal 1-2 Paar mit einer groesseren Nummer holen um auf diese in der 2. Haelfte zu wechseln. Aber dann muss ich noch testen. Auch Socken und Unterwaesche hatte ich ausreichend von jeweils einer Marke und Ausfuehrung.

Neu Starter auf 6d sollten darauf vorbereitet sein, dass ihnen ihre Lieblingssportnahrung nach einiger Zeit zu den Ohren rauskommt. Gestern noch lecker wird sie hoeflich aber unmissverstaendlich abgelehnt. Eine Herausforderung fuer den Support.

Seit dem Saisonende im September 2022 habe ich mich mit Hilfe von Michael Irrgang ab Oktober 100% auf dieses eine Rennen vorbereitet. Wir haben ein “Wohlfuehltempo” festgelegt in dem ich hunderte Kilometer abgespult habe. (Der Ausdruck Wohlfuehltempo wurde zum running Gag zwischen Adrian und mir) Um den Trainingsumfang in ertraeglichem Rahmun zu halten wurde mit extensiven Intervallen oder Tempoeinheiten eine Vorermuedung vor den langen Einheiten erzeugt. Da ich im September noch eine Reizung der Achillissehne hatte wurden intensive Intervalle durch Bergsprints ersetzt. Wir sind sehr vorsichtig ins Training gestartet. Die Ausheilung der Sehne hatte absolute Prioritaet und das hat sich ausgezahlt. Die Reizung ist Geschichte und kein Thema mehr. Die Umfaenge waren zwischen 110-160(+) km. Einen 100 Miler Trail hatte ich noch im Dezember. Mein LAufstil und die Laufoekonomie haben sich durch das strukturiere Training stark verbessert. 2022 war ich in eine Trott verfallen nur Einheiten in 7’30”-8’30” zu trainieren. Das hat Grundschnelligkeit gekostet und den Laufstil ruiniert. Auch macht es ehrlich gesagt viel mehr Spass ueber die Woche verschiedene Reize zu haben und zwischen gemuetlich, langsam , Tempo, intensive und extensive Intervalle zu wechseln.

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