Am vergangenen Sonntag liefen einige von uns beim ELKU (Elbe-Lübeck Kanal Ultra). Der Kanal ist die Binnenwasserverbindung zwischen Elbe (Lauenburg) und der Ostsee (Lübeck) und seit 1900 in Betrieb. Die wirtschaftliche Bedeutung ist heute allerdings gering, da die Schleusen größere (Container)-Schiffe nicht aufnehmen können. Beliebt ist der Uferweg jedoch für Radwanderungen…. und natürlich bei Läufern.
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vlnr: Jens Kruse, Katrin Tüg-Hilbert, Christian Mohr, Matthias Landwehr und Helmut Schöne
In der Vergangenheit war der Elbe-Lübeck-Kanal bereits Schauplatz für Ultraläufe. Jeweils in unterschiedlicher Richtung sowie auch als Nachtlauf. Ich selbst hatte an einer Austragung 2014 von Lauenburg nach Lübeck teilgenommen und erinnerte mich nicht gerade mit Freude an kilometerlange Geraden. Blick aufs Wasser hab ich als Hamburger eh schon zur Genüge.
Tobias Riedel richtete in diesem Jahr den ELKU nun zum zweiten Mal aus. Allerdings verläuft die Strecke mit ca 61 Km lediglich von Lübeck nach Mölln (etwa halbe Kanalstrecke) und zurück. Aufgrund einer Streckensperrung liefen wir jedoch die ersten 10 Km (und natürlich die letzten 10Km) an der Landstraße Richtung Krummesse und setzten erst dort den Lauf am Kanal fort.
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Briefing vor dem Lauf: Veranstalter Tobias Riedel (der mit den Blumen)
Zwei Wochen vor meinem Frühjahrshöhepunkt (PUM) passte mir der Lauf nicht wirklich, aber Katrin und Jens überzeugten mich von der Teilnahme schon frühzeitig. Kilometer hätte ich zwei Wochenenden vorher eh gemacht und „vernünftig“ laufen kann ich und in Gesellschaft macht’s ja auch Spaß. Doch bevor der Spoiler-Alarm kommt, lasse ich erst mal die anderen Protagonisten zu Wort kommen.
Katrin:
„Zum ersten Mal bin ich im Abstand von zwei Wochen einen Ultra gelaufen (6h-DM Münster und 61 km ELK). Ich hatte im Vorfeld keine Ahnung, wie sich das wohl anfühlt und wie das bei mir so klappen mag. Daher war meine Zielsetzung so zügig wie möglich zu laufen, aber nur nach Körpergefühl und (fast) ohne mir eine Zeit vorzunehmen: einziger Wunsch war für die 61 km unter 6 Stunden zu bleiben.
Und so lief es dann auch: zügig, anstrengend, aber ohne Stress, an den VPs bewusst ruhiges Essen und Trinken und dann weiter. In der ersten Hälfte war ich noch durch Unterhaltung abgelenkt, der Rückweg von Mölln nach Lübeck wurde dann gegen Ende doch recht einsam. Nur verwunderte Spaziergänger, die mich fragten, ob das hier eigentlich ein Marathon sei. Die letzten 10 km zogen sich ganz schön in die Länge, aber dann bin ich glücklich und zufrieden mit 5:38:19 h im Ziel angekommen, wo wir Läufer fürsorglich empfangen wurden.
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„Am schönsten Kanal der Welt“- großes Kompliment an Tobias und seine ihn in allem unterstützende Freundin Christine für die perfekte Organisation dieses wirklich schönen Ultralaufes:
Die VPs hatten alles reichlich zu bieten, worauf der Läufermagen Appetit hat und was er braucht.
Gut sichtbare Streckenposten standen an den kritischen Stellen im Lübecker Stadtrandbezirk, um einem schon von weitem zuzuwinken und die Ampel zu drücken um zügiges Weiterlaufen zu ermöglichen. Der Start-/ Zielbereich lag perfekt am Fitness-Studio: damit kühlte man morgens vor dem Start draußen nicht aus; im Ziel angekommen betrug der Weg zu den Duschen 10m.
Und dazu die nette „familiäre“ Atmosphäre des ganzen Laufes. Auch der strahlende Sonnenschein und der idyllische Elbe-Lübeck-Kanal trugen ihr Bestes dazu bei.
Da hat unser traditionsgemäße After-Running-Döner gleich doppelt so gut geschmeckt   😉
Irgendwie alles perfekt!“
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Bei Helmut lief es schmerzbedingt nicht so zufriedenstellend. 5:47 h muss man aber auch erstmal über 61 Kilometer laufen.
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Jens:
„Einen Plan hatte ich eigentlich, Minimal-Ziel sollte eine Zeit unter 6 Stunden sein. Im Moment eigentlich kein Problem, ich fühlte mich gut. Lediglich eine Erkältung, die ich mir am Wochenende zuvor zugezogen hatte, steckte mir noch in den Knochen.
Die übliche Frage an den Rest des nettesten Ultralaufvereins der Welt ergab, dass alle ähnlich wie ich in 5:45-5:50 loswollen – prima, das passt. Aber schon nach 1-2 km zieht Katrin von dannen und auch Christian läuft mein Tempo von 5:25 mit. Bis zum 1. VP bleiben wir bei diesem Tempo zusammen: es wird viel geschnackt und gegenseitige Bremsversuche misslingen. Ich mag nach dem VP 1 nicht auf Christian warten und fange zusätzlich auch noch an, auf Katrin, die einige Hundert Meter vor uns war, aufzulaufen. Nach 5 km habe ich sie eingeholt und bei netten Gesprächen geht es munter zum Wendepunkt in Mölln (km 30). Aber2 km vor Mölln hätte mich Katrins „Du läufst 5:05, soll das so sein“ und ihr anschließendes Abfallen mich eigentlich wachrütteln müssen. Aber es läuft sooo gut, es ist sonnig und warm.
Wir kommen dann aber doch zusammen am VP in Mölln an. Irgendwie mag ich nicht richtig essen und kaum stellt Katrin nach dem VP fest, dass sie ’nur‘ 2 Minuten vor der zweiten Frau ist, ist sie auch schon weg. Und ich breche ein. Ich weiß nicht, was es ist, aber vermutlich bin ich viel zu schnell angegangen und die restlichen 30 Kilometer werden zur Qual. Ich betrachte es, als das was es ist: eine Herausforderung und mentale Trainingseinheit für einen Ultraläufer. Immer wieder  auftauchende Gedanken, wie
– Du könntest ja ‚mal gehen
– frag doch am VP, ob sie Dich mit zurück nehmen oder
– an der Bushaltestelle halte ich den Daumen ‚raus
werden erfolgreich abgeschüttelt und nach 6:05h komme ich dann doch mit einer einigermaßen ordentlichen Zeit ins Ziel.
Gelernt habe ich an diesem schönen Tag am Elbe-Lübeck-Kanal, dass
– Aufgeben nur bei wirklichen Problemen eine Option ist.
– Ich besser auf meine Ernährung achten muss.
– Ich meine Laufgeschwindigkeit besser planen und – noch wichtiger! – einhalten muss.
– Dass ein Döner-Teller genau der richtige Abschluss eines Ultralauftages ist.“
ELKU6Matthias:
„Ich habe mich sehr gut beim Laufen unterhalten und bin ganz gemütlich am Ende des Feldes gelaufen und habe nur ab dem Wendepunkt ein wenig Gas gegeben um auf meinen Kumpel Kay aufzulaufen. Die VPs waren wirklich sehr gut bestückt und die Strecke am Kanal sehr schön gelegen! Hoffentlich können wir im nächsten Jahr die ganze Zeit am Kanal laufen und brauche nicht mehr auf dem Radweg laufen, aber das war auch kein Beinbruch :-)“
Christian:
Puuh, kann ich dem noch was hinzufügen? Auf das Lauftempo hatten wir uns ja ohne viel Diskussion einigen können, okay zu Beginn waren wir etwas schneller, aber spätestens ab der Kanalstrecke waren meine Bremsversuche erfolgreich. Jedenfalls waren die ersten 10 Kilometer mit Jens gefühlt deutlich weniger und dank der Umleitung über die Landstraße mussten wir auch nicht am längsten Kleingartenverein der Welt vorbei. Jens wartete leider nicht nach VP1 – na warte, das rächt sich – aber mit Günther Liegmann (Veranstalter vom PUM) erreichte ich schon den nächsten Gesprächspartner und erfuhr von ihm Spannendes vom Etappenlauf auf den Philippinen an dem er erfolgreich teilgenommen hatte.
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Zwei D.. ein Motiv;-))
Doch ab KM 15 trennten sich unsere Wege und es ging für mich alleine weiter. Zum Glück kam mir der Weg bis Mölln zunächst gar nicht so langweilig wie 2014 vor, allerdings – und das ging mir damals schon auf den Zeiger – störte mich der leicht zum Ufer hin abfallende Weg. Ganz gleich auf welcher Spur ich lief, ständig war mein linkes Bein zu kurz. Doch kurz vorm „richtig genervt sein“ kamen mir die ersten Läufer vom Wendepunkt bereits entgegen. Grüßen, Abklatschen, Abfeiern … wie beim Richtungswechsel beim 24er… schon war der VP3 (Wendepunkt mit „Bergwertung“) erreicht.
Zwar war auf dem Rückweg zunächst das rechte Bein zu kurz, doch ab Marathon hatte ich mich dann doch endgültig eingegroovt. Das werte ich einfach mal als gutes Signal. Der Weg zurück an der Straße war ohne Gesellschaft deutlich langweiliger als auf dem Hinweg, das steigerte die Vorfreude auf das apres-Running. Trotz Streckenposten hätte ich mich in der Stadt beinah verfranst und gleich noch einen Verfolger mit ins Verderben geleitet, aber ein Bruchteil meiner Sinnesorgane wurde wohl doch noch durchblutet…Glück gehabt. Mit 5:45h im Ziel, zumindest brutto hatte ich meine Tempovorgabe eingehalten …
Fazit: Von wenigen Ausnahmen abgesehen („zu kurzes Bein“) hatte ich meinen Spaß, „schönster Kanal der Welt“ ist natürlich mehr Marketing als Tatsache, aber das sei Tobias verziehen. Ein neuer Spitzname … und ganz gleich ob Döner, Pizza, Pasta, Mailand oder Madrid …. Hauptsache: gemeinsames Futtern nach dem Lauf
Bericht: Christian Mohr; Fotos: Katrin Tüg-Hilbert, Jens Kruse, Christian Mohr; 29.3.2017
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