Text: Martin R. Kurz, Fotos: Martin R. Kurz, Klaus Spielbüchler, Christian Wurzer, 29.05.2021 (wusaonthemountain.at)

Prolog
Das letzte Corona-Jahr mit seinen fehlenden Veranstaltungen und Wettbewerben hatte bei mir die „Lauflust“ deutlich reduziert. Der geplante Schwarzachtrail 2020 mußte auch ausfallen, die Anmeldung konnte aber direkt auf das Jahr 2021 übertragen werden. Da aber auch dieses Frühjahr die Corona-Situation eine solche Veranstaltung eher unwahrscheinlich erscheinen ließ, war ich auch dieses Jahr unstrukturiert und eher wetterangepasst nur an sonnigen Tagen laufend unterwegs, nur einmal machte ich fast 1.000 Höhenmeter über die Stadtberge. Im April entdeckte ich dann den AppRun der Arbeiterkammer Salzburg (09.04.2021 – 31.05.2021), der dann meine Motivation zum Laufen wieder erweckte. Beliebig viele 4-km-Runden konnten gelaufen werden. Als ich richtig aufmerksam wurde waren bereits 2 Wochen vergangen und ich hatte einiges aufzuholen, um an die Spitze zu kommen. Das Laufen klappte super, die Distanz konnte ich mühelos erweitern und so hatte ich in der besten Woche 232 km absolviert und lag zwischenzeitlich auf dem 1. Platz. Letztes Wochenende wollte ich dann den Vorsprung deutlich ausbauen, doch bereits nach der 2. Runde machte sich meine linke Achillessehne bemerkbar, nach der 4. Runde war meine Entscheidung gefallen: Anstatt mich durchzuquälen und evtl. beim AppRun auf dem 1. Platz zu bleiben war mir die Teilnahme am Schwarzachtrail (https://www.schwarzach-trail.at) wesentlich wichtiger. Also AppRun abbrechen, nach Hause und die Achillessehne schonen und pflegen. Am Freitag absolvierte ich dann einen kleine Testlauf über den Mönchsberg, 10 km, keine 300 Höhenmeter. Keine Schmerzen, Anstiege, Abstiege, Treppen waren locker zu laufen – und es machte Spaß! Ich mußte mich dann sehr beherrschen, nicht gleich mehr zu laufen. Abends packte ich dann alles für den folgenden Tag, etwas skeptisch was die Wettervorhersage (Regen) und meine Höhenmeter-Kondition betraf.

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„Grosse Spielwiese für grosse Kinder“
Wie immer war alles bestens von Ausrichter Fredl Zitzenbacher, selbst Ultratrail-Läufer, vorbereitet. Sämtliche Corona-Auflagen und -Bedingungen wurden vorab per Mail mitgeteilt, erst am 19.05.2021 gab es „Lockerungen“ der Corona-Maßnahmen, welche die Veranstaltung endgültig möglich machten. Fredl hatte aber bereits mit seinem Team im Vorfeld alles unternommen, um die Veranstaltung bestens vorbereitet starten zu können – im Falle einer Absage wären viel Arbeit und Aufwand umsonst gewesen.
Zur Startnummernabholung mußten Impfung, Genesung oder negativer Covidtest nachgewiesen werden, die Ausrüstungskontrolle war im gleichen Pfad und ein Goodie-Sackerl gab es auch gleich noch.
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Der Start fand diesmal in Blöcken zu 50 Läufern und mit FFP2-Maske statt, kurz nach dem Start durfte die Maske dann abgenommen werden. Seit 2019 findet der Lauf an ungeraden Jahren gegen die Uhrrichtung statt, da ich letztes Mal nicht dabei war also eine neue Erfahrung für mich. Es war zwar kühl, stark bewölkt, aber zum Start trocken. Um nicht gleich unnötig Probleme mit der Achillessehne zu bekommen ging ich es absichtlich gemütlich an. Insgesamt kannte ich die Strecke ja von meinen vorigen Teilnahmen und wußte, dass es erstmal nur aufwärts gehen sollte, zunächst auf der Straße, dann über Forst- und Waldwege.

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Bis zur ersten Labestelle nach 9 Kilometern und ca. 800 Höhenmetern hatte ich überhaupt keine Probleme, so ließ ich sie rechts liegen und lief gleich weiter. Immer weiter aufwärts wurde ich zwischenzeitlich von einigen Läufern der nachfolgenden Startblöcke eingeholt, ich hatte aber sehr schnell mein Wohlfühltempo gefunden und ließ mich deshalb auch nicht unnötig antreiben. Auch bis zur 2. Labestation nach 16 Kilometern und über 1.000 Höhenmetern fühlte ich mich trotz zwischenzeitlich einsetzendem leichten Nieselregen wohl. Die letzten Meter zur Labestation leerte ich mehr aus Vernunftgründen denn aus Verlangen meine erste 500-ml-Flasche um sie dann wieder (coronakonform) auffüllen zu lassen. Zur Vorsicht hatte ich für die folgende Strecke noch zusätzlich zu meinen 2 500-ml-Flaschen eine 1,5l-Wasser-Blase eingepackt. Diese wollte ich hier ursprünglich für die nächsten 20 Kilometer auffüllen lassen. Anbetrachts der Temperatur und meines Empfindens verzichtete ich aber darauf und lief mit 1 Liter Flüssigkeit über den wohl anspruchvollsten Teil der Strecke.

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Der Schneeberg (ca. 1.900 HM) hielt wie immer sein Versprechen. Hier lag noch viel Schnee auf der Strecke (soviel hatte ich hier bisher nicht erlebt). Die Läufer vor mit hatten aber schon zum größten Teil eine ordentliche Spur getreten, so dass es richtig Spaß machte die Schneefelder zu überwinden. Endlich kamen auch die Abwärtspassagen, die ich zunächst vorsichtig, aus Angst, meine Achillessehne würde sich doch noch melden, anging. Aber es machte so viel Spaß über den Schnee, wasserführende Waldwege, über bzw. durch Gatsch, feste Waldwege und Singletrails. Ich vergaß völlig meine Bedenken, auch bezüglich der wenig trainierten Höhenmeter. Bis zum 3. Labepunkt nach ca. 35 Kilometer war es für mich eine wahre Freude, so gerne bin ich noch nie durch und über solche Wege gelaufen. Am Labepunkt mußte ich wieder nur eine Flasche füllen, eine Handvoll Gummibärchen mitgenommen und weiter abwärts, zunächst auf der Straße. Jetzt bemerkte ich doch meine Oberschenkelmuskulatur, das Abwärtslaufen fiel zunehmend schwerer und ich stellte ich mich darauf ein, womöglich die letzte Abwärtpassage auf die Stöcke gestützt zu gehen. Nach kurzem Asphaltstück ging es wieder in den Wald – aufwärts. Kein Problem, hoch geht immer. Im weiteren Verlauf war das Profil dann wechselnd, bisserl eben, bisserl abwärts, bisserl aufi. Aber meine Beine machten wieder mit und das Laufen über die Trails war plötzlich wieder eine Freude. Nach Schwarzach abwärts ging es dann ganz locker, als ob ich überhaupt keine Höhenmeter hinter mit gehabt hätte. In Schwarzach selbst mußte man dann noch einige Treppen überwinden bevor dann der Schlusshang vor dem Zieleinlauf kam. Alles war so locker und leicht und ich durfte dann mit einem breiten Grinsen über die Ziellinie laufen, wo ich wie immer herzlich von Fredl empfangen wurde. 47 km, ca. 2.700 HM in 06:44:35 Stunden.

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Leider mußte diesmal die anschließende Laufparty ausfallen, die Finisher-Medaille lag im Zielbereich auf einem Tisch zur Selbstmitnahme, ausserdem noch ein Versorgungspackerl, wenn es schon nichts Gegrilltes geben konnte.
Lieber Fredl, was soll ich sagen? Ein ganz, ganz großes Dankeschön, dass du immer an die Durchführung geglaubt hast, alles so perfekt vorbereitet hattest und ich wieder teilnehmen konnte. Wieder war es eine tolle Veranstaltung, eine tolle große Spielwiese die alle Stückerln gespielt hat, deine Crew ist einfach fantastisch und es hat mega Spaß gemacht, es war ein großes Geschenk für mich!. Aber wie schaffst Du es immer wieder, dass auf der Strecke so viel Groupies stehen???
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