Am kommenden Wochenende ist es soweit: Die zweite Deutsche Meisterschaft steht an! Knapp 250 Teilnehmer stehen auf der Startliste des 6-Stundenlaufes in Nürnberg; ein in der Breite und Spitze noch nie dagewesenes Starterfeld wird um Titel und Rekorde laufen. 2012 wurde diese Disziplin erstmalig in Troisdorf als Meisterschaft ausgetragen. 128 Männer und 40 Frauen standen damals am Ende des Tages in der Wertung, darunter die Sieger Tanja Hooß mit 73,642 km und Achim Zimmermann mit 83,520 km. Die nächste Meisterschaft folgte 2014 in Weißenstadt. Im teilnehmerschwachen Feld von nur 56 Männer und 11 Frauen, ragten die Siegerleistungen von Pamela Veith (75,354 km) und Florian Böhme (80,724 km) heraus. 

Otterndorf Sieger

Im Oktober vergangenen Jahres fand in Otterndorf die dritte DUV-Meisterschaft im 6h-Lauf statt. Eine erstklassige Organisation und schönes Wetter boten den Nährboden für gute Stimmung mit herausragenden Leistungen. Am Ende hatten Pamela Veith mit 72,788km und Adam Zahoran mit 85,606km die meisten Kilometer gesammelt. Das Bild entstand bei der Siegerehrung.

Beide treten in Nürnberg an, ihre Titel zu verteidigen, aber das wird wohl in beiden Fällen sehr schwer werden, selbst wenn die beiden mit ihren Leistungen aus Weißenstadt und Otterndorf die Bestleistungen anführen, denn das Feld ist nicht nur zahlenmäßig einmalig stark besetzt. Matthias Dippacher ist mit ebenfalls über 85 erzielten Kilometern bei seiner dritten Teilnahme in Nürnberg 2013 der zweite der Bestenliste vor Günter Marhold, Volker Greis, Kai Jendretzke und Christian Jakob, die alle innerhalb der letzten zwei Jahre eine Leistung mit über 80 km in der Statistik stehen haben. Bei den Frauen ragen neben Pamela Simone Stöppler, Barbara Mallmann und Patricia Rolle mit ihren Vorleistungen heraus. Aber all die eben genannten sind nicht unbedingt die Top-Favoriten, denn seit einiger Zeit zeichnet sich insofern ein Generationswechsel ab, als das junge, hochtalentierte Läuferinnen und Läufer sich bei den 50km-Läufen und den Ultramarathonmeisterschaften zeigen. Gleichzeitig scheint sich in Nürnberg eine Situation zu ergeben, die vor Jahren undenkbar war: dass sich die Deutsche 100km-Männer-Elite bei einem 6h-Lauf trifft. Ist es für die Frauen ein guter Testwettkampf für den Sprung von 50km auf die 100km, so haben die Männer, die unter 7 Stunden laufen, oftmals eine Durchgangsleistung von 88 bis 90 Kilometer nach 6 Stunden und sind bei wenigen Wettkämpfen dieser Größenordnung im Jahr gut beraten, gleich die kompletten 100 km zu laufen. Aber dieses Jahr ist alles ein wenig anders. Für junge Läufer, die erfolgreich den Sprung vom Marathon auf 50km geschafft haben und planen, im August in Leipzig erstmalig die 100km zu laufen, ist dieser Termin ein recht guter Test zur Formbestimmung. Insbesondere die schwierige Phase von Kilometer 65 bis 70 gilt es einmal unter Wettkampfbedingungen zu überwinden. Diese Erfahrung kann sehr wertvoll sein für ein erfolgreiches 100km-Debut. Daher überrascht es nicht, die 50km-Experten Niels Bubel, Gerrit Wegener und Samalya Schäfer von Die Laufpartner in der Startliste zu sehen. Auch Dominik Pick und Christoph Lux haben dieses Jahr schon hervorragende 50 km Zeiten stehen. Schaut man sich die 100km-Leistungen an, so erfreut es sicher alle Interessierten, dass der aktuelle Deutsche Meister über 100km Carsten Stegner teilnimmt, dessen Bestleistung vom letzten Jahr über 100km nur ein wenig schlechter als die von Adam aus dem Jahr 2014 ist! Und wie man so hört, hat er sich gut vorbereitet und einiges vorgenommen. Aus dieser 100km-Perspektive kommen mindestens noch Dirk Kiwus und Benjamin Brade, beide von der Berliner LG Nord sowie Sebastiaan Francke (Die Laufpartner) zum erweiterten Favoritenkreis hinzu.

Und außerdem gibt es noch die Leute, die bei der DUV-Listensuche aus welchen Gründen auch immer nicht gefunden wurden und solche, die bisher wenig auf den Standardstrecken in Erscheinung getreten sind. 

Eine Prognose ist natürlich sehr schwierig, aber Niels Bubel hat vor einiger Zeit auf Facebook seinen Nicht-Start verkündet, somit fällt mein Top-Tip leider weg. Da ich die 100km-Erfahrung sehr hoch einschätze, sehe ich Adam und Carsten auf den ersten beiden Plätzen mit Leistungen um die 85 Kilometern. Diese Leistung traue ich auch Gerrit, Dominik und Benjamin zu. Die anderen oben genannten sehe ich alle oberhalb von 80 Kilometern, was bedeuten würde, dass es das stärkste Rennen geben könnte, was jemals stattgefunden hat.

Bei den Frauen ist die Situation ähnlich schwierig einzuschätzen. Hier sind die oben genannten Frauen mit den besten 6h-Lauf-Leistungen auch diejenigen, mit den besten 100km-Ergebnissen. Hinzu kommen noch Sarah Perkins, die aus dem Jahre 2014 eine Bestzeit von 8:25h über 100km stehen hat, und Rebecca Walter, die letztes Jahr über 100km die WM-Norm lief. Erst vier Ultras gelaufen, alle über die 50km-Distanz, dabei dreimalige Deutsche Meisterin und WM-Teilnehmerin – das ist die Bilanz von Nele Alder-Baerens, die für Ultra Sport Culb Marburg startet. Mit einer fantastischen Zeit von 3:20h, die sie vor vier Wochen in Berlin gelaufen ist, muss sie als Favoritin mit einem Potential von über 80km eingeschätzt werden. Möglicherweise hat sie sich aber noch gar nicht erholt, läuft sie ein taktisches Rennen oder fehlt ihr am Ende doch ein wenig das Stehvermögen? Ebenfalls mit einer sehr guten 50km-Zeit aus Berlin reist Evelyn Franke nach Nürnberg.

Meine Prognose ist, dass Nele eher taktisch läuft und es in der letzten Stunde zu einem packenden Finish zwischen ihr und Pamela kommt mit einer Leistung von beiden um die 75 Kilometern. Patricia, Sarah, Rebecca liegen wahrscheinlich nur knapp dahinter. Simone und Evelyn traue ich Leistungen von über 72 km zu. Insgesamt wird es also auch bei den Frauen ein sehr dichtes Rennen in der Spitze geben mit hervorragenden Leistungen.

Vermutlich werden auch einige Altersklassenrekorde wackeln, zumindest sind beispielsweise mit Karl Graf, Norbert Hoffmann und Ursula Dinges sehr erfolgreiche Läuferinnen und Läufer am Start.

Die 243 Teilnehmer der aktuellen Startliste verteilen sich recht interessant auf die einzelnen Klassen. 54 Läufer sind in der M50 gemeldet, 40 in der M45, 21 in der M55, aber auch in der MHK gibt es erfreuliche 15 Starter. Während 57% der 192 Männer in der Klassen 50+ gemeldet sind, sind es bei den Frauen nur 43% von 51 Läuferinnen, die in den Klassen W50+ starten. Dabei sind die Klasse W50 mit 10 Starterinnen vor W55 mit 6 Starterinnen die größten Altersgruppen.

Schaut man sich die Mannschaften an, so stehen von der Anzahl her die LG DUV und die LG Nord Berlin mit über 20 Startern deutlich vor den Mauerwegläufern aus Berlin und der LSG Weiher und vielen anderen Teams. Insgesamt setzt sich der erfreuliche Trend zur Mannschaftsbildung fort, insgesamt gibt es 8 Teams mit mehr als zwei möglichen Mannschaften. Hier liegt die LG DUV mit maximal 13 Mannschaften, davon 5 Männermannschaften 50+ vor der LG Nord mit 9 Mannschaften. Aktuell kann es 25 Männermannschaften, 12 Männer 50+, 4 Frauenmannschaften und 1 Frauen 50+ geben. Bei den Frauen hat LG Nord max. 3 Mannschaften in der Wertung, die LG DUV eine. Bei den Frauen ist eine Prognose einfach, hier stellt sich eher die Frage, ob die Frauen der LG DUV stärker als LG Nord 2 oder LG Nord 3 sind. Bei den Männern scheinen ebenfalls die starken Läufer der LG Nord favorisiert zu sein. Möglicherweise kommen auch zwei Mannschaften dieses Teams auf das Podest. Paroli könnte von Die Laufpartner geboten werden, wenn sie denn eine Mannschaft in die Wertung bekommen. 8 Teams haben eine Männer 50+-Mannschaft in der Wertung. Hier ist die Reihenfolge m.E. sehr offen – auch die Mauerwegläufer, Weiher, Schwindegg, Icehouse haben hier Podestchancen.

Bezüglich der Bundesligaauswertung, in der ja die Mannschaften sehr hoch und Männer- und Frauenmannschaften gleich bewertet werden, ist die LG Nord der sichere Anwärter zur „Mannschaft des Tages“. Die LG DUV könnte aufgrund der vielen Mannschaften auf den zweiten Platz kommen, allerdings waren sie zuletzt die einzige „Top-Mannschaft“ ohne einen einzigen Altersklassenpunkt.

Die LG DUV hat vermutlich wie viele andere Vereine auch, kurzfristige Ausfälle zu beklagen, durch Erkältungen/Grippe/Verletzungen, auch durch die Frühblüher-Allergien werden kurzfristig vielleicht einige Läuer ausfallen oder stark behindert werden. Das macht eine Vorhersage immer sehr unsicher.

Nach der Laufveranstaltung wird die LG DUV ihre diesjährige Mitgliederversammlung durchführen. Es wird eine richtungsweisende Veranstaltung werden, da hier eine umfangreiche Satzungsänderung besprochen wie beschlossen wird, unter anderem wird ein neuer Vereinsname gesucht sowie das Präsidium umgestellt und neu gewählt. 

50k 03 Gruppenfoto

In Berlin, wo dieses Foto entstand, waren die Läufer und Betreuer bereits ein großes Team; in Nürnberg werden wir voraussichtlich doppelt so viele sein! Nicht nur aufgrund der Mitgliederversammlung stellt diese Meisterschaft die LG DUV vor eine neue Dimension der Logistik. Etwa 25 Läufer werden in drei Teams aufgeteilt und von etwa 10 Betreuern während der Veranstaltung bestmöglich unterstützt.

Das Wetter soll schön werden und alle Vorzeichen deuten an, dass es ein wunderschönes Wochenende wird.

 

Man sieht sich!

Bericht und Fotos von Michael Irrgang, 30.3.2016

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