Als der Jokertrail 2014 das erste Mal stattfand war sofort klar, dass ich dabei sein wollte. Einen Traillauf direkt vor meiner Haustür konnte ich nicht auslassen. 50 Kilometer durch den Odenwald bei Heidelberg klingt erstmal harmlos. Allerdings hat der Veranstalter Michael Frenz keine Gelegenheit ausgelassen, die Sache mit knackigen Auf- und Abstiegen zu würzen – rund 2200 Höhenmeter kommen so zusammen.
Am 25 Februar stand nun die vierte Austragung auf dem Programm. Die Strecke führt aus der Heidelberger Altstadt ohne große Umschweife am Schloss vorbei auf den „Hausberg“ Königstuhl. Auf rund 2,5 Kilometer Strecke sind das schon einmal etwa 440 Höhenmeter, vor allem über die sogenannte „Himmelsleiter“ eine etwas windschiefe Treppe aus hohen Natursteinstufen. Spätestens bei der Ankunft hier oben – mit schöner Aussicht über Stadt und Rheinebene – fröstelt niemand mehr.

Joker 2B
Der Abstieg durch das „Felsenmeer“ gehört für mich zu den schönsten Streckenteilen. Der Weg führt zwischen den von der Eiszeit übereinander gewürfelten großen Blöcken aus rotem Sandstein, mit viel grünem Moos bedeckt, zügig ins Tal zurück. Kurz vor Schlierbach wendet sich die Strecke dann schon wieder bergauf. Nach dem Aufstieg zum Auerhahnkopf und einer kleinen Schleife oberhalb von Neckargemünd folgt ein wunderschöner Trail hoch über dem Neckar. Dann geht es hinunter nach Schlierbach und über die Neckarbrücke. Auf der anderen Seite wartet bei Km 15 die erste Verpflegungsstation bei einer Bäckerei. Entsprechend gibt es leckere Teilchen, „handgemachte“ Nußtaler und Laugengebäck mit Butter sowie Getränke (Wasser, Iso, Tee, Kaffee).
Frisch gestärkt können wir also den nächsten Anstieg angehen. Es geht steil hinauf und gleich wieder in den Wald. Es folgen rund 10 Km durch den schönen Odenwald, teils auf gut laufbaren Waldwegen, teils auf trailigeren Pfaden. Bei Km 25 folgt die nächste Futterstelle am Waldparkplatz „Langer Kirschbaum“. Die Station wird ein zweites Mal angelaufen, denn es folgt eine 15 Km lange Schleife, erst kurz durch den Ort Wilhelmsfeld, dann wieder im schönen Odenwald mit gelegentlichen Ausblicken. Obwohl der Tag uns mit herrlichem Sonnenschein verwöhnt, ist es hier draußen noch recht frisch. Im Schatten sind die Pfützen noch gefroren und auch der Rauhreif vom Morgen ist noch da.
Wer das milde Heidelberger Klima kennt sollte sich nicht täuschen, schon ein paar Kilometer weiter auf den Höhen des Odenwaldes ist es meist einige Grad kälter. Spätestens wenn man den „Langen Kirschbaum“ dann zum zweiten Mal anläuft, weiß man die gute Verpflegung und nette Versorgung dort zu schätzen. Mittlerweile ist man 40 Kilometer gelaufen und hat die meisten positiven Höhenmeter abgehakt.

Joker 3B
Man ist über Wiesen gelaufen und kaum sichtbaren Pfaden gefolgt. Es geht nicht selten über Wege, die aussehen als wären die jährlichen Jokertrail-Teilnehmer die einzigen, die dort je hinkommen. Der Untergrund hier ist überwiegend steinig bis sandig, kaum je glischig, trotzdem finde ich dann noch Gelegenheit bis über die Knöchel durch die Pampe zu waten. Wer braucht schon trockene Füße?
Schließlich geht es vom „Langen Kirschbaum“ über den „Weißen Stein“ (mit Funkturm und Ausflugslokal) zurück Richtung Heidelberg. Der letzte Aufstieg geht über den „Heiligenberg“ – dem Königstuhl auf der anderen Neckarseite gegenüber gelegen – wieder hinunter ins Neckartal. Natürlich nehmen wir die steile, steinige Variante zügig bergab bis wir auf den berühmten Philosophenweg treffen. Hier wird es jetzt schlagartig belebter. Nach kurzer Erholung führt die Strecke dann über den „Schlangenweg“ bis ins Tal. Wer jetzt schon den „Trailmodus“ abgeschaltet hat, hat noch Gelegenheit, sich auf Treppenstufen und knubbeligen Pflastersteinen lang zu legen. Außerdem bietet die Navigation zwischen den aufsteigenden Spaziergängern neue Herausforderungen.
Unten angekommen wartet die berühmte Heidelberger „Alte Brücke“ auf uns. Die Szenerie mit Neckar, Altstadt und Schloss und das herrliche Wetter hübschen den Anblick weiter auf. Jetzt heißt es nur noch die letzten paar hundert Meter ohne Kollision zu überstehen, denn wir sind nicht die einzigen hier. Doch das Ziel im Hostel Lotte „The Backpackers“ ist nahe. Einfach durch die Eingangstür und zur Rezeption, dort wird jeder empfangen und mit Endzeit registriert.
Wer mag, kann sich zuerst bei Kaffee und Kuchen und/oder Zielbier regenerieren oder sich gleich unter die Dusche stellen. Die von weiter her angereisten können die Übernachtung hier bei der Anmeldung gleich mitbuchen (in verschiedenen Varianten, ganz nach Wunsch). Das Ambiente ist „hostelmäßig“: einfach aber ganz gemütlich. Mich zieht es eher unter die heimische Dusche und nach einigem Schulterklopfen und Händeschütteln seile ich mich ab.
Es war ein wunderschöner Lauftag bei idealen Bedingungen. Wer im Frühjahr schon einmal ein paar Höhenmeter sammeln will oder für kommende Trails üben will, findet hier eine wirklich schöne Gelegenheit.

Text: Wolfgang Metzger, Bilder Jens Kruse

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Eigentlich wollte ich ja einen beruflichen Aufenthalt in Stuttgart nur mit einem langen Lauf kombinieren, aber daraus wurde dann ein ganz besonderer Wettkampf.

Nach unproblematischen Anreise per Bahn (selten genug ) kam ich rechtzeitig zum abendlichen Renn-Briefing in Heidelberg an. Meine Bedenken bzgl. der Anforderungen an Ausrüstung etc. wurden schnell durch Michael Frenz zerstreut.
Ich bin dann früh zurück ins Hotel, ich musste meine Ausrüstung noch ordnen. Der nächste Morgen begann mit einem für mich sehr späten Aufstehen und Frühstück, da das Hotel erst um 7.00 Uhr Frühstück anbot, der Start war um 7.30 Uhr … Wie gut, dass ich zum Start nur eine Anreise von 7 Stockwerken im Fahrstuhl und ca. 50 Meter hatte.

Joker 1B
Vor dem Start fragte ich kurz in die Runde, wer denn von LG Ultralauf ist und so konnte ich zumindest Wolfgang kennenlernen. Die ersten Kilometer liefen wir zusammen und es war hilfreich zu sehen, dass auch er als Einheimischer die Himmelsleiter (1200 Stufen auf 700 Meter mit 400 Höhenmetern) nicht schneller anging als ich. Oben angekommen konnte ich zum ersten Mal das ausspielen, was ich in Neuseeland intensiv trainiert hatte: Bergabläufe. Wieder einmal habe ich festgestellt, dass mir diese Art des Laufens besonders viel Spaß macht, vermutlich steckt hier immer noch der Orientierungsläufer in mir. Was ich nicht von der Orientierung sagen kann, denn immer wieder verpasste ich den Wechsel von Trail zu Forstweg bzw. anders herum, was mich gerade im ersten Drittel einige Minuten kostete.

Nach ca. 12 Kilometern sah ich keine anderen Läufer mehr und hatte das Gefühl, vom Hauptfeld abgehängt zu sein. Mittlerweile lösten sich die anfänglichen (Nebel-)Wolken auf und die strahlende Sonne vermittelte einen ersten vorsichtigen Eindruck vom kommenden Frühling. Die Kilometer zogen vorbei und mittlerweile verringerte sich meine Durchschnittszeit deutlich und es kam Hoffnung auf, dass ich es doch noch unter die ersten 50 schaffen könnte. Am letzten Verpflegungspunkt überraschte mich Jessica dann mit der Aussage, das bisher höchstens 20-25 Teilnehmer durchgekommen seien. So motiviert, gab ich auf den letzten 10 Kilometern noch ‚mal alles und erreichte nach 6:20 das Ziel.

Leider traf ich Wolfgang nicht mehr, obwohl er nur wenige Minuten nach mir ins Ziel gekommen sein muss. Aber der Vorteil bei einer früher Ankunft im Ziel ist nun ‚mal die noch leere und warme Dusche, die musste ich mitnehmen.

Mein Dank an Michael Frenz für die Ausrichtung dieses tollen Laufs und der perfekten Organisation – insbesondere des Wetters!

Text und Bild: Jens Kruse

Joker Benz FabianBDer Joker-Trail war natürlich ein super Vorbereitungslauf für mich für Münster. Auch wenn es härter war, als gedacht, was ich am Muskelkater die letzten beiden Tagen gemerkt habe. Die Laufbedigungen waren super, klasse Wetter, super schöne und anspruchsvolle Strecke. Ich nehme für mich vor allem aus dem Lauf mit, dass ich nach Münster zur Vorbereitung für den Zugspitzlauf mehr Training ins Bergablaufen investieren muss, weil mich da die schnelllen Läufer leider immer abgehängt haben…

Text und Bild: Fabianz Benz

Seite des Veranstalters: Link

Fabian wurde jetzt nicht von soooooo vielen, schnellen Läufern überholt, denn am Ende belegt er Rang 10, Jens folgt auf Platz 18 und Wolfgang belegte im Feld der 77 Finisher Platz 20.

Insgesamt ein tolles Ergebnis für die 3 LG Ultralauf-Mitglieder.

Fabian wird nächste Woche in Münster bei der 6h DM sein Debut über die 6h geben. Jens wird extra als Betreuer anreisen und Wolfgang zeigt sich in Berlin bei der DM über 100km bei den nationalen Titelkämpfen.

Was auch immer man vorhat: Ein 50 km Traillauf geht eigentlich immer. Die nächste Gelegenheit von Michael Frenz ist der Dragon Ultra im Siebenbegirge am 18. März. Wer die schmalen, steile Wege in dieser wunderschönen Region nicht kennt, sollte ihn einmal gelaufen sein. Am einzigen VP, etwa zur Mitte der Strecke, wird man mich finden.

Michael Irrgang, 28.2.2017

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