Nach doch insgesamt 7 Ultras in 2016 (davon zwei 100er) und einer starken Reduzierung der wöchentlichen Laufkilometer seit Mitte September habe ich beschlossen, mal wieder an einer Winterlaufserie teilzunehmen. Die Winterlaufserie im Münchner Olympiapark beginnt immer im Dezember mit dem 10km-Nikolauslauf. Im Januar folgt dann der 15-Km-Lauf und im Februar gibt es einen abschließenden 20km-Lauf. Es werden jeweils Runden von 5 km Länge gelaufen und es gibt neben den Einzelwertungen auch eine Serienwertung über alle 3 Läufe.
So habe ich jeden Monat mal den Test, wie schnell ich überhaupt noch laufen kann. Beim Nikolauslauf am 3.12.2016 war ich dann auch angenehm überrascht (51:32). Es war mal wieder richtig toll, so eine kurze Distanz zu laufen!
Ich bin mit dem Rad schnell am Start, unter einer Stunde fertig gelaufen, dann duschen und wieder heimfahren, alles mal kurz am Nachmittag. Insgesamt hat es mich auch wieder sehr motiviert, in einem Startblock zu stehen und mit einem ganzen Läuferschwarm durch den Olympiapark zu rennen. Es sollen doch 1700 Teilnehmer gewesen sein.

Winterlauf Evi 15km 640

Letzten Sonntag stand nun der 15km-Lauf an. Da habe ich mich dann doch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zum Start begeben, da es in der Nacht sehr stark geschneit hatte. Die Strecke wurde zwar geräumt, aber da es weiter schneite, blieb eine teilweise aufgeweichte unebene Schneeschicht. Bald nach dem Start in der ersten Runde war mir schon klar, dass ich hier keine Bestzeit schaffe.

Mit meinen abgelaufenen Schuhen hatte ich stellenweise ganz schön zu kämpfen. Und in Runde 2 war ich echt erstaunt, wie die ersten Läufer mit kurzen (!) Hosen an mir vorbei stürmten. Ich gab aber nicht auf, 15km gehen ja immer, dann halt nicht so schnell.
Bemerkenswert ist nämlich, dass ich seit der 100km-DM in Leipzig ich nur noch in „dortigen Runden“ denke, also 10km sind eine Runde und der Lauf am Sonntag waren eben nicht mal zwei Leipzig-Runden, also alles gar nicht schlimm. So bin ich ganz entspannt die letzte Runde zum Ziel gelaufen, diesmal in 1:23:52.

Sollten Ultraläufer Winterserien laufen?

Unbedingt! Der Winter ist ja eher Nebensaison und hier bietet sich das Training von Grundlagenkompetenzen an, zu denen man dann später im Wettkampftraining oder in der Wettkampfsaison wenig Zeit hat. Dazu gehören klassischerweise Athletik- und Tempotraining. Auch wenn die kalte Jahreszeit eher nicht so gut für die schnellen Wiederholungsläufe geeignet ist, nutzen viele Läufer diese Jahreszeit, um an „ihrer 10km-Zeit“ zu arbeiten. Je höher diese „Grundschnelligkeit“ ist, desto schneller kann man später auch die Strecken bis 100km laufen. Für einen 24h-Lauf ist das mögliche 10km-Tempo nur begrenzt wichtig, da es hier eher auf andere Kompetenzen ankommt, um im letzten Renndrittel viele Kilometer einzusammeln.

Abwechselung im Training ist grundsätzlich zu begrüßen und leistungsfördernd. Bei den Wettkämpfen einer Winterserie sollte man sich stets bemühen, die schnellstmögiche Zeit zu laufen; um jede Sekunde zu kämpfen! Bei so kurzen Wettkämpfen ist der limitierende Faktor oftmals die Kraft, die Koordination oder auch die Laktatmenge, während bei den Ultras später eher die Energie und Muskelermüdung die limitierenden Faktoren sind.

Aber diese kurzen Läufe sind eine gute Methode zum Mentaltraining. Man lernt, in den Körper hineinzuhören („Halte ich das Tempo die restlichen 3 Kilometer durch?“), sich zu motivieren und zu kämpfen und hat eine hohe Chance auf Erfolg und kann dadurch dann „mental gestärkt“ die nächsten, schwierigeren Aufgaben angehen. Nutzt man die Wochen und Monate zum Tempotraining so passiert es oftmals, dass man das Tempo sogar halten kann, also den Anfangszehner mit Ach und Krach zu Ende kämpft und Wochen später in diesem Tempo den Halbmarathon finishen kann. Zu sehen, dass das Training Wirkung zeigt, ist ebenfalls sehr motivierend und gibt Zuversicht für die anstehende Saison.

Bild und Haupttext: Evi Piehlmeier, Ergänzung: Michael Irrgang, 15.1.2017

 

 

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