Text: Michael Irrgang, Bilder: Manfred Hupka, Martina Stumpf-Irrgang, 22.05.2022

Mit etwas Abstand nach Erledigung einiger Nacharbeiten bin ich immer noch schwer beeindruckt vom diesjährigen Bottroper Ultralauf Festival. Genauso hatten wir uns das vorgestellt: Eine Symbiose aus Spitzensport und familiärer Laufparty.

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Meisterschaftsteilnehmer, die Spaß haben, Bild: Manfred Hupka

Geprägt wurde die Veranstaltung durch die neue Location am Prosperpark mit dem großzügigen Roten Platz mit Bühne und Cafeteria und der Betreuungsgasse, Basis der hervorragenden Atmosphäre rund um die Uhr. Viele fröhliche Läuferinnen und Läufer, die am 24h- und 6h-Lauf sowie an der Staffel teilnahmen, gut gelaunte Helfer und Betreuer, die bestmöglich alle Teilnehmer unterstützten.

Viele bewährte Punkte aus den vergangenen BUFs wurden beibehalten, z.B. dass der Schirmherr der Veranstaltung, Herr Oberbürgermeister Tischler den Startschuss gab oder die Zeitnahme mit Pferdeanhänger und Anzeige der Zwischenstände mittels Beamer und Leinwand im Pavillon. Es gab diesmal sogar ein Führungsfahrzeug auf der ersten Runde und eine Dopingprobe der NADA nach der Veranstaltung, die in keiner Weise die Abläufe störte.

In vielen Berichten war von einer super Stimmung die Rede; von einem beeindruckenden Erlebnis sowie von Stolz, Zufriedenheit und Dank. Tatsächlich war der Lauf für einige Teilnehmer seit Jahren oder nach überstandener Corona-Infektion der erste Wettkampf. Da lässt sich oft die individuelle Leistung nur unzureichend mit dem Maßband messen und mit vergangenen Bestzeiten vergleichen.

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Siegerehrung 24h DM, Männer, Bild: Martina Stumpf-Irrgang

Die ersten 6 Männer. Dennoch haben viele Teilnehmer herausragende Bestleistungen erzielt. Unter anderem der tragische Held, Michael Ohler, der in einem perfekten Rennen seine Bestleistung um ca 30 km verbessern konnte und nun mit stolzen 253,732km sich auf Platz 12 der ewigen Bestenliste katapultierte, aber am Ende sich trotzdem mit dem zweiten Platz zufriedengeben musste. Denn in einem von mir nicht für möglich gehaltenen Endspurt konnte Florian Reus, der über Stunden einen Rückstand von ca 2 km hatte, 5 Minuten vor Rennende die Führung übernehmen. Damit sicherte sich der 24h-Lauf-Weltmeister von 2015 seinen fünften Deutschen Meistertitel im 24h-Lauf. Das war ein beeindruckend perfektes Timing!

Interessant sind die 3-Stundensplits der beiden Protagonisten:

   Nach       Michael Ohler       Florian Reus       Anne Stephan   
3 Std 5:27 5:27 5:43
6 Std 5:21 5:26 5:53
9 Std 5:23 5:29 6:04
12 Std 5:43 5:49 6:21
15 Std 5:46 5:50 6:40
18 Std 5:49 6:03 6:39
21 Std 6:12 6:15 6:32
24 Std 5:46 5:17 6:14

Der Start erfolgte um 10 Uhr. Gerade in der Nacht konnte Michael Ohler sogar seinen Vorsprung ausbauen. Der letzte Split täuscht ein wenig über die Entwicklung der allerletzten Rundenzeiten.

 

Michael

 

Florian

 
Runde Rd-Zeit   Pace   Rd-Zeit   Pace  
165 8:19 5:44 7:44 5:20
166 8:13 5:40 7:45 5:20
167 8:21 5:45 7:20 5:03
168 8:30 5:52 7:39 5:16
169 8:19 5:44 7:28 5:08
170 8:15 5:41 7:20 5:03
171 8:12 5:39 7:04 4:52
172 7:58 5:29 6:58 4:48
173 7:48 5:23 6:36 4:33
174 7:40 5:17 6:01 4:09
  gesamt     1:21:38   5:37   1:11:56   4:57

Auf den letzten 10 Runden hat Florian Michael fast 10 Minuten abgenommen! Die 174. Runde beendeten sie fast gleichzeitig nach 23:55 Std und anschließend lief Florian bis zur Restmetervermessung in unter 4min pro Kilometer!

Auf Platz 3 und 4 liefen Marko Gränitz und Martin Armenat 243,9km und 242,2km, beide mit deutlich verbesserter persönlicher Bestleistung. Diese Leistungen hätte in der Vergangenheit oft zum Gesamtsieg gereicht!

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Siegerehrung 24h DM, Frauen, Bild: Martina Stumpf-Irrgang

Das Frauenrennen verlief unspektakulärer, da sich Anne Stephan von Beginn an an die Spitze des Feldes setzte und ganz souverän gewann, nachdem sie bei der letzten DM in Bad Blumau (A) bei ihrem Debut bereits eine sehr gute Leistung zeigte und damals mit ca 214 km 3. Frau wurde.

Ihre Tempoentwicklung ist in der obigen Tabelle eingefügt. Recht typisch wurde sie von 3-Stundensplit zu Split etwas langsamer. In den Stunden 12 bis 21, also von 22 Uhr abends bis 7 Uhr morgens war sie mit recht konstantem Tempo im Bereich 50 bis 60 Sek pro km langsamer als ihr Tempo vom Anfangssplit, was ein sehr guter Wert ist. Auch sie konnte die letzten 3 Stunden noch einmal beschleunigen.

Simone Durry lief ihren ersten 24er bereits 2012 und Sigrid Hoffmann 2013. Beide liefen mehrfach bei internationalen Meisterschaften und beide konnten ihre Erfahrung in sehr gute Leistungen und den Plätzen 2 und 4 umsetzen. Wobei Erfahrungen einem nicht die Krisen erspart, sondern ermöglicht, sie schneller zu überwinden.

Aber auch die Frauen der LG Ultralauf waren sensationell gut. Erstklassige Ergebnisse erzielten in ihren ersten offiziellen 24h-Läufen Katrin Gottschalk und Miriam Kudermann und kamen damit auf die Plätze 3 und 5. Weitere Frauen der LG Ultralauf waren Katrin Tüg-Hilbert auf Platz 6, die im Bereich ihrer Bestleistung lief, sowie Petra Fornacon auf Platz 8, die in der Altersklasse W65 startend mit gelaufenen 171km hinter Sigrid die zweitbeste alterskorrigierte Leistung von über 239km lief. Auf Platz 10 folgte dann Kerstin Hommels. Die beiden Katrins mit Miriam verbesserten mit ihren Leistungen den Deutschen Rekord der Frauenmannschaft und Katrin TH, Petra und Kerstin pulverisierten förmlich den alten Mannschafts-Rekord der Frauenmannschaft 50+.

Auch die Männermannschaft 50+ der LG Ultralauf konnte den bestehenden Deutschen Rekord verbessern.

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Vergabe der LGU Leistungsmedaillen durch das Präsidium der LG Ultralauf, Bild Martina Stumpf-Irrgang

Aufgrund der erzielten erstklassigen Ergebnisse wurden in bisher noch nie vorgekommener Häufigkeit die LGU Leistungsmedaillen vergeben. Durch diese Anerkennung möchte die LG Ultralauf den Spitzensport fördern ohne Konkurrenzstreben zu schüren. Daher ehren wir nicht Platzierungen, sondern absolute Leistungen. Obwohl die Anforderungen recht hoch sind, wurden sie zahlreich erreicht. Wer die Leistung schafft, erhält vor Ort sowohl eine Urkunde als auch eine wertvolle Medaille ausgehändigt und wird für die Ewigkeit in die Liste der „Ausgezeichneten Athleten“ aufgenommen: LINK

  Gold Silber Bronze
BUF 2022 Männer: 250km (24h), 88km (6h), Dt. AK-Rekord
Frauen: 225km (24h), 78km (6h), Dt. AK-Rekord
Männer: 238km (24h), 84km (6h), 
Frauen: 212km (24h), 74km (6h)
Männer: 225km (24h), 80km (6h), 
Frauen: 200km (24h), 70km (6h), 
Athleten Anne Stephan, Florian Reus, Michael Ohler (24h) Katrin Gottschalk, Marko Gränitz, Martin Armenat, Simone Durry, (24h) Miriam Kudermann, Sigrid Hoffmann (24h), Jennifer Honek (6h)

Gestern wurden die Bilder online gestellt (LINK) sowie Ergebnislisten der 100km- und 100mi-Zwischenzeiten dem DUV-Statistikteam verschickt. Der Bericht wurde schon am Sonntag online gestellt (LINK). So langsam sind auch die Kisten und Taschen ausgepackt und finden die Nacharbeiten einen Abschluss. Doch wie geht es weiter?

Zunächst folgt im September die Europameisterschaft im 24h-Lauf und einige der Bottrop-Läufer haben beim BUF die Nominierung geschafft und werden wohl auch dort ein Startangebot bekommen. Im nächsten Jahr sind die nächsten Deutschen Meisterschaften im 24h-Lauf in Braunschweig geplant und auch in Bottrop wird es 2023 wohl ein nächstes Ultralauf Festival geben.

Das nächste Jahr ist sicher noch weit weg, aber der nächste Herbstwaldlauf in Bottrop ist schon fest für den 6.11.2022 geplant und die Anmeldung ist bereits geöffnet. Bitte bei der Planung berücksichtigen.

Zum Abschluss der vielen Berichte zu dem diesjährigen BUF möchte ich allen danken. Den Teilnehmern, die ein Ultralauf Festival zu dem machen, was es sein soll und mit ihren Teilnehmerbeiträgen den Spaß finanzieren, bei der Stadt Bottrop für die großartige Unterstützung und den vielen Helfern und Betreuern von Adler-Langlauf Bottrop und LG Ultralauf. Ohne engagierte und kompetente Helfer geht bei so einer Großveranstaltung gar nichts: sei es in der Organisation, dem Auf- und Abbau, der Zeitnahme, der Läufer- und Besucherverpflegung und bei all den kleinen Aufgaben, die geplant oder auch spontan anfallen.

 

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