Text: Michael Irrgang, Bilder: Martina Stumpf-Irrgang, 8.8.2022

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Aufgrund mehrerer Zufälle wollte es mein Schicksal, dass ich einen Triathlon probiere und ungeachtet der relativen Platzierung im Vergleich zu den Experten, bin ich über mein Finish dankbar und glücklich.

Wie es dazu kam

Eines Freitagnahmittages nicht vor allzu langer Zeit kam eine Mail unserer Marketing-Abteilung mit der Info, dass mein Arbeitgeber, DATAGROUP, den Triathlon an Nürnberg sponsort und nun Ausdauerathleten sucht, die sich eine Teilnahme vorstellen können. Zufälligerweise sind wir an dem Wochenende auf der Rückfahrt aus dem Urlaub und fahren mehr oder weniger in Nürnberg vorbei. Passte perfekt!

Kurz in die Disziplinauswahl geschaut: Sprint passt nun überhaupt nicht zu mir, bei einer Staffel wäre ich kaum eine Hilfe, zumal ein 10km-Wettkampf ebenfalls auf der NoGo-Liste weit oben steht. Jedoch die Kurzdistanz, also die olympische Disziplin mit 1,5km schwimmen, 40km Radfahren und 10km Laufen, hörte sich nach einer echten Herausforderung an.

Eigentlich mag ich alle Outdoorausdauersportarten; mit einer Ausnahme: Schwimmen, denn ich habe so etwas wie eine Kaltwasserphobie. Bin ich bis zu meinem Abitur viel geschwommen, so hörte das danach schlagartig auf.

Also habe ich es mal darauf ankommen lassen und den organisierenden Kollegen eine Mail mit folgendem Inhalt geschrieben: Schwimmen kann ich nicht, ein vernünftiges Rad habe ich nicht und schnell laufen kann ich eigentlich auch nicht, aber ich traue mir ein Finish zu. Das war doch ein ehrliches Angebot, oder? Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Und sie kam von einem Kollegen aus Berlin, der meine sportliche Vita kannte: Natürlich schaffst du das, willkommen im Team! Nun gab es kein Zurück mehr.

Das Training

Nun waren es nur noch fünf Wochen, davon waren wir drei im Urlaub. Schwerpunktmäßig musste ich Schwimmen und Radfahren trainieren. Dabei brachte die erste Schwimmeinheit die Erkenntnis, dass ich auf Kraulen lieber verzichten sollte, in der zweiten Einheit bin ich dann im gefüllten Freibad 1,5km in 41 Minuten im Bruststil geschwommen und war schon super zuversichtlich. Nächste Woche kam der Schwimmbadbetreiber allerdings auf die Idee, Energie zu sparen und die Wassertemperatur zu senken. Nach 500m musste ich enttäuscht und unterkühlt mein Training abbrechen. Die sehr wenigen Radeinheiten waren alle nicht flach, aber ich hatte schon das Gefühl, einen „25er Schnitt“ über 40km halten zu können.

Das Training im Urlaub verlief bis auf die Schwimmgeneralprobe recht gut. Beim 40min-Schwimmen im ca 18 Grad kalten See bin ich ziemlich unterkühlt herausgekommen; zitternd, mit blassen, gefühllosen Füßen. Da wäre der Wettkampf dann zu Ende gewesen. Auf der Rückfahrt habe ich bei 30 Grad Lufttemperatur die Sitzheizung angemacht.

Die unmittelbare Wettkampfvorbereitung

Zum Schwimmen in der Badehose bot sich keine Alternative. Es stellten sich lediglich die Fragen, ob ich meinen Fahrradkorb abschrauben und den Sattel auf eine vernünftige Höhe stellen soll. Ganz bewusst wollte ich mir nichts leihen, sondern mit den Mitteln, die ich hatte, antreten.

Morgens fuhr ich mit dem Rad vom Hotel auf das Start-Zielgelände, wo meine Firma eine „Chill-Area“ eingerichtet hatte und bereits einige Kollegen anwesend waren. Einige kannte ich aus früheren Projekten, bzw. der Vorbereitung. Es war eine herzliche Atmosphäre, bei der alle Fragen geklärt werden konnten und schon ging es zum Einchecken. Für jeden Starter gab es einen kleinen Bereich zur Aufbewahrung des Rades und seiner Wechselsachen. Neben all den superteuren Carbonrennmaschinen war mein Cityrad mit Fahrradkorb nicht zu übersehen.

Das Rennen

Zum Start sortierte man sich nach geschätzter Schwimmzeit ein und alle 5 Sekunden liefen 3 Athleten über eine Startmatte über eine Rampe in den Wöhrder See, um in einer großen Runde die Distanz zu bewältigen. Fast alle hatten einen Neoprenanzug an, lediglich am Ende der Gruppe gab es vielleicht 5 Personen in Badehose, wobei die anderen 4 ihre Auftriebshilfe und ihren Kälteschutz in der Haut eingearbeitet hatten.

Da ich nicht ins kalte Wasser rennen oder gar springen kann, wurde ich bereits auf der Rampe das erste Mal überholt. Das Wasser hatte mit Sicherheit nicht die versprochenen 20 Grad, sondern eher meine gefürchteten 18. Wie ich später erfuhr, waren es wohl 19 Grad.

Nachdem ich meinen Rhythmus fand, ging es für meine Verhältnisse recht flott voran. Aber irgendwann wurde es kalt und kälter und ich war sehr erleichtert, als ich endlich aus dem Wasser steigen konnte. Das war wenig überraschend gar nicht so einfach, denn ich hatte wieder kein Gefühl in den Füßen, eierte ziemlich rum und musste mich ab und zu an den Absperrgittern festhalten. Es dauerte gar nicht lange, da kamen die Sanitäter, die fragten, ob es mir gut ginge und ob sie meine Temperatur messen dürften. Ja und nein.

Meine Schwimmzeit war 45 min und damit hatte ich die erste kritische Hürde, die erste Cutt-Off-Zeit geschafft. Das nächste Zeitlimit ist erst nach dem Rad. Mit meiner Zeit hatte ich unter den 171 Finishern den 167. Platz, aber während alle anderen hektisch die Sachen wechselten und mit dem Rad enteilten, saß ich nun ziemlich alleine vor meinem Rad und wartete, dass es mir wieder besser ging; zog mich in aller Ruhe um, aß einen Riegel und machte mich schließlich auf. Hatte ich für den Wechsel 5 Minuten eingeplant, so wurden es 15 Minuten, bis ich die Wechselzone verließ – mehr als doppelt so lange, wie der zweitlangsamste. Aber immerhin fuhr ich los und war noch im Rennen.

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Die erste 10km-Runde war mir noch kalt, aber dann wurde mir wärmer und es rollte besser. Hatte ich vergessen, beim Gesamtstart meine Uhr zu drücken, um meine Nettozeit zu kennen, so fiel nun auch noch mein Tacho aus. Ich wusste schon, dass ich zeitlich im Rückstand zu meinem Plan war, konnte mich aber gut genug an der Uhrzeit orientieren. Ab der zweiten Runde hatte ich ein Begleitmotorrad hinter mir – ein untrügerisches Zeichen Letzter zu sein. Die dritte Runde war recht einsam, bevor es wieder voller wurde, weil die Sprinter mittlerweile mit dem Rad unterwegs waren. Die Radstrecke hatte mir gefallen, sie war recht kurzweilig, Ordner und Zuschauer hatten alle mächtig angefeuert und auch meine Frau stand die ganze Zeit an der Strecke. Möglicherweise habe ich als Letzter auch mehr als andere die Worte „Du schaffst das!“ zu hören gekriegt. Ich habe dann immer nett zurück gewunken und mich höflich für das Vertrauen bedankt.

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Für die 40km lange Radstrecke habe ich übrigens 1:33h gebraucht, was ich für meine Verhältnisse recht schnell finde, aber in dem erstklassigen Starterfeld der letzte Platz war.

Für den Wechsel hatte ich eingeplant, ihn superschnell hinzukriegen, da ich schon meine Laufsachen anhatte, aber ich hatte die Weglänge in der Zone unterschätzt, schaute mal kurz beim Dixi vorbei und zack waren wieder 5 Minuten weg.

Die Zeit passte trotzdem, Zeitlimit geschafft und nun hieß es nur noch 10km zu joggen, um diesen Wettkampf erfolgreich zu beenden. Zunächst ging es auf einer Pendelstrecke ca 1,5km stadtauswärts, bevor zwei kleine Runden Richtung Zentrum folgten mit Ziel auf dem großen Marktplatz. Da ich auf dem Pendelstück weder hin noch zurück jemanden aus meinem Wettbewerb sah, war klar, dass im Bereich von 10 Minuten weder vor mir noch hinter mir niemand war und ich meinen Platz also weder verbessern noch verschlechtern konnte. Entlang der Wörhder Wiese und durch die Fußgängerzone gab es viele Zuschauer, die für eine gute Stimmung sorgten und einluden, stets mit einem Lächeln weiterzulaufen. Und so kam es, dass ich die 9,6km in 49:42min lief – immerhin Platz 136 für dieses Segment. Im Ziel war ich dann überglücklich und bin sogar mit 3:27:17 etwas unter der geplanten Zielzeit geblieben. Das Zeitlimit war 4 Stunden, aber so lange ich auch wartete – es gab keine weiteren Zieleinläufer – ich war zum ersten Mal in meiner Sportkarriere wider Willen Letzter geworden. Aber das war mir egal, denn mehr war an diesem Tag für mich nicht drin. Ok, durch kleine Optimierungen bin ich sicher in der Lage deutlich schneller im Ziel zu sein, aber ich fand es für dieses Mal genauso völlig ok.

Im Ziel habe ich dann meine Kollegen wiedergetroffen, die ebenfalls zufrieden auf ihre Wettkämpfe zurückblicken konnten. Eine Kollegin wurde sogar zweite bei den Frauen. Gratulation an dieser Stelle. Dann bin ich noch die ca 2 km in die Wechselzone gelaufen, um mein Fahrrad abzuholen, bevor wir die Heimreise fortsetzen konnten.

Fazit

Triathlon ist schon cool. Es sind drei Disziplinen, die alle ihre Tücken haben. Doch wer vorne mit dabei ist, hat keine Schwächen und bestes Material. Die Leistungen der topplatzierten Männer und Frauen sind schier unglaublich! Ich bin mehr als beeindruckt von den Leistungen aller Teilnehmer, insbesondere von meinen Kollegen, bei denen ich weiß, wie engagiert sie ihre Aufgaben im Beruf wahrnehmen.

Die olympische Distanz ist sicher keine Breitensportveranstaltung mit großzügigem Zeitlimit, aber ist durchaus zu schaffen. Allerdings bietet sich für „Amateure“ doch eher die Sprintdistanz an, die ja auch Volksdistanz genannt wird.

Ob für mich der Ausflug in den Triathlon einmalig bleibt, weiß ich noch nicht. Ich hätte schon Lust, meine Fehler zu vermeiden und meine Zeit zu verbessern, aber mir ist auch wieder einmal deutlich geworden, dass ich durch und durch ein Läufer bin.

Ein Wort noch zu DATAGROUP. Ich habe mich sehr über das finanzielle und organisatorische Engagement meines Arbeitgebers gefreut und wollte das auch durch meine Teilnahme unterstützen. Das ganze DATAGROUP-Team bestand tatsächlich aus Mitarbeitern und engen Freunden/Verwandte. Ich finde es einfach super, wenn Firmen trotz großer Zukunftsunsicherheit, sich im Sportsponsoring engagieren. Der Nutzen ist einerseits Förderung, Vernetzung der Mitarbeiter andererseits Werbung um neue Mitarbeiter. Ob unsere Geschäftsstelle in Nürnberg nun aufgrund der Veranstaltung neue Bewerbungen erhält, darf bezweifelt werden, aber der Bekanntheitsgrad und das Image in der Region Nürnberg wurde durch den professionellen Auftritt auf jeden Fall gesteigert.

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