Auf Grund der kurzen Anreise und der flachen Strecke bot sich Brugg (19.9.2015) als nächster Schritt in meiner Aufbauphase nach meiner Ultralauf-Pause an.
Bereits bei der Einfahrt auf das Gelände wurden meine Freundin Heike und ich freundlich von einem Helfer empfangen und wir konnten das Auto sowie unseren Pavillon direkt an der Laufstrecke positionieren. Unser Verpflegungsstand war dadurch schnell aufgebaut und eingerichtet.
 
Nach der verspäteten Startnummernausgabe ging es pünktlich um 12 Uhr mit dem 24 Stundenlauf los. Das Starterfeld war sehr übersichtlich, aber, wie sich später herausstellte, gut besetzt. Bei einem 24 Stundenlauf konzentriere ich mich nur auf meinen Körper und meinen Puls. Dennoch entging mir nicht das sehr hohe Tempo vieler Läufer, da ich ständig überholt wurde, obwohl meine Rundenzeiten anfangs bei ca. 5:37min für die 935m lange Strecke lagen. An der Spitze wurden Rundenzeiten unter 5 Minuten gelaufen.
Die ersten Kilometer versuchte ich mein Tempo zu finden, danach einfach laufen lassen. Nach ca. 4 Stunden lag ich auf dem 7. Platz, vor mir lagen Roldano Marzorati (ITA), Maic Seegel (GER), Chris Dhooge (BEL), Jörg Destefani (SUI), Silver Eenaar (EST) und mit zwei Runden Vorsprung an der Spitze Marcel Knaus.
 
Die 100km-Marke knackte ich nach ca. 10h22min und durfte als 6. Läufer die „100km-Fahne“ über den Rundkurs tragen, da ich Roldano überholen konnte – alles lief nach Plan. Silver hatte die Führung übernommen, Marcel hatte bereits seit längerem Probleme und fiel langsam zurück. Dahinter folgten Jörg, Maic und Chris.
 
In der Nacht wurde die Strecke gut und blendfrei ausgeleuchtet. An den Streckenabschnitte ohne Straßenleuchten, wurden direkt am Streckenrand Arbeitsleuchten hinter einem Brett angebracht. Dadurch wurde die Strecke ausgeleuchtet und die Läufer nicht geblendet. Alle Läufer konnten ohne eigene Leuchte laufen. Um 24Uhr stießen die 12 Stundenläufer dazu und ich dachte: „Jetzt wirst du ständig überholt!“ Dies traf aber nicht zu. Es war nach kurzer Zeit umgekehrt!
 
Nach ca. 13 h bekam ich leichte Magenprobleme, durch die Unterstützung von Heike hatte ich dies aber ohne größere Ausfallzeiten schnell im Griff.
Die 100 Meilen-Fahne trug ich bereits als 5. Läufer nach ca. 17h26min über die Strecke, allerdings aufgrund der oben genannten Problem nicht mehr ganz im Soll. Das Durchlaufen der Runde mit der Fahne gab neuen Schwung, denn die Betreuer, Zuschauer, Helfer und Läufer applaudierten und motivierten.
 
Eine neue Bestweite war für mich nicht mehr erreichbar, egal. Ich wollte wenigstens 200km laufen und dann mal sehen wie es vor und hinter mir aussieht.

Um 6 Uhr Morgens kam der Start der 6 Stundenläufer und wieder war etwas mehr auf der Strecke los und die gefühlte lange Nacht war vorbei.
Nach 200km lag ich auf Platz 4 und hatte nach vorne und nach hinten einen respektablen Abstand.
Auch für das Erreichen der 200km-Marke bekam ich wieder eine Fahne mit auf die Runde. Ich finde eine tolle Sache. Es ist sowohl für die Läufer sehr aufbauend, zusätzlichen Applaus und Zuspruch zu bekommen und auch für die Zuschauer, Helfer und Betreuter interessant, da diese einen Überblick über die erbrachten Leistungen erhalten.
An der Spitze lag immer noch Silver, gefolgt vom Maic, dahinter Jörg der leichte Probleme hatte. Für mich machte Maic zu diesem Zeitpunkt den besten Eindruck: er lief wie am Anfang sein Tempo und sah völlig locker und entspannt aus.
Hinter mir lag Peter Wagner, der ein ähnliches Tempo wie ich lief, somit musste ich mein Tempo halten, konnte keine Laufpausen einlegen. 

Kurz vor 10 Uhr gab es den erwarteten Führungswechsel, Maic zog unter Anfeuerungsrufen des Stadionsprechers, der Zuschauer und Betreuer an Silver vorbei. Die beiden klatschten sich ab und tauschten noch ein paar Worte. Jörg auf Platz 3 konnte zu diesem Zeitpunkt nur noch gehen. Er hatte 15 Runden Vorsprung und solange er auf der Strecke blieb, konnte ich dies nicht mehr aufholen.
 
Am Ende siegte Maic Seegel – den ich seit dem 24 Stundenlauf 2011 in Basel kenne – durch ein über 24 Stunden gleichbleibendes Tempo überragend mit 238,300 km und liegt damit auf Platz 3 in der deutschen Jahresbestenliste! Toller Lauf Maic! Dahinter Silver Eensaar mit 232,433 km und der neue Schweizer-Meister im 24 Stundenlauf Jörg Destefani mit 220,022 km. Ich belegte mit 216,368 km Platz 4 und konnte nach zwei „schlechteren“ Leistungen in Reichenbach (2011, 2015) wieder einen 24 Stundenlauf durchlaufen und die 200 km-Marke schaffen. Darauf lässt sich aufbauen und das Ergebnis gibt mir Antrieb den nächsten Schritt – hin zur Kadernorm im 24 Stundenlauf – zu gehen.
 
Mit der Unterstützung von meiner Freundin Heike werde ich dieses Ziel für den nächsten 24 Stundenlauf anstreben; dies wird vermutlich 2016 in Basel sein. Heike wurde von Thomas Vetterli zur „Göttin aller Ultraläufer“ gekrönt, da kann ich mich nur anschließen. Dank ihrer Unterstützung kommt man einfach leichter und mit einem Lächeln durch den Lauf.
 
Der 24 Stundenlauf in Brugg war eine schöne Veranstaltung. Es war für uns Läufer alles parat, die Helfer immer zur Stelle, sowohl mit Essen und Trinken, als auch mit aufmunternden Worten und Zuspruch. Schön ist es, wenn beim nächsten Mal ein paar Läufer mehr auf der Strecke unterwegs sind.
Mit sportlichem Gruß
Oliver Ruf
 
Fotos von Viola Stras (2), Heike Nordick (2) und Oliver Ruf (1)
 
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