Sorpesee Logo2Seit 2009 organisiere ich zunächst für die DUV, später dann für die LG Ultralauf unter dem Begriff „Trainingslager“ nette Wochenenden, bei denen viel geredet wird, viele praktische Trainingselemente gelernt werden und auch gelaufen wird. Aber eher, um gemütlichen Schrittes die tollen Landschaften kennenzulernen, wo die Ausrichtungsorte liegen. Bei diesen Veranstaltungen lag der Schwerpunkt stets auf der Theorie und dem Erlernen elementarer Athletikübungen und Übungen zur Verbesserung der Lauftechnick.

Ab diesem Jahr heißen diese Veranstaltungen Seminare und das nächste findet am Wochenende nach Ostern am Sorpesee statt und völlig neu im Veranstaltungsprogramm der LG Ultralauf sind die Trainingslager.

TLBonn LogoDas erste, richtige Trainingslager fand nun letztes Wochenende in Bonn statt und richtete sich an sehr erfahrene Ultraläufer, wobei damit nicht Geschwindigkeit, sondern eher Belastungsverträglichkeit gemeint ist, denn das Programm war ausgesprochen anspruchsvoll.

Die Teilnehmer bekamen ca 3 Wochen vor der Veranstaltung einen kleinen Trainingsplan zur Vorbereitung, damit sie am Wochenende nicht mit ungewohnten Trainingselementen konfrontiert wurden. Gerade die sehr spezielle Tempoeinheit am Freitag musste zwingend vorher geübt werden, um sich nicht total zu überfordern oder gar zu verletzen.

Gelaufen wurde eine Einheit aus dem klassischen 100km-Training, bei der man zwanzigmal 3 Minuten schnell und 1 Minute langsam läuft. Bei 15 Minuten Einlaufen und Auslaufen kommt eine Tempoeinheit von fast 2 Stunden Dauer heraus. Die Strecke zum Einlaufen führte die Gruppe vom Hotel zum Rhein, dann ging es am Rhein entlang Richtung Süden. Die Gestaltung sah so aus, dass die Gruppe immer gemeinsam den 3-Minutenteil startete und jeder in seinem Tempo lief, im Erholungsteil kam die Gruppe wieder zusammen, bevor wieder der nächste schnelle Abschnitt folgte. Nach 10 Abschnitten wurde einfach umgedreht und wieder zurückgelaufen. In Summe ergibt das eine Belastungszeit von genau 60 Minuten, in denen man etwa im 10km-Wettkampftempo läuft – da ermüden die Beine etwa ebenso stark wie die Willenskraft. Die Gruppendynamik hat es möglich gemacht, dass einige deutlich schneller als erwartet waren und es allen unglaublich viel Spaß gemacht hat.

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Die Gruppe am Samstagabend beim Essen

Am Samstag stand dann mit dem BBQU ein Wettkampf über 59,2, bzw. 74 km auf dem Programm. Für die 100km-Läufer, die sich beispielsweise auf die 100km DM in Störitz Ende März vorbereiten, war die kürzere Distanz die Empfehlung, 24h-Läufer oder Spartathlon-Aspiranten konnten ruhig die längere Strecke in Angriff nehmen. Obwohl sich die Trainingslagerteilnehmer am Freitag wirklich nichts geschenkt hatten, war von Ermüdung bei den Allermeisten nicht viel zu sehen und wurden super Zeiten erzielt. 

Bericht von der BBQU-Veranstaltung: Link

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Am Sonntagmorgen kurz vor dem Aufbruch zum Lauf im Siebengebirge

Wenn man in Bonn, am Endpunkt des Rheinsteiges, gastiert, ist natürlich klar, dass der Sonntag im Siebengebirge auf dem Rheinsteig gelaufen wurde. Außerdem funktioniert so eine Dreitagesbelastung am besten, wenn alle Einheiten grundverschieden sind. Allerdings stellten sich bei der Streckenplanung schon die Fragen: wie lang und wie schwer darf denn die Strecke sein? Eine komplette Runde sollte die Gruppe von Oberkassel über den Felsenweg zum Rheinsteig und dann über den Petersberg, Nonnenstromberg, Stenzelberg, Weilberg wieder zurück zum Hotel führen. Der Weg war so konzipiert, dass man beinahe an jeder Stelle vom Hinweg auf den Rückweg wechseln und so beliebig abkürzen konnte. Die Komplettstrecke war mit 24km und 800 Höhenmetern berechnet und schien mir absolut unmöglich in der geplanten Zeit zu schaffen, zumal die Strecke auch noch an ganz vielen geologischen Sehenswürdigkeiten und Fotomotiven vorbeiführte. Und gefrühstückt hatte die Gruppe vorher natürlich auch nicht. Allerdings gab es vorher einen kleinen Imbiss und Riegel und Wasser für den Notfall für unterwegs.

In der schnellen Gruppe, in der kein ortskundiger Läufer war, wurde streng nach Track gelaufen mit zwei Optionen zum Abkürzen einzelner Gipfel, doch Abkürzen gab es an diesem Tag nicht als Option und so rannte die Vierergruppe nicht nur den steilen, alpin anmutenden Felsenweg hoch, sondern den kompletten Weg, ließ dabei kein Hotspot aus und kam rechtzeitig zum späten Frühstück am Hotel an. Das war schon sehr beeindruckend!

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Fabian Benz erläuterte sein Training zum Spartathlon 2018 und stellte seinen Plan für dieses Jahr vor.

Abends gab es jeweils noch zwei kurze Vorträge. Am Freitag erzählte ich etwas zu den Trainingsgrundlagen mit den Schwerpunkten, welche Belastungsbereiche besonders wichtig sind und zur Periodisierung und Fabian Benz hielt einen einführenden Vortrag zum Spartathlon und am Samstagabend ging es dann um konkrete Trainingspläne für den Spartathlon, bzw. die 100km WM, jeweils im September.

Am Ende der Veranstaltung war eine Frage vermutlich ausdiskutiert: Macht eine derartige Verdichtung von belastenden Trainingseinheiten Sinn, wo nach jeder Einheit für sich schon der Trainingscomputer am Handgelenk meint, dass jetzt erst einmal 2 Tage Pause nötig sind und auch nach dem Prinzip der Superkompensation nach der Belastung doch eine Pause folgen sollte? Ja, unbedingt, auch wenn es komisch erscheint! In Summe waren es zwischen 10 und 12 Stunden intensives Training innerhalb von 43 Stunden. Dennoch wurden wahrscheinlich nicht die Ermüdungswerte erreicht, die beispielsweise beim Spartathlon im letzten Renndrittel vorliegen. Man muss die 12 Stunden Belastungszeit in Relation zur geplanten Wettkampfdauer sehen.

Das Fazit der Teilnehmer fiel geschlossen positiv aus, sowohl was die Laufeinheiten als auch die Vorträge anging.

Rückmeldung von Katrin Gottschalk:

Vielen Dank nochmal für das tolle Wochenende. Du hast uns total gefordert, aber im guten Sinne. Die Einheiten haben sehr viel Spaß gemacht in der Gruppe. Ich habe selten so gut trainiert und bin total überrascht, wie gut mein Körper das alles weggesteckt hat.

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Katrin Gottschalk gehörte zur Vierergruppe, die die 24km-Strecke meisterste. Hier mit Fabian Benz. Susanne Gölz und Hans-Dieter Jancken komplettierten die Gruppe.

Wir werden das mal beobachten, wer von den Teilnehmern in diesem Jahr Bestzeiten läuft, denn die Idee war ja schon, dass man durch die Teilnahme einen kleinen Leistungssprung macht.

Mein persönliches Fazit ist dadurch geprägt, dass ich am Freitagmorgen plötzlich etwas grippekrank war und das ganze Wochenende etwas neben mir stand. Da bin zunächst echt froh, dass alles so gut geklappt hat und dankbar für die fleißigen Helfer, die das möglich gemacht haben.

Insgesamt war das schon ein ziemlich cooles Wochenende. Für mich war es nur schade, dass ich die Einheiten am Freitag und Sonntag nicht mitlaufen konnte – da hatte ich mich nämlich schon richtig drauf gefreut.

Die Frage nach dem nächsten Mal wurde auch schon während der Veranstaltung gestellt. Die Antwort ist simple: Ob, wann und wo – alles ist ungewiss, obwohl schon klar war, dass die meisten der Teilnehmer wohl wieder dabei wären. Da die Teilnehmer am Freitagabend gelernt haben, dass man in der allgemeinen Vorbereitungsphase auch gut konditionelle Fähigkeiten bei Alternativsportarten trainieren kann, stand plötzlich die Frage im Raum, warum nicht ein Skilanglauftrainingslager im Winter. Ja, warum eigentlich nicht? Mal sehen.

Text und Fotos: Michael Irrgang, 18.02.2020

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