Gleich vorweg, das war der härteste Lauf, an dem ich je teilgenommen habe.
Wegen meiner krankheitsbedingten Trainingspause in den sechs Wochen vor dem Start (erst eine Grippe und dann eine zunächst nicht erkannte Medikamentenunverträglichkeit), war meine Teilnahme bis kurz vor dem Abflug ungewiss. Da aber nichts mehr stornierbar war habe ich mich dann mit Frank auf den Weg nach Peru gemacht um zu sehen, was so geht!

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Ausgangspunkt war Cusco die Hauptstadt des Inkareiches die mit 3500m ü.N.N. erst einmal das Thema der Höhenanpassung mit sich brachte.
Nach einer ca. sechs stündigen Fahrt in mehreren Kleinbussen erreichten wir dann unser erstes Camp über den Wolken am Übergang der Anden zum Amazonasgebiet. Die Lage des Camps war spektakulär. Es folgten das Briefing und der Ausrüstungscheck.
Die gesamte Ausrüstung für die Woche inkl. Dschungel-Hängematte und Essen musste selbst getragen werden. Zuzüglich der Pflichtmenge von 2,5l Wasser ab jedem VP hatte ich 12,5 kg zu schleppen.

 

Etappe 1 (Cloud 9), ca. 38km
Nach dem Start am Sonntag ging es zunächst über extrem steile Trails 1000 m hinunter zum ersten VP.
Unglücklicherweise ist Frank auf diesem ersten Stück mit einem Fuß an einer Wurzel hängen geblieben. Die Sprunggelenksverletzung, die er sich hier zuzog, machte die weitere Teilnahme am Lauf für ihn leider unmöglich.

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Vom VP 1 ging es dann zunächst genau so steil 300 hm hinauf zu einer schmalen Bergpiste. Diese ging es dann die nächsten 30 km vorbei an Wasserfällen und durch Tunnel mit spektakulären Ausblicken hinunter ins Amazonasbecken. Ein 30 km Downhill über eine harte Piste, der sehr auf die Muskeln ging. Die 12,5 kg Gepäck machten es nicht einfacher. Bei leichtem Regen erreichte ich dann das zweite Camp. Ab hier wurde nun in Hängematten übernachtet. Die Nacht brachte dann sehr viel Regen, was für die nächsten Etappen nicht viel Gutes verhieß.

 

Etappe 2 (Amazonia), 35 km
Nach einem Stück auf einem Schotterweg ging es dann in einem kleinen Dorf links ab, hinein in den Dschungel. Sofort waren wir von der dichten Vegetation umgeben. Was folgte, war eine 12 km lange Strecke von Schlamm, Hitze und Feuchtigkeit. Ein erster Ausblick auf das, was noch kommen sollte.
Permanent ging es Hügel hinauf und hinab. In den Talsohlen galt es dann meist Bäche oder schmale Flüsse oder Schammrinnen zu durchqueren. Die Schuhe und Füße waren wie der restliche Körper permanent nass. Besonders das Schleppen der Ausrüstung machte mir zunehmend zu schaffen.
Wegen des vielen Regens in der vorherigen Nacht waren die Pfade schlammig und extrem rutschig. Da es permanent auf und ab ging, war es eine einzige Rutschpartie mit entsprechend vielen Stürzen. Und mit 56 Jahren fällt man leider auch nicht mehr so einfach wie in jungen Jahren. Das und die extreme Anstrengung brachten mich teilweise wirklich zur Verzweiflung. Einen Vorteil hatten die vielen Flüsse und Bachläufe dann doch noch. Hier konnte man sich mal den Schlamm und Dreck vom Körper und vor allem aus den Schuhe spülen. Auch die Abkühlung war natürlich eine Wonne!
Nach ca. 35 km und mehr als sechseinhalb Stunden erreichte ich das Camp.

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Jetzt hieß es erst mal die Hängematte mit der Regenplane aufzuhängen, denn es sah nach weiterem Regen aus. Und dann ist die Plane der einzige Schutz. Anschließend ging ich mich in Fluss waschen und ließ vor allem meine Beine von dem kalten Wasser kühlen. Meine Fußsohlen waren vollkommen aufgeweicht, jedoch war erstaunlicherweise noch keine Blase zu sehen. Nur einige Druckstellen, die ich mir tapen ließ.
Abends um halb sieben waren schon alle in den Hängematten verschwunden.
Um diese Uhrzeit ist es im Regenwald auch schon stockdunkel.

 

Etappe 3 (Logging), ca. 40km
Zunächst ging es 5 km über einen sehr unebenen, steinigen Weg, bis an einen breiten, reißenden Fluss. Über diesen war ein Drahtseil gespannt. Mit einer Seilwinde wurden immer drei Läufer zusammen übergesetzt.
Dann tauchten wir in die Hölle ein! Es war mittlerweile fürchterlich heiß und schwül geworden. Mein schwerer Rucksack trieb mich jetzt schon zur Verzweiflung. Es folgte über viele Kilometer eine Fortsetzung von gestern, hautaufweichende Feuchtigkeit, Schlamm und glitschige Hügel.
Aber gleichzeitig auch immer wieder dieses nicht wirklich beschreibbare Feeling, „Ich bin hier mitten im Amazonasgebiet und schlage mich durch!
Unglaublich! „. Das puschte mich immer wieder.
Am ersten VP lag einer der Spitzenläufer mit Kreislaufzusammenbruch.
Er sollte abtransportiert werden, was heißt, dass er fast 10 km aus dem Dschungel getragen werden musste (dnf).
Das machte nicht gerade Mut.
Weiter ging es dann über schmale Wege mit tiefen schlammigen Furchen, die beim Abtransport von Holz entstanden waren. Unheimlich schwer zu laufen. Einmal versuchte ich an den Waldrand auszuweichen. Als ich dabei an den Sträuchern entlangkam, war ich sofort mit hunderten von Ameisen bedeckt. Einige der Bisse jucken jetzt noch.

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An einem weiteren, breiten, reißenden Fluss warteten Einheimische mit einem Schlauchboot , um die Läufer sicher auf die andere Seite zu bringen.
(endlich mussten sich mal andere anstrengen und man hatte eine kurze Verschnaufpause). Weiter ging es dann auf den schlammigen Wegen bzw. auf Dschungelpfaden. Teilweise führte der Weg auch längs durch Flüsse und Bäche. Ab dem VP 3 ging es dann über einen Schotterweg 10 km kontinuierlich bergauf bis das Tagesziel in einem traumhaften Tal in Sicht kam. Ein winzig kleines Dorf. Leider regnete es schon wieder.
Unten angekommen folgte die übliche Prozedur mit Hängematte aufbauen, waschen und essen. Bei den Medizinern war heute Hochbetrieb. Ich brauchte, oh Wunder, nur zwei kleine Blasen versorgen lassen. Über die Zehennägel gibt es nur massives „Runnersblue“ zu berichten. Die vielen unkontrollierten downhills fordern ihren Tribut.

 

Noch bei keinem Lauf habe ich meine Leistungsgrenzen so oft erreicht und teilweise weit überschritten, wie an diesem Tag. Mein Trainingsdefizit machte sich voll bemerkbar. Bei mir verfestigte sich der Gedanke an den von Anfang an eingeplanten Rennabbruch, zumal der weitere Lauf nicht einfacher würde. Aber natürlich galt die Devise: „eine Nacht drüber schlafen“. Es war wieder eine Nacht mit viel Regen, der sich bis in den kommenden Nachmittag fortsetzen sollte.
Entscheidung zum vorzeitigen Beenden des Rennens
Die Nacht habe ich natürlich viel gegrübelt und mir die Entscheidung wirklich nicht einfach gemacht. Aber die Vernunft muss siegen. Mit dem Trainingsrückstand den ich hatte war der Lauf für mich, realistisch betrachtet, nicht erfolgreich zu beenden. Aber das hatte ich ja auch beim Start einkalkuliert.
Ich habe den Lauf deshalb noch der dritten Etappe und ca. 115km beendet.
Auch im Nachgang bereue ich diese Entscheidung nicht.
Es war ein unbeschreibliches Erlebnis und ein echtes Abenteuer hier teilgenommen zu haben. Das Amazonasgebiet so zu erleben und zu erfahren ist einfach unglaublich.
Das Rennen ist super organisiert und die Strecke, wenn auch extrem, ist perfekt markiert, so dass ein Verlaufen fast nicht möglich ist

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Text und einige Bilder von Dietmar Rosenau, 13.6.2016

Die übrigen Bilder stammen vom Veranstalter Beyond The Ultimate (Link zur Homepage) mit freundlicher Erlaubnis, sie zu verwenden. Er schreibt zu seiner Serie von Mehrtagesläufen (Zitat von der Hompage):

 

The four races that make up the Beyond the Ultimate series are the Jungle Ultra in Peru, the Mountain Ultra in Nepal, the Desert Ultra in Namibia and the Ice Ultra in Arctic Sweden. Whether you are in it to win or finish, these footraces will test you in ways you never thought possible, expect the unexpected.

The Jungle, one of the harshest environments on earth, near 40°C and humidity levels near 100% will push your spirit to the limit and beyond.

The Desert, baking sun that seems to hang in the afternoon sky for eternity, almost mocking your short staggered steps as you try and complete your 250k race.

The Mountains, your lungs will feel like they’re going to explode every step of the way, every step of the 38,000ft of vert will try and tease you in to submission.

The Arctic, last but by no means least, and place where very few of us go, with a cold so raw and real, it will burn your skin and freeze your eyes, finishing this one is a matter of survival and a test of will.

The Hall of Fame – for the crazy few. The small matter of finishing all 4 races in the series within a 12 month period is the order of the day. Or maybe the Ultimate Club is for you? Finish all 4 races and you’re in!

The Beyond the Ultimate Ultras aren’t just a series of races, they are a set of 4, amazing, life changing adventures!

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