Text: Michael Bohm, Bilder: Susanne Alexi, Michael Irrgang, Stephan Finster und Engelbert Resch 11.07.2020

Die Nachricht, dass der Chiemgau100 in diesem Jahr stattfindet, löste bei mir Vorfreude aus; aber auch Zweifel, ob ich den Anforderungen überhaupt gewachsen bin. Zwar bin ich schon alpin und in welligem Gelände gelaufen, aber noch nie „richtig“ mit Startnummer, Zeitlimit und Stöcken. In solchen Situationen ist es hilfreich Michael Irrgang nach Tipps für die Vorbereitung und das Rennen zu befragen.

Anstelle eines fernmündlichen Coachings entwickelte sich bei Michael die Idee eines Trailrunning Wochenende zur gemeinsamen Vorbereitung. Das übertraf  natürlich all meine Erwartungen.
Wie schon beim BBQU, dem Wintertrainingslager für sehr lange Läufe im Februar in Bonn, kamen die Teilnehmer in den Genuss eines strukturiert aufgebauten Vorbereitungstrainings über drei Tage. Ob es an der kurzfristigen Ankündigung lag oder an den Sommerferien – es hatten sich nicht sehr viele dem Training angeschlossen. Aber alle Teilnehmer genossen es sichtlich.
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Michael, Kathi und Michael kurz vor dem Start (Bild: Michael)
Am Freitag hatten Kathi Bey von der LGU (LG Ultralauf) und ich ein Privattraining bei Michael. Miriam, sonst immer dabei, wenn in und um Bonn gelaufen wird, hatte leider private Verpflichtungen. Wir starteten um 17 Uhr Richtung Telegraphenberg in Troisdorf, Michaels „Hausberg“. Nach dem Einlaufen zeigte uns der Trainer Mobilisierungs- und Lauf-ABC-Übungen und korrigierte die Bewegungsabläufe. Dann ging es los: 10x Bergsprint bis zum Maximalpuls! Wir starteten mit 5x eine Minute mit 6% Steigung. Ich versuchte mich zunächst mit 95% Einsatz, aber das ist den geschulten Blicken von Michael nicht entgangen. „Gib alles! Da sind noch 2 Sekunden drin“, was dann auch tatsächlich funktionierte. Anschließend wurden die Sprints auf 3x 2  und 2x 5 Minuten verlängert. Gelernt haben wir den richtigen Beinhub und das Anfersen beim Bergsprint, um möglichst effektiv den Gipfel zu stürmen.
Auf die Sprints folgte ein schönes Fahrtspiel durch die Wahner Heide in welligen und zum Teil sandigen Gelände. Wir freuten uns über wunderschöne Ausblicke auf die Landschaften, die wir in den nächsten zwei Tagen noch genauer kennenlernen sollten. Nach dreieinhalb Stunden, 26 km und 460 hm waren wir zurück bei Michael, wo uns Martina mit leckerem Abendessen erwartete.
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Bereit für eine lange Tour: Michael, Miriam und Michael  (Bild: Michael)
Am Samstag standen 62 km und 1280 hm rund um die Wahnbachtalsperre auf dem Programm. Die Runde hat Michael dreigeteilt konzipiert. So konnten Läuferinnen und Läufer mit anderen Zielen auch Teilsegmente unter die Sohlen nehmen. Miriam Kudermann von der LGU holte uns um 8 Uhr ab und wir liefen zu dritt 20km zum VP1.
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Durch die Wahner Heide und den Lohmarer Wald ging es nach Heide.(Bilder: Michael)
Am Parkplatz, der uns als Versorgungspunkt diente, warteten die LGUler Michaela Kirchner und Stephan Finster sowie Olaf Sajitz und  Engelbert Resch aus dem Troisdorfer Verein mit einer willkommenen Versorgung aus Snacks und Getränken. Gemeinsam ging es um die Wahnbachtalsperre.
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Teils heftig, teils abenteurlich: Unterwegs auf dem Talsperrenweg. (Bilder Engelberg (2), Michael)
Das Höhenprofil glich in diesem Segment einem Sägeblatt mit sehr vielen kurzen An- und Abstiegen. Eine gute Gelegenheit ohne Stöcke die Technik des Berglaufs zu trainieren.
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Am Aussichtspunkt Pinn mit Engelbert, Olaf, Michaela, Stephan, Miriam, Michael, Michael (Bild: Michael)
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Tolle Sicht über die Talsperre (Bild: Stephan)
Aber auch die Taktik: da mir dieses Gelände so viel Spaß gemacht hat, bin ich die Downhills oft schneller gelaufen, als ich es hätte tun sollen. Gegen Ende der 26km Runde um die Talsperre verließen mich rapide die Kräfte und ich zählte im Geiste die Kilometer bis zur ersehnten Pause runter. „In den Bergen mit dem Kopf laufen, nicht nur mit dem Herzen“. Ein wichtiger Hinweis für den Chiemgau-ultratrail, wenn die Euphorieschübe kommen.
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Am VP, ich (links unten) bin platt (Bild Michael)
Nach dem VP2, bei dem uns Martina mit Muffins, Kaffee, Snacks, 0% Bier, Schokolade u.v.m. versorgte, ging es zum „Auslaufen“ zurück. Die Gruppe, die das anspruchsvolle Mittelstück mitlief, lief zurück zum Parkplatz und das Starttrio zurück zu Michael ca 16 km.  Für Miriam und Michael wurde es unfreiwillig ein Intervalltraining, da sie ständig auf mich warten mussten. Der Tribut für den Überschwang im Gelände musste bezahlt werden. Michaela, Stephan und Martina erwarteten uns am Ende der Etappe. Die Dusche, das leckere Essen und die sehr schönen und interessanten Gespräche am Abend ließen die Strapazen vergessen.
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Ehrung für Michaela (Bild: Stephan)
Nebenbei ehrte Michael Michaela für ihre langjähre Präsidiumsarbeit, da sie an der letzten Mitgliederversammlung nicht teilnehmen konnte. Als Vizepräsidentin gestaltete sie den Verein in der schwierigen Aufbauphase mit, wofür ihr Michael herzlich dankte.
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Vor dem Start der Königsetappe. Drei waren schon vorher müde. Susanne, Miriam, Michael, Iris, Jürgen, Michael, (Bild: Michael)
Durch die beiden ersten Tage hatten wir eine gute Vorermüdung für den Sonntag erreicht, um spezifisch für die Chiemgau 100 zu trainieren. Um 8 Uhr trafen wir uns am Kloster Heisterbach, um eine längere Runde im Siebengebirge zu laufen. Mit Miriam und Susanne Alexi aus Köln liefen wir die gesamte Runde von 39 km und 1920 hm Iris Jaschky und Jürgen Titze, langjährige Lauffreunde von Michael, begleiteten uns einen Großteil der Strecke. Das Motto der Tour war, jeden Berg  und jedes Highlight des Gebirges mitzunehmen, um lange Anstiege und Singletrails zu trainieren, Stockeinsatz lernen, immer die steilste Variante nehmen, rauf wie runter, Landschaft und Ausblicke genießen. Michael zeigte uns den Stockeinsatz in verschiedenen Situationen. Beim Laufen bergan mit kraftvoller Armunterstützung, bergab zum Entlasten der Gelenke. Wann nützt ein Doppelstockeinsatz, wann sollte die Armfrequenz zur Schrittfrequenz halbiert werden, wie unterstützen Stöcke zur Überwindung von Hindernissen u.v.m.
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Der erste Anstieg führte uns zum Petersberg (Bild: Susanne)
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Am Aussichtspunkt Dreisehenblick (Bild: Michael)
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Nach der Löwenpunkt, einem Höhepunkt, der den Namen verdient, ging es durch das Tretschbachtal einem wunderschönen Downhill bergab, wobei es einige Hindernisse zu überwinden galt. Bilder (Michael (2), Susanne)
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Nach dem Abstieg über die Breiberge ging es nach Rhöndorf, wo man sich kühlen, trinken und stärken konnte (Bild: Michael)
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Bestes, kühles Trinkwasser kommt aus dieser Quelle (Bild: Michael)
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Ein gekonntes Serfie von Susanne
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Der Track führte an vermutlich sämglichen Aussichtspunkten vorbei. Dieser war auf dem Anstieg zum Drachenfels. (Bild: Susanne)
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Na klar, nach dem Drachenfels kommmt die Wolkenburg, wo dieses Bild entstand. (Bild: Susanne)
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Und nach der Rosenau folgt der Ölberg, wo wir uns eine kurze Pause verdient hatten. (Bild: Michael)
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Um den Stenzelberg gibt es einen schönen Rundweg – man kann aber auch drüber laufen, Kletterpassage beim Abstieg eingeschlossen. (Bild: Susanne)
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Stenzelberg, Susanne und Miriam (Bild: Michael)
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Der letzte Anstieg führte auf den Nonnenstromberg. (Bild: Susanne) 
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Endlich glücklich im Ziel. (Bild: Michael)
Auf flachen Passagen änderten wir Winkel und Abdruck der Stöcke um den Vortrieb zu unterstützen. Die Teilnehmer hatten unterschiedliche Erfahrungen in bergigem Gelände und wir konnten uns dementsprechend gegenseitig prima unterstützen und Michael individuell auf uns eingehen. Es hat riesigen Spaß gemacht! Für mich war das Landschaftserlebnis in Kombination mit dem Lauf- und Techniktraining und den Gesprächen mit den Lauffreunden ein wunderbarer Urlaub. Durch den Familienanschluss bei Martina und Michael wurde das Urlaubsgefühl noch verstärkt.
Für Chiemgau fühle ich mich nun sehr gut vorbereitet. Die Zweifel dem Rennen möglicherweise nicht gewachsen zu sein sind zerstreut, aber der Respekt vor den Anforderungen bleibt.
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