Bericht zum Trainingslager in Laubach
Text: Michael Irrgang
Bilder: Michael Irrgang, Oliver Ruf, Harald Hüttmann, Stefan Weil

Das dritte Trainingslager der DUV fand im nordhessischen Laubach statt, einem kleinen Ort am Fuße des Nationalparks Hoher Vogelsberg. Es gab eine Rekordbeteiligung von insgesamt 27 Personen! Ich musste leider sogar Interessierten absagen, so groß war das Interesse an den Themen „Tempotrainung für Ultraläufer“ und „Mehrtageslauf“. Logisch, wer will denn nicht ein wenig schneller werden oder Tipps von René Strosny erhalten!

Extra aus der Schweiz reiste Topläuferin Gabriele Werthmüller mit ihrem Lebensgefährten Kees Stroo an. Den Biathlonwettbewerb beobachteten sie von einem bequemen, sonnigen Plätzchen aus.

Die Agenda war vollgepackt mit interessanten Vorträgen, Übungen und Laufeinheiten. Bereits am Donnerstagabend begann die Einführung in das Thema. Wir diskutierten zur Einstimmung die Gründe, die sowohl für als auch gegen ein Tempotraining sprechen sowie Möglichkeiten der Risikovermeidung. „Spät- und Quereinsteigern und Immer-Langsam-Läufern fehlen nicht nur die notwendige Koordination und Beweglichkeit, sondern auch schlicht die notwendige Muskulatur für diese etwas ungewohnten Bewegungsabläufe des ‚schnellen Laufens‘ “, so eine meiner Aussagen. Vorsicht und ein kontrollierter Aufbau sind angesagt! Um die typischen zu Verletzungen und Frust führenden Fehler zu vermeiden, sollten an diesem Wochenende viel Wissen vermittelt und Übungen gezeigt werden.

Am Freitagmorgen stand zunächst ein Conconitest an, der hervorragend geeignet ist, den Leistungsstand eines Läufers zu ermitteln und die Ergebnisse mit denen früherer Messungen zu vergleichen, um Fortschritte sichtbar machen zu können.

Beim Einlaufen war die Gruppe noch sehr entspannt! In der ersten Reihe laufen Oliver Ruf, Iris Eschelbach, Heike Bergmann, Olaf Hülsmann, Willfried Röthlingshöfer und Frank Müller-Seidelmann.
Nach dem Einlaufen gab es kurze Steigerungsläufe sowie einige, wichtige Übungen des umfangreichen Lauf-Abcs.

Bei einem Conconitest muss die Gruppe 200m im konstanten Tempo laufen, dann schlagartig ein bisschen beschleunigen, dann im konstanten Tempo weiterlaufen, beschleunigen, weiterlaufen usw. Jeder bleibt in der Kette, bis er sein Limit erreicht hat. Die DUV-Fördergruppenmitglieder Mario Reichelt und Oliver Ruf folgen dem Vorläufer René; übrigens zufällig die Reihenfolge der letztjährigen DUV-24-Stunden-Meisterschaft! Alle drei können nicht nur lang, sondern auch erstaunlich schnell laufen!

Physiotherapeut Jürgen Stattmüller erläuterte nicht nur die Notwendigkeit einer stabilen Körperachse, ausgewogener Muskelgruppen und Beweglichkeit, sondern zeigte auch die dazu erforderlichen Kräftigungs- und Dehnübungen. „Lieber ein leichteres Band und mehr Wiederholungen“, war ein wichtiges Detail seiner Ausführungen zum Training mit dem Theraband, um nicht Maximalkraft, sondern Kraftausdauer zu trainieren. Alle machten die Übungen engagiert nach, z.B. links Harald Hüttmann, in der Mitte Klaus Schmittner und rechts Anke Libuda.

Nachmittags ging es dann noch einmal auf die Laufbahn, wo intensive Intervalle gelaufen wurden. Bei der Gestaltung dieses Programmpunktes ging es mir nicht um die Durchführung einer intensiven Trainingseinheit, sondern um das Vorstellen der speziellen Trainingselemente. Intensive und extensive Intervalle sowie Minutenläufe sind nun für die Teilnehmer keine leeren Begriffe mehr, allerdings ist die Planung und Kontrolle des Tempos keine leichte Aufgabe. 

Abends erläuterte DUV-Präsidiumsmitglied und Chef-Statistiker Jürgen Schoch die Organisation der DUV, bevor er von einem seiner selbstorganisierten Läufe nach Venedig berichtete. In Michael Beckmann, Torsten Riemer, Frank Müller-Seidemann, Willfried Röthlingshöfer, Dietmar Branner und Monika Schmittner fand er aufmerksame Zuhörer.

Angie beim Zieleinlauf des sonntäglichen Sommerbiathlonwettbewerbes.

Zum Tagesabschluss stellte uns Angela „Angie“ Ngamkam zwei ihrer besonderen Laufabenteuer vor, die von den Temperaturen gegensätzlicher nicht sein könnten, vom Yukon Artic Ultra und vom Badwater Ultramarathon: zwei Läufe jenseits der Vorstellungskraft normaler Ultras, deren Faszination sie eindrucksvoll vorstellte. Der Wunsch zur Nachahmung wollte bei vielen jedoch nicht aufkommen.

Für viele war es der schönste Teil des Wochenendes, als bei frühlingshaften Temperaturen ortskundige Vorläufer des TGV Schotten zwei Laufgruppen mit unterschiedlicher Laufgeschwindigkeit durch den Nationalpark Vogelsberg führten. In beiden Gruppen wurde vormittags 3 Stunden gelaufen, bevor man sich zum Mittagsimbiss in Schotten traf. Wer wollte, der konnte nachmittags noch einmal 1 Stunde langsam, 2 ½ Stunden langsam oder 2 ½ Stunden schnell dranhängen, bevor es zurück nach Laubach ging. Für einige bedeutete der Lauftag am Ende 55 km purer Genuss! Der Vorläufer Armin Buss, auf der Bank links stehend, führte zweimal die schnelle Gruppe an und zeigte schöne Teile seiner Hausstrecken.

Mittags traf sich die gesamte DUV-Gruppe samt ihrer Vorläufer zu einer gemütlichen Verpflegungspause, wobei dieses Gruppenfoto entstand. Wir erkennen in der ersten Reihe Jens, Curly (Hund), ich. Zweite Reihe: Gabriele, Oliver, Klaus, Monika, Kerstin, Dietmar, Mario, Herbert, Dietmar. Dritte Reihe: Iris, Maya, Anke, Heike, Willfried, Jürgen, Harald. Vierte Reihe: Kees, Michael, Frank und Torsten.

Sonne und Landschaft genossen Maya Lukas, Heike Bergmann, Vorläuferin Bettina. Ich konnte verletzungsbedingt nur mit dem Rad die Gruppe begleiten. Mit dem grünen Laufshirt folgt Torsten Riemer den Damen.

Ernährungsexperte Olaf Hülsmann erläuterte nachmittags spannende Zusammenhänge zwischen der richtigen Ernährung und Regeneration, Erkrankungen und Leistungssteigerungen und konnte auf alle Fragen kompetente Antworten geben. Ein Highlight der Veranstaltung!

Abends war noch das Thema „Mehrtageslauf“ vorgesehen. Experte René Strosny stellte zunächst einige grundlegende Aspekte der Vorbereitung und Durchführung vor, bevor er in stimmungsvollen Bildern typische Szenen von Turnhallen, Verpflegungsständen und einsamen Strecken zeigte. Dabei gab er unzählige, wichtige Tipps und erzählte zahlreiche Anekdoten von seinen zahlreichen Touren beispielsweise durch Deutschland oder Europa.

Bei frostigen Temperaturen unterhalb des Gefrierpunktes genoss die Trainingsgruppe am Sonntagmorgen eine Stadtführung der besonderen Art: Andreas Tempelfeld vom Sommerbiathlonverein Laubach integrierte Wissenswertes seiner Heimatstadt in den morgendlichen Lauf.

Nach dem Frühstück traf man sich dann wieder, um gemeinsam einen Biathlonwettkampf auszutragen. Beim Sommerbiathlon besteht der Wettkampf aus Laufen und Schießen, wobei beim Laufen das Gewehr nicht mitgenommen wird und die Laufstrecke etwa 1 bis 1,5 km lang ist, ähnlich wie beim weit populäreren Winterbiathlon gibt es vier Schießpausen, in denen liegend und stehend eine kleine Scheibe getroffen werden muss. Um uns eine Chance zu geben, sind die Profis uns sehr entgegen gekommen: die Laufrunde wurde verlängert, die Strafrunde verkürzt, für das Schießen die Entfernung und Scheibengröße für Kinder eingestellt. Bei mittlerweile recht warmen Temperaturen sollte der Spaß im Vordergrund stehen und der Wechsel zwischen schnellem Laufen und ruhigem, konzentriertem Schießen einmal erfahren werden. Wir organisierten zwei Startgruppen: Die erste war für die Spaßläufer gedacht, die ohne Stress und Zeitnahme joggen und schießen sollten. Die zweite Gruppe bildete die Wettkampftruppe, wobei ursprünglich 6 ambitionierte Läuferinnen oder Läufer von uns gegen 6 gestandene Biathleten antreten sollten.

Die Topläufer ihrer Mannschaften, René und Holger, vor der Startlinie, in der Mitte der Koordinator Andreas. Doch aus dem spannenden Duell wurde nichts. Nachdem René beim Laufen den notwendigen Vorsprung herausgelaufen war, konnte Holger seinen Rückstand beim Schießen nicht wettmachen, da sein Gewehr nicht korrekt auf die Entfernung eingestellt war und er unerwartet in die Strafrunde musste. Multitalent René ließ sich die Sahne nicht mehr von der Torte nehmen und siegte souverän. Wurde anfangs noch von „Spaß“ und „Joggen“ gesprochen, so änderte sich dies für alle Teilnehmer schlagartig, nachdem die Tannenzapfenstartlinie überquert wurde: Auch eine virtuelle Startnummer setzt, selbst am Ende eines anstrengenden Trainingslagers, Kräfte und Motivation frei, dass sich die Zuschauer nur wunderten. So kam es, dass Mario Reichelt noch vor Holger zweiter wurde und Dietmar Wohlgemuth und Willfried Röthlingshöfer nur knapp dahinter die folgenden Plätze belegten. 

Spaßvögel Herbert Ziefle und Jürgen Stattmüller Sekunden vor dem Start. Sie starteten, liefen, schossen und finishten gemeinsam; bei den Strafrunden wurde aufeinander gewartet.

Es wurde eng am Schießstand. Michael Beckmann, Heike Bergmann, Maya Lukas und Kerstin Wohlgemuth in Aktion, Frank Müller-Seidelmann muss auf ein freies Lasergewehr warten.

Nach dem letzten Vortrag zur Trainingsplanung, in dem ich Modelle erklärte, wie man die Elemente des Tempotrainings geschickt kombinieren muss, um sein Ziel, Tempo zu erlernen, auszubauen oder zu erhalten, zu erreichen,  gab es ein gemütliches Kaffeetrinken auf dem Balkon des Gästehauses, bevor nach einer kurzen Feedbackrunde, die Teilnehmer die Rückreise antreten mussten. Am vorderen Tisch sitzen Jens und Maya Lukas sowie Dietmar Branner.

Das Teilnehmerfazit fiel ausnahmslos positiv aus: Inhalte, Referenten, die einmalige Mischung des Programms, die Landschaft, das Haus, die unterstützenden Vereine aus Laubach und Schotten – alles war super. Den Teilnehmern gefielen besonders die tolle Gemeinschaft, die jederzeit fröhliche Stimmung und der offene Erfahrungsaustausch. Was mir besonders gefiel war, dass alle Teilnehmer Spaß hatten und verletzungsfrei die Heimreise antreten konnten. Einziger Kritikpunkt war die Länge des Programms von morgens um 7 Uhr bis nach 22 Uhr! „Als 24-Stundenspezialist braucht Michael offensichtlich weder Pausen noch Schlaf“, meinte ein ermüdeter Teilnehmer Verständnis suchend und findend. „Das Programm hätte auch für eine ganze Woche gereicht“, ergänzte ein anderer. Aber gefallen hat es trotzdem allen und wer weiß: wenn im Sommer die Bestzeiten fallen, hat sich das Trainingslager auf jeden Fall gelohnt.

 

Nach oben scrollen