In der Jugendherberge Oberwesel gab es vornehmlich 4-Bett-Zimmer. Ich hatte das ungewöhnliche Glück mein Zimmer nur mit Patrick, einem der „Mädchen für Alles“ teilen zu müssen. Er musste morgens eh früh raus und Frühstück gab es erst ab 6 Uhr, so stellte ich mir keinen Wecker und vertraute darauf, dass er mich weckt. Das tat er auch, aber leider erst um 6:50 Uhr, als er angerufen wurde. Nun musste alles schnell gehen und ich MUSSTE in der 2.Gruppe um 8 Uhr starten. Okay – für ein schnelles Frühstück reichte es noch, dann Gepäck bereitstellen. Als ich die verschiedensten Wetterprognosen hörte, entschied ich mich spontan: Heute laufe ich komplett ohne Jacke. Als ich sie abgeben wollte, ist das Gepäck bereits verladen und ich musste auf dem LKW springen, eine meiner Taschen suchen, die Jacke rein, runter vom LKW und da rannten das Teilnehmerfeld gerade los – einige Sekunden zu früh. Ich unterschrieb nur noch auf der Einschreibeliste, ein Helfer trug meine Daten ein. Nun aber hinterher, mein Glück es ging bergab und das kam mir zugute. Viele staksten los, ich rannte – downhill ist ja nun meins…..
Nach einigen Minuten hatte ich das Feld eingeholt. Am Ende der Ortschaft Oberwesel lag ich kurzfristig fast ganz vorne in der Gruppe. Das änderte sich aber schnell wieder. Ich hatte mir ja den Streckenplan eingeprägt – heute einige Steigungen drin und für meine (angeschlagenen) Verhältnisse respektable 67km. Ich brauchte mir da keine Durchschnittspace vornehmen. Mein Körper kannte die Umstände und stellte seinen „inneren Tempomat“ – ausgenommen davon waren größere Steigungen/Gefälle bzw. KM in den ein VP angesteuert war. Genau dieser Tempomat befand heute knapp 6:30er Pace genau richtig – ich registrierte das mit höchster Aufmerksamkeit, wehrte mich nicht im Geringsten dagegen….. so sollte es eben sein.

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Wir liefen die ersten gut 20km noch am Rhein entlang, wie die letzten Tage gewohnt. Ab Bingen verließen wir diesen und kurz danach (KM 29) ging es in die Weinberge. Mein Körper wusste dies alles, schien fast einprogrammiert, als ich oben angekommen war und es wieder leicht abwärts ging, kam ein Feedback: war ja gar nicht so schlimm – und schon wurde die Pace um ca 15sec schneller, tatsächlich ohne mein Zutun, keinerlei Signal (zumindest bewusst) ging da vom Kopf aus – schon erstaunlich, so ein „Laufkörper“.

T12 2Es ging wellig weiter mal runter dann wieder hoch, relativ abwechslungsreich, nur einige Abschnitte 2km schnurgerade entlang einer Bundesstraße, erinnerten an Norddeutschland. Ich freute mich über die Strecke und darüber, dass meine Energie scheinbar auch wieder für mehr als 60km reichte – das nenne ich Läuferglück! Auch die Markierung bereitete mir gestern und heute keinerlei Probleme.

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Ich hatte mittlerweile die 60km passiert, den letzter VP – nun begann ich doch mal einen kurzen Check; sollten die 67km hinkommen (stimmt heute ganz gut) wäre eine Zeit um die 7:30Std machbar. Zum ersten Mal nahm ich heute bewusst auf die Tempogestaltung Einfluss – ich nahm Fahrt auf und erreichte Zeiten unter 6min/km. Es würde wohl knapp werden, dann kam ich über den letzten Hügel und sah Westhofen vor mir abschüssig liegen – ich ließ es rollen und als auch die ersten Bewohner an der Strecke standen, aufmerksam zusahen und klatschten gab ich Gas, der letzte KM lag nahe bei 5min/km. Ich bog ins Schulgelände der Otto-Hahn-Schule ein ins Ziel – 7:29:xx – das war ja eine Punktlandung *freu*

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Zu den anderen LG Ultraläufer: Sie sind alle noch im Rennen und als ich heute auf Stefan Daum auflief, freute ich mich mit ihm, dass es lschon wieder bedeutend besser lief – KLASSE!
Mein Entschluss ohne Jacke zu laufen, war übrigens voll aufgegangen, außer mal am Vormittag leichter Nieselregen, wurde das Wetter im Tagesverlauf immer wärmer und auch die Sonne war zu sehen.
Viele Leser dieser Zeilen werden Gabi und Peter Gründling kennen (in Läuferkreisen gut bekannt). Sie besuchten uns im Ziel dieser Etappe und hatten – welch tolle Idee, Eis mitgebracht. Darüber freuten sich nun alle Läufer(innen) im Ziel.
Essen gab es sehr läuferfreundlich gleich nebenan (50m) in einem Vereinslokal. Damit das Restaurant nicht hoffnungslos überfordert war, gingen wir in zwei Gruppen rüber. Das Briefing ergab: Morgen gibt es zwar weniger HM, doch 10km mehr.

Text und Fotos: Roland Kraus, 27.7.2017

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