18.06.2016 – das Datum ist schon lange in meinem Kalender markiert.

Zum 5. Mal wird der Mozart 100 in Salzburg gestartet. Inzwischen fühle mich schon irgendwie verbunden, denn dieser Lauf hat ganz spezielle Emotionen in mir hervorgerufen, nicht nur weil er in meiner Wahlheimatstadt Salzburg stattfindet.

Mozart Residenzplatz640

Der Residenzplatz
2013 habe ich mich nach einigen Marathonläufen das 1. Mal an eine Ultradistanz herangetraut. Der Scenic 55 war genau das Richtige dafür. Länger als Marathon, aber doch irgendwie überschaubar. 2014 wollte dann die Königsdisziplin dieses Laufes bezwingen. Leider hatte ich dann bereits davor massive Probleme mit den Beinen beim Laufen, so dass an ein Starten nicht zu denken war. 2015 war es dann aber endlich soweit. Nach ca. 70 km konnte ich dann aber nicht mehr laufen, hat aber noch genug Zeit und mentale Stärke die restliche Strecke gehend zu beenden. Am nächsten Tag konnte ich mich kaum bewegen, der ganze Körper tat weh und ich sagte mir: Nie, nie wieder! Naja, manche Versprechen an sich selbst muss man dann doch brechen!

Mozart Martin640

Der rote Teppich ins Ziel ist schon ausgerollt

Samstag Früh, 03:00 Uhr klingelt der Wecker. Es ist noch Nacht, ich bereite mich langsam vor. Am Vortag hatte ich die Startunterlagen geholt und abends schon alles für den Lauf vorbereitet. Um 04:30 Uhr verlasse ich dann das Haus und gehe zum Residenzplatz. Die Muskeln werden schon etwas aufgewärmt und an die Belastung des Tages vorbereitet. Im Start-/Ziel-Bereich deponiere ich mein Gepäck für die Zeit nach dem Lauf. Ein wenig unterhalte ich mich noch mit einem Kollegen, der in einer Staffelmannschaft als Schlussläufer unterwegs sein wird.

Mozart Start640

Dann geht’s auch schon bald los, wir werden in den Startblock gebeten. 05:00 Uhr. Pünktlich wird das Rennen gestartet, heute ist es trocken und noch angenehm kühl. Ich muss mich sehr zusammenreissen, nicht gleich zu schnell loszulaufen, mein Blick geht immer wieder zur Pulsuhr, nicht mit den schnellen Läufern mitnehmen lassen! Den Verlauf der Glasenbachklamm kenne ich inzwischen gut, hier habe inzwischen öfters einige Trainingseinheiten absolviert. Am Ende der Glasenbachklamm diesmal erst bei der 2. Abzweigung abbiegen und dann weiter Richtung Ebenau. Der Nebel steigt noch aus den Feldern, die Bauern sind aber auch schon aktiv, die Kühe scheinen noch müde zu sein. In Ebenau dann links weg Richtung Plötz-Wasserfall und Mühlenwanderweg. Diese Strecke hatte ich mir letzten Samstag angeschaut, darum weiß ich was auf mich zukommt. Kein Asphalt, dafür schöne Trailteile und Möglichkeiten, es abwärts laufen zu lassen. Ich fühle mich richtig wohl und kann gar nicht genug bekommen. Nach dem Wasserfall geht es noch etwas bergan und bald kommen wir auf die alt bekannte Strecke bei Schroffenau. Nach Querung der Wiestalstraße heißt uns das Schild „The Climb“ Willkommen. Ein steiler Anstieg im Wald auf gatschigem Untergrund (die letzten Wochen hatte es viel geregnet!) will bezwungen werden. Nach dem Wald kommt dann ein kurzes Stück auf einem ebenfalls gatschigen Wiesenweg, der dann auf eine Asphaltstraße mündet. Im Wechsel mit kurzen aufgeweichten Wald- und Wiesenwegen erfolgt der Abstieg zum Fuschlsee. Bei 1. Runde bleibt der Fuschlsee noch rechts liegen, der erste Rückweg nach Salzburg beginnt. Wenig Schotter und viel Asphalt sind der Untergrund für die Füße nach Hof. Auch die Strecke nach Elsenwang wird auf der Straße geführt. Hinter Elsenwang geht es dann wieder ins Gelände, ein Stück entlang des Salzburgrings, weiter auf der Straße nach Koppl. Wieder in den Wald bis Guggenthal. Dieses Jahr geht’s jetzt abwärts, die Wolfgangseestraße wird unterquert und gegenüber ein Stück aufwärts zum Heuberg. Entlang des Heubergs führt die Straße abwärts in die Stadt Salzburg. Aber so schnell ist der Residenzplatz noch nicht erreicht. Die Hauptverkehrsstraßen werden bedarfsweise gesperrt (auch die anderen Etappen des Mozart100 führen durch die Stadt) und schon steht der Kapuzinerberg zum Erklimmen bereit. Über unzählige Stufen geht es bergauf bis zum Franziskischlössl, dann auf der Straße wieder abwärts. Die Salzach überqueren, ein kurzes Stück Getreidegasse und am Residenzplatz ist die erste Runde zu Ende. Aber noch nicht ganz die Hälfte des Laufes. Die 2. Runde verläuft im Prinzip gleich wie die erste Runde, nur dass noch der Fuschlsee umlaufen werden darf. Hier kam letzte Jahr mein Einbruch und die Gedanken daran konnte ich nicht verdrängen! Aber dieses Jahr bin ich besser vorbereitet. Seit Jahresbeginn professionelles Krafttraining, Testläufe (darunter der Ultratrail Schwarzach) erfolgreich gefinisht, doch schon ein paar Kilometer und Höhenmeter gelaufen. Es kommt kein Hammer! Die Beine werden zwar langsam schwerer, aber ich kann immer noch laufen! Mühsam wird es zwischen Kilometer 87 und 94, danach muss ich schon richtig kämpfen und alle Kräfte mobilisieren um weiterlaufen zukönnen. Doch zurück in der Stadt kommen plötzlich von links die Cityläufer mit auf die Strecke. Das gibt nochmals einen richtigen Motivationsschub. Bis zum Kapuzinerberg werden einige Käufer von mir überholt und auch den Kapuzinerberg aufwärts überhole ich noch. Die Straße abwärts zur Stadt macht mir aber jetzt Probleme, ich laufe auf der Seite, meistens hat es etwas Platz neben der Straße zum Laufen. Mit letzter Kraft, aber hoch motiviert laufe ich die letzten Meter bis zum Residenzplatz. Die Zuschauer erkennen auf Grund des Nummernschildes, dass ich ein 100-km-Läufer bin und tragen mich mit ihrer Anfeuerung über die Ziellinie. Ich kann es immer noch nicht fassen, dass ich dieses Mal so gut und in so einer Zeit die Strecke gerockt habe.
Mozart Ziel640Das Unglaubliche ist die dann die Siegerehrung ab 19:30 Uhr. Hier werden alle Register gezogen um eine Superstimmung noch mehr aufzuheizen. Und dann haut es mich fast um! Als 2. in der Alterklasse AK-M III werde ich genannt. Auf der Siegertreppe wellen mir die Emotionen der Zuschauer entgegen, es ist unfassbar!
Zum Schluss noch ein paar Zahlen: Offizielle 103,2 km und 2.945 HM. Mindestens 10 Liter Flüssigkeit getrunken, mindestens 15 Packungen Gel geschluckt, 6 Salzkapseln eingeworfen. Auf Grund der Aufnahme des Mozart 100 in die ITRA wurden die Labestationen reduziert, waren aber ausreichend ausgestattet und wurden von sehr freundlichen und helfenden Betreuern versorgt.
Zielzeit: 12:48:49,9. Damit 25. Platz von 132 Startern insgesamt und 2. von 31 in der AK-M III.

 

Text und Bilder: Martin Kurz, 19.6.2016

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