Text: Michael Irrgang, Bernd Müller (Gmünder Tagespost), Fotos: Michael Irrgang, Walter Hösch, 31.10.2020

Ende Oktober findet in Schwäbisch Gmünd jährlich der 50 km-Albmarathon statt, der uns von 2017 noch in sehr guter Erinnerung geblieben ist, als dort die 50km Meisterschaft ausgetragen wurde und viele Vereinsmitglieder teilnahmen. Zum Bericht

Dieses Jahr gab es eine virtuelle Austragung, bei der man innerhalb von 3 Wochen die Auswahl zwischen 4 Streckenlängen hatte. Ob man das auch an einem Tag schafft, fragte sich Walter Hösch und die Planungen begannen. Nachdem der Plan feststand suchte er Kontakt zur lokalen Presse und so entstand ein Vorbericht von seiner Absicht und ein Bericht von dem Tag. Beide Artikel stellte Walter mit Einverständnis des Autors zur Verfügung.

„Das fängt immer im Kopf an“

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Walter bei der 100km DM in Kandel 2019 (Bild: Michael Irrgang)

Wenn am Samstag der 30. Schwäbische Albmarathon als Jeder-läuft-für-sich-Wettbewerb beginnt, wird Walter Hösch um 6 Uhr starten – weil er sich knapp 100 Kilometer vorgenommen hat. Von Bernd Müller
Walter Hösch macht aus weniger mehr: Der Schwäbische Albmarathon fällt in seiner virtuellen Version 2020 kleiner aus als sonst, doch der Sportler der SG Bettringen hat einen großen Plan: Er will am Samstag alle vier Albmarathon-Strecken hintereinander laufen. Erst 5, dann 10, dann 50, dann 25 Kilometer. Macht knapp 100 Kilometer an einem Tag. Im Interview erzählt der Ultraläufer, wie er das anpacken will.
Herr Hösch, wo hat Ihr Lauf-Abenteuer seinen Anfang? Das fängt immer im Kopf an. Die 50 Kilometer des Albmarathon stehen jedes Jahr bei mir auf dem Programm. Die anderen Strecken bin ich selber nie gelaufen, man muss sich ja immer für eine entscheiden.

Also haben Sie jetzt die Gunst des virtuellen Formats genutzt? Richtig. Diesmal die 50 Kilometer zu laufen, da war ein bisschen der Reiz weg. Das ist, wenn man alleine unterwegs ist, wie ein Trainingslauf, wie ich ihn drei-, viermal pro Jahr auf der Strecke ohnehin mache.

Und mit Ihrem Vier-auf-einen-Streich-Plan ist der Reiz wieder da? Ab 6 Uhr zuerst die 5 Kilometer, danach die 10, darauf die 50 Kilometer und zum Schluss die 25 zu laufen und damit das Ziel auf dem Rechberg vor 18 Uhr zu erreichen – das ist, glaube ich, ein sportliches Ziel in zwölf Stunden. Da werde ich nicht so viel Luft haben.

Also sind ausführliche Pausen zum Essen und Trinken nicht drin: Wie halten Sie es eigentlich damit, diesmal wird es unterwegs ja keine Verpflegungsstände geben? Ich bin voll auf mich allein gestellt; auf die langen Strecken werde ich sicher einen Laufrucksack mitnehmen. Was ich brauche, deponiere ich im Auto, das stelle ich in der Nähe des Ziels in der Schwerzerallee ab.

Startnummer tauschen dürfen Sie auch nicht vergessen. Das ist der Plan, und man muss ja die Strecke auch aufzeichnen. Da sollte ich wohl noch ein Powerpack für genug Akku-Kapazität dabeihaben. Es kann auch sein, dass ich mal etwas anderes anziehe.

Gilt das auch für die Laufschuhe? Die wechsle ich auf jeden Fall. Für den Fünfer und Zehner nehme ich einen Straßenlaufschuh, weil die Läufe ja hauptsächlich auf Asphalt sind, für die Strecken über die Alb werde ich einen etwas stabileren Schuh nehmen.

Sie starten gleich am Samstag, dem ersten Tag des Drei-Wochen-Zeitfensters. Wie sieht Ihr ideales Laufwetter aus? So um die 10 bis 12 Grad, bewölkt, es kann auch ein bisschen nieseln. Das könnte hinhauen am Samstag.

Sie wollen um 6 Uhr in Gmünd starten, da ist es ja noch dunkel. Nicht schlimm, ich werde einfach mit Stirnlampe laufen.

Am Abend, kurz vor der Dämmerung, soll auf dem Rechberg Ihr letzter Zieleinlauf sein. Wartet da dann ein kleines Empfangskomitee auf Sie aus Familie oder Freunden? Nein, ich mache das als Solo-Projekt. Zum Schluss, je nachdem, wie gut ich daherkomme, werde ich wohl, so zum Auslaufen, übers Hölltal nach Gmünd zurückkehren.

Auch in der Ultralaufszene ist viel ausgefallen im Corona-Jahr. Was hätten Sie denn sonst gemacht 2020? Ich wäre zum ersten Mal bei einer WM gestartet, im 100-Kilometer-Straßenlauf in meiner Altersklasse M 60. Ich war angemeldet, hatte einen Startplatz, da war ich schon enttäuscht, als die Absage kam.

Ist der Albmarathon-Vierer nun also Ihr Saisonhöhepunkt? Mal sehen. Ich habe noch eine Idee für etwas Längeres, das ich noch nie gemacht habe. Aber jetzt muss ich erst mal den Albmarathon bewältigen.

 

Die verrückte Idee aus der Zeitung

Walter1Laufsport Am ersten Albmarathon-Wochenende sind rund 150 Läuferinnen und Läufer unterwegs gewesen – zwei Vierfach-Starter waren erfolgreich: Marc Slonek und Walter Hösch. Von Bernd Müller
Samstagmorgen, 5.50 Uhr, vor der Großsporthalle in Gmünd: Zwei Menschen in Laufkleidung stehen sich in der Dunkelheit gegenüber, der eine stellt sich dem anderen vor: Marc Slonek aus Aalen begrüßt den Gmünder Walter Hösch – dessentwegen er hier steht.
„Der Artikel in der SchwäPo über Walter Höschs Plan hatte mich inspiriert“, sagt der Aalener. Die „völlig verrückte Idee“, von der ihm zuerst ein Kollege erzählt hatte, wollte Slonek auch zu verwirklichen versuchen: alle vier Albmarathonstrecken an einem Tag hintereinander laufen, die 5 Kilometer, die 10, die 50 Kilometer und zum Schluss den 25-Kilometer-Rechberglauf.
Um sechs Uhr laufen die beiden los, zehn Kilometer gemeinsam. Slonek absolviert die Wertung des Zehners, Hösch den Fünf-Kilometerlauf samt (ungewertetem) Rückweg. Dann trennen sich die Wege. „Es war klar, dass da jeder sein eigenes Rennen laufen muss“, sagt Hösch, der Slonek gar nicht als Konkurrenz empfand: „Mich hat das gefreut“, sagt er.
Nach dem Frühstart der zwei Ultraläufer kam der erste virtuell ausgetragene Albmarathon dann so richtig in Gang. „Rund 150 waren am Wochenende auf den Strecken unterwegs, damit sind wir sehr zufrieden“, bilanziert Mitveranstalter Tim Schwarzkopf das erste Lauf-Wochenende. Am beliebtesten war die Strecke des 25-Kilometer-Rechberglaufs, den etwa die Hälfte der Starter anpackten. Auf den kurzen Strecken war dagegen noch wenig los. „Ich könnte mir vorstellen, dass die auch häufiger unter der Woche angegangen werden“, sagt Schwarzkopf. Dass weitergelaufen wird im Drei-Wochen-Zeitraum, ist sicher: 150 weitere Anmelder stehen auf der Liste der Macher der DJK Gmünd.

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Walter Hösch und Marc Slonek sind woanders aufgelistet: bei den Ergebnissen. Alle beide haben ihren Vier-an-einem-Tag-Lauf geschafft. Mit etwas unterschiedlicher Taktik: Der 45-jährige Slonek hat vom Ziel des Fünf-Kilometer-Laufs ein Taxi zurück nach Gmünd genommen, nach dem Zieleinlauf auf dem Rechberg ist er mit dem Bus zurück nach Gmünd gefahren. Der ÖPNV wirkte motivierend: „Ich wollte den Bus um 18.50 Uhr kriegen …“, erzählt Slonek. Um 18.35 Uhr war er im Ziel, mit 90 Kilometern und rund 2000 Höhenmetern in den Beinen. Walter Hösch war um 17.39 Uhr auf dem Rechberg, danach ist er noch sieben Kilometer in die Stadt gelaufen. „Locker gejoggt, aber auch einige Mal gewalkt – ich wollte einfach runterfahren.“ Am Ende standen 107 Kilometer auf dem Tacho, und Slonek sagt: „Meinen größten Respekt vor seiner Leistung.“ Trotzdem war da auch Genuss, wie er zum Marathon über die herbstliche Alb seit jeher gehört: Walter2„Es war eine tolle Atmosphäre, wie morgens die Sonne aufging und die Nebelfetzen in der Landschaft hingen“, sagt Hösch.
Mal sehen, ob Hösch und Slonek in den kommenden drei Wochen weitere XXL-Läufer inspirieren. Mehrfachstarter wird es auf jeden Fall weitere geben. Schwarzkopf: „Wir haben schon einige Wiederholungstäter unter den Angemeldeten ausgemacht.“
Der 30. Schwäbische Albmarathon dauert noch an bis zum 15. November, in den drei Wochen können die verschiedenen Strecken beliebig oft absolviert werden. Die Strecken sind markiert, jede Startnummer enthält einen Zeitmesschip, der Start- und Zielbereich ist in der Schwerzerallee. Alle Läuferinnen und Läufer sollten trotz Zeitnahme ihren Lauf noch per GPS-Daten dokumentieren. Die offizielle Siegerehrung ist am 18. November in der Hauptstelle der Kreissparkasse Ostalb.
Die Auswahl an Strecken: der 5-Kilometer-Lauf, die 10-Kilometer-Distanz, der 25-Kilometer-Rechberglauf und die große Runde, der 50 Kilometer lange Sparkassen-Albmarathon. Außerdem der Teamlauf über 50 Kilometer.

 

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